Filmplakat Ruhet in Frieden
5/10

„Seit wann ist Drogenhandel ein Beruf?“ (Ruhet in Frieden, 2014)


Ruhet in Frieden

Besprechung

Der ehemalige Polizist Matt Scudder (Liam Neeson) arbeitet seit seinem Ausscheiden vor acht Jahren als Privatdetektiv ohne Lizenz. Menschen, denen er einen Gefallen erweist, schenken ihm Geld.

Eines Abends wird er von Peter Kristo (Boyd Holbrook) angesprochen, den Matt vage von einer AA-Sitzung her kennt. Peters Bruder Kenny (Dan Stevens) hat einen Auftrag für ihn. Kennys Frau wurde entführt. Trotz Lösegeldzahlung wurde sie umgebracht und in kleine Stücke zerlegt. Matt soll für Kenny die Täter ausfindig machen.

Kennys Frau, so findet der Ex-Cop heraus, ist nicht das einzige Opfer dieser Art. Matt erkennt, dass nur Frauen von Drogendealern als Opfer ausgewählt werden. Bis die 14-jährige Tochter des russischen Drogenbarons Yuri Landau (Sebastian Roché) entführt wird. Eine erste Spur hin zu den Tätern erhält Matt von dem Friedhofsgärtner Jonas Loogan (Ólafur Darri Ólafsson), der jedoch riesige Angst vor den Entführern hat.

Meinung von

Eine simple Geschichte mit wenig Tiefgang und kaum Spannung. Rache als Motiv ist immer gut. Matt muss erst überredet werden, bis er einem Drogenboss behilflich ist. Dass das kaum ein Nachspiel hat, außer einem Miniverhör mit der Drogenfahndung, ist verwunderlich. Die Figur des Matt hat ein Drogenproblem, was zu seinem freiwilligen Austritt aus dem Polizeidienst geführt hat. Das einschneidende Ereignis, das ihn dazu bewegte, wird nur am Rande erwähnt. Irgendwie bleibt die Figur blass.

Der Trailer hatte noch mehr versprochen. Liam Neeson ist seit 96 Hours und auch mit Non-Stop auf den stahlharten, gealterten, bärbeißigen Typen abonniert, der sich seinen Weg freischießt und mit allen Wassern gewaschen ist. Das deutete auch der Trailer irgendwie an. Tatsächlich haben wir einen sehr ruhigen Krimi vor uns. Matt macht Laufarbeiten, prügelt sich kaum, schießt ebenso wenig. Die Story ist in Ordnung, doch fehlt in der Umsetzung der Kick. Der Film kommt einem vor wie ein langweiliger Tatort an einem Sonntagabend.

Matt bekommt einen Sidekick, den kranken und obdachlosen Jungen TJ (Brian ‚Astro‘ Bradley). Der ist zum Glück nicht nervig. Nötig ist er aber auch nicht wirklich. Kommen wir zu den Bösewichten. Zunächst bleiben sie klassisch in den Schatten. Man sieht nur Teile ihrer Gesichter. Irgendwann kann Regisseur Scott Frank das leider nicht mehr weiter durchziehen und zeigt uns die Psychopathen Ray (David Harbour) und seinen Kumpel Albert (Adam David Thompson). Wir bekommen mit, dass sie sadistisch und grausam sind. Ray ist der, der noch am meisten redet, Albert bleibt meistens stumm. Man kann auch mit Stille Grauen hervorrufen, doch das klappt hier leider nicht.

Regisseur und Drehbuchautor Scott Frank hatte den Roman von Lawrence Block bereits Jahre zuvor umgeschrieben gehabt und man wollte den Film auch damals verfilmt haben. Schließlich sollte es jedoch noch einige Jahre dauern, bis Frank selber in den Regiestuhl stieg und den Stoff verfilmte - leider recht schwach.

Ruhet in Frieden ist ein Film, den man sich eher bei Regen im Fernsehen anschaut und dann auch schnell wieder vergisst.

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