Filmplakat Shining
8/10

„So problemlos sind Einsamkeit und Isolation nicht für jeden Menschen.“ (Shining, 1980)


Shining

Besprechung

Jack Torrance (Jack Nicholson) nimmt einen Job in einem Hotel in den Bergen an. Zusammen mit seiner Frau Wendy (Shelley Duvall) und seinem Sohn Danny (Danny Lloyd) geht er für fünf Monate ins Overlook-Hotel. Die Drei werden die einzigen Bewohner sein, da die gesamte Belegschaft ausgeflogen ist, der Winter steht bevor. Jack will in den einsamen Monaten einen Roman schreiben.

Anfangs geht alles gut. Bis auf die Tatsache, dass der kleine Danny Dinge sieht, die nicht da sind. Mit der Zeit wird Jack immer seltsamer. Unerklärliche Wutausbrüche und seltsame, vollgeschriebene Seiten mit Kauderwelsch machen Wendy Angst. Schließlich ist es an Jack, Dinge zu sehen, Dinge aus der Vergangenheit.

Nur der Hotel-Koch Dick Hallorann (Scatman Crothers) bekommt viele, viele Kilometer entfernt mit, dass irgendwas in dem Hotel nicht stimmt und reist zum eingeschneiten Hotel, in dem schreckliche Dinge passieren, um zu helfen.

Meinung von

Die Filmwelt liebt der Film, lobt ihn ganz hoch und spricht von Horror pur. Tatsächlich habe ich mich lange geweigert, den Film "mal eben abends" zu schauen - wenn der so gruselig sein soll … Im Endeffekt wurde ich enttäuscht von Shining. Mit der Meinung bin ich aber nicht alleine. Der Film, nach einem Roman von Stephen King, befriedigt nicht am Ende. Er macht keinen Sinn. Wieso wurde Jack so verrückt? Was genau ist das Shining und wieso kann Danny das? Sind es die Geister der vertriebenen Indianer, die hier für das Unheil zuständig sind? Wieso sehen wir am Ende ein Foto von 1921 mit Jack darauf? Was hat es mit der Frau in Zimmer 237 auf sich? So viele Fragen und keine Antworten.

Kubrick soll das egal gewesen sein, er meinte, Shining sei eine Geistergeschichte und diese müssten nie Sinn ergeben. Sollen sich doch die Leute da draußen die Köpfe zermattern und in wilde Interpretationen verfallen. Das war Kubrick egal. Nimmt man das an, dass der Film keinen Sinn ergeben muss, dann ist es nur eine Ansammlung von Traumszenen. Diese sind aber - das muss man sagen - großartig gefilmt!

Die Eingangssequenz mit dem Flug über den dunklen See, hin zum gelben VW Käfer Jacks, der auf einer einsamen Straße die Berge hoch zum Hotel fährt: großartig! Die vielen Aufnahmen von Danny, der im Dreirad durch das Labyrinth des Hotels fährt, die Kamera ihm immer auf den Fersen: große Klasse. Die Szene mit Jack im Golden Room ist super gefilmt, ebenso die Verfolgung im winterlichen Heckenlabyrinth. Alles hervorragende Aufnahmen! Diese geben dem Film von meiner Warte aus auch einige Extra-Punkte. An dieser Stelle dann auch ein großes Lob an die Bühnenbildner. Kubrick reiste nicht gerne, die Innenaufnahmen sind alle im Studio entstanden. Dabei wirkt alles realistisch und weitläufig, riesig.

Der kleine Danny Lloyd, der nicht wusste, dass er in einem Horrorfilm mitgespielt hat, sowie sein Filmvater Jack Nicholson sind die beiden herausstechenden Schauspieler im Film. Kinder im Film sind bekanntlich immer heikel, doch der junge Schauspieler macht seine Sache sehr gut. Man mag ihm beim Schauspielen zusehen. Jack Nicholson muss nicht viel machen. Man nehme Nicholson, sage, er sei ein Verrückter und jeder glaubt es ihm. Es sind die Augenbrauen, die ihm diesen Hauch von Wahnsinn geben. Das war also ein Selbstgänger.

Unterm Strich ist bei mir nur die hervorragende Kameraarbeit in Erinnerung geblieben. Und natürlich die Szene, die jeder kennt: Jack, der die Tür zum Hotelzimmer mit einer Axt einschlägt und dann durch die kaputte Tür irre schaut, um Hier ist Jacky! zu rufen. Wem das etwas seltsam vorkommt, dass er "Jacky" ruft - im Original ruft er Here’s Johnny!. Das ist für einen deutschen Zuschauer allerdings auch nicht sonderlich klarer. Nicholson hat diesen Ausruf wohl improvisiert und an die Tonight Show mit Johnny Carson angelehnt.

Gruselig war Shining nicht unbedingt. Da habe ich mich z.B. bei The Innkeepers mehr gefürchtet. Aber wahrscheinlich war er einfach zu der Zeit Blut-gefrier-Material. Der Vollständigkeit halber sollte ein Filmfreund natürlich Shining gesehen haben. Allerdings muss man in der deutschen Synchronisation darauf gefasst sein, dass Jack Nicholson nicht seine übliche Synchronstimme hat.

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