Filmplakat Sabotage
4,5/10

„London darf nicht lachen am Samstag.“ (Sabotage, 1936)


Sabotage

Besprechung

Plötzlich ist das Licht im gesamten London aus. Schnell ist klar, es war Sabotage. Carl Verloc (Oskar Homolka), der ein kleines Filmtheater führt, schleicht sich heimlich wieder nach Hause, wo seine junge Frau Sylvia (Sylvia Sidney) ihn vorfindet. Er gibt vor, geschlafen zu haben. Carl lebt ein Doppelleben. Für eine dunkle ausländische Macht soll er Terror in London verbreiten, um von den Kriegsgeschehnissen in Europa abzulenken.

Der vermeintliche Gemüsehändler Ted Spencer (John Loder) von nebenan, hat jedoch Carl beobachtet und berichtet seinen Vorgesetzten bei Scotland Yard davon. Die Polizeibehörde hat Carl im Visier und will herausfinden, was er im Schilde führt. Dazu horcht Ted Sylvia und deren kleinen Bruder Steve (Desmond Tester) aus, doch die haben ein makelloses Bild von Carl.

Erst als Carl von seinen ausländischen Auftraggebern die Aufgabe erhält, mehr Terror in London zu verbreiten – in Form einer Bombe – bekommt es Carl selber mit der Angst zu tun. Er versucht den Auftrag an Subunternehmer abzuwälzen, was jedoch nicht klappt.

Meinung von

Ein frühes Werk von Alfred Hitchcock aus seiner Londoner Periode. Wie auch bei Die 39 Stufen, Geheimagent oder Eine Dame verschwindet dreht es sich bei Sabotage um eine unsichtbare Bedrohung Großbritanniens durch ausländische Mächte. Es werden nie Namen genannt (aber eigentlich weiß man, wer gemeint ist). Auch in Sabotage bleiben die Aggressoren ohne Name. Ansonsten sind es Geheimnisse, die das Land verlassen sollen, doch diesmal soll "nur" Angst verbreitet werden.

Ich würde Sabotage als eine Art Fingerübung von Hitchcock ansehen wollen. Er war noch recht frisch im "großen Geschäft" und Sabotage ist unterm Strich recht lahm. Der Bösewicht, der Wiener Oskar Homolka, kommt gut rüber. Seine Blicke sind tief, böse, verschlagen. Wenn er selber in die Bredouille gerät, eine Bombe auszuliefern, dies aber nicht kann, weil er sonst enttarnt werden würde, schickt er kurzerhand den Bruder seiner Frau los. Das ist dann auch die einzige, echt spannende Szene, die der "Meister des Suspense" auf Zelluloid bannte. Wir wissen dank der Aussage vom Bombenbauer (William Dewhurst), wann die Bombe hochgehen soll (13.45h). Sie soll möglichst effektiv eingesetzt werden, in der Gepäckaufbewahrung von Piccadilly Circus. Der Junge trägt die Bombe unterm Arm. Hitchcock hält ihn auf, zeigt immer wieder, wie die Zeit voranschreitet. Mit dem Wissen, was mit diesem Paket wann passieren wird, baut der Regisseur Spannung auf.

Danach wird der Film nur noch schnell abgefertigt. Sylvia ist verzweifelt, bringt im Affekt Carl um, Ted, der – natürlich – schon lange in die junge Kinobetreiberin verliebt ist, will ihr helfen. Und wie sich dann aus der Affaire gezogen wird, dass Sylvia doch eigentlich hinter Gittern (oder damals an den Strick) musste, ist einfach ärgerlich. Das Ende von Sabotage ist dahingerotzt. Das ist es, was ich meine, warum Sabotage lediglich eine Fingerübung ist. Der Film ist nicht konsequent spannend. Am Ende gibt es eine schmalzige Liebesgeschichte.

Will man das Werk von Hitchcock gesehen haben, muss man auch Sabotage sehen, aber es ist kein Streifen, über den man unbedingt lange reden muss.

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