Filmplakat San Andreas
6/10

„Du hast meine Tochter allein gelassen? Falls du nicht bereits tot bist, werde ich dich umbringen.“ (San Andreas, 2015)


San Andreas

Besprechung

Kalifornien wird bekanntlich oft von Erdbeben geschüttelt. Erdbebenforscher Dr. Lawrence Hayes (Paul Giamatti) und sein Kollege Dr. Kim Park (Will Yun Lee) haben eine Methode gefunden, um Erdbeben vorherzusagen. Was sie da prophezeien können, ist etwas ganz großes! In L.A. fängt es an. LA Fire Departement-Mitglied Raymond Gaines (Dwayne Jonson) wird gerade zum Einsatz gerufen, als er in seinem Helikopter mitbekommt, dass seine demnächst Ex-Frau Emma (Carla Gugino) voll von dem Beben erwischt wird. Er zögert nicht und fliegt zu dem Hochhaus in dem sie sich befindet, um sie zu retten.

Ihre gemeinsame Tochter Blake (Alexandra Daddario) ist mit dem Neuen von Emma, Daniel Riddick (Ioan Gruffudd) in San Francisco. Na, da kann sie ja sicher sein. Nope. Die Serie von Erdbeben breitet sich entlang des San Andreas-Grabens aus. Dr. Hayes sagt das stärkste Erdbeben der Menschheit für San Fansisco vorher. Und schon befindet sich Blake mitten drin. Der junge Ben Taylor (Hugo Johnstone-Burt) und sein kleiner Bruder Ollie (Art Parkinson), die Blake eben erst kennengelernt hat, helfen ihr.

Derweil machen sich Ray und Emma auf den langen Weg nach San Francisco um ihre Tochter zu retten. Da weiß aber noch niemand von dem Mega-Erdbeben.

Meinung von

Katastrophenfilme sind jetzt auch nicht das jüngste Filmgenre. Interessanterweise gab es aber gefühlt schon länger keinen mehr. Regisseur Brad Peyton hat dann mal gleich die dicken Geschütze aufgefahren. Angefangen bei Dwayne Johnson und weitergemacht bei den Effekten der Zerstörung. Es ist nicht irgendein Erdbeben, es ist das Erdbeben überhaupt. 9,6 auf der Richterskale, so hoch ging die noch nie. Jaja, Amerika hat nicht nur große Getränke-Flaschen, sondern auch große Katastrophen. So sind sie eben …

Natürlich kann man nicht zwei Stunden lang Zerstörung zeigen. Wer sich das antun will, hat echte Probleme. Wir benötigen Personen, mit denen wir mitfiebern können, die uns sympathisch sind. Ray ist ein Held. Er ist bei der Feuerwehr und rettet Menschen. Seine Frau will sich von ihm trennen, will nun sogar mit dem Neuen zusammenziehen. Erst im Laufe des Films erfahren wir, wieso es zu der Trennung kam. Also ein bisschen Psychologie reingemischt und gut ist. Da war nie wirklich Feindschaft, sondern ein Auseinanderleben aufgrund eines traumatischen Erlebnisses.

Ray und Emma "verbünden" sich, sobald die Katastrophe einsetzt und machen sich auf den Weg ihr gemeinsames Kind zu retten. Ein zerstörtes Los Angeles reicht ja nicht. Dass Blake in San Francisco ist, macht es in diesem speziellen Fall nicht besser. Jaja, die Liebe führt sie alle wieder zusammen. Das ist arg vorhersehbar. Nichts Neues hier.

Die Zerstörung ist hingegen durchaus gut gelungen. Dabei hat Regisseur Peyton nicht – wie es so leicht gewesen wäre – komplett auf CGI gesetzt. Es gibt noch viele praktische Tricks. Die Restaurantszene im Hochhaus, wenn das Erdbeben L.A. zerlegt, ist so ein Beispiel. Hier wurde viel mit Schnüren gearbeitet, um das Interieur zum Wackeln zu bringen. Der Hubschrauber, der das junge Mädchen am Anfang rettet, war auch echt. Er flog nicht, er hing vielmehr an einem Kran, aber er war echt. Und das in sich zusammen sackende Hochhaus in SF, in dem Blake mit den beiden Brüdern Zuflucht vor dem Tsunami gesucht hat: ein riesiger Wassertank in Australien. Die Wassermassen sind also echt.

Gut, der Film übertreibt selbstredend an diversen Stellen. Hallo, soll er auch! Dass ein Tsunami auf SF zurauscht ist okay. Aber wenn Ray und Emma mit ihrem kleinen Motorboot die Riesenwelle hochfahren … Naja. Und dann legen sie noch einen Tanker oben drauf. Wenigstens lachen kann man darüber. Also ist es in Ordnung. Niemand hat einen realistischen, wissenschaftlich korrekten Film erwartet.

San Andreas ist somit leichte Popcorn-Kost mit wenigen Luftanhalte-Momenten. Kurzweilige Unterhaltung mit der einen oder anderen Ungereimtheit. Blake ertrinkt vor unseren Augen. Ray bringt ihren Körper an die Oberfläche, versucht Wiederbelebung – nichts. Lange liegt sie da rum. Und schließlich – Oh Wunder! – ist sie doch wieder da. Ja ne, is' klar. *seufz*

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