Filmplakat Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind
6,5/10

„Deine Mutter ist tot. Das ist Lohn genug.“ (Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind, 2016)


Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Besprechung

Mitte der 1920er kommt der Autor magischer Bücher, Newt Scamander (Eddie Redmayne), mit einem alten Koffer nach New York. Was niemand weiß: In dem Koffer ist ein Haufen magischer Wesen. In New York sind magische Tiere jedoch verboten. Dumm, dass einige der Wesen durch einen Zufall entkommen. Zuerst der Niffler, ein sehr diebisches Schnabeltier. Durch den Unfall begegnet Newt der Magier-Agentin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston), die ihn auch gleich verhaftet, nachdem Newt die Bekanntschaft mit dem No-Maj (in Großbritannien nennt man sie Muggle) Jacob Kowalski (Dan Fogler) gemacht hat.

Die Magier in New York leben alle im Verborgenen, wollen nicht auffallen. Die Anfeindungen der No-Maj waren in der Vergangenheit zu groß. Da gibt es z.B. die Anführerin der Second Salemers, Mary Lou Barebone (Samantha Morton), die öffentlich gegen Hexen predigt. Dabei wird sie von ihren zahllosen Waisenkindern unterstützt, u.a. vom zurückhaltenden Credence (Ezra Miller), der immerzu von Mary Lou misshandelt wird.

Der mächtige und angesehene Magier Percival Graves (Colin Farrell), ist hingegen gut zu dem jungen Mann. Graves hatte eine Vision von einem kleinen Kind, das in der Nähe von Credence sein soll und eine wichtige Rolle für alle Magier spielen soll.

Während Newt, “Tina” und Jacob versuchen die entflohenen Tierwesen einzufangen, geht noch etwas völlig anderes in New York um. Eine unheimliche Macht, unsichtbar und gewaltig. Die Magiergilde hat Newt und seine Wesen in Verdacht. Nachdem diese Macht einen angesehenen No-Maj umgebracht hat, wird es für Newt und Tina brenzlig.

Meinung von

Und da ist das Spin-Off zur Harry Potter-Reihe aus der Feder von J.K. Rowling. Diesmal war jedoch nicht das Buch zuerst da, sondern das Drehbuch, das ebenfalls von Rowling stammt. Wie schon bei den Potter-Filmen, zeigt die Autorin eine blühende Fantasie und baut eine sehr komplexe Welt auf.

Nicht das gute, alte England ist die Heimatstätte von Phantastische Tierwesen, sondern Amerika. Die Magier lebten einst offen unter den Menschen, wurden jedoch gejagt und so entschied man sich, unterzutauchen. Die Magier sind hier sehr viel furchtsamer als in Großbritannien. Mitten in dieser Situation stolpert der schüchterne, etwas linkische Newt hinein und verliert magische Wesen in einer Millionenstadt. Das kann nicht gutgehen.

Kleine Wesen, die Unfug treiben – allen voran der Niffler – sind natürlich putzig anzuschauen und machen Laune. Doch in New York wohnt noch etwas sehr unheimliches. Geschickt sendet uns Rowlning in falsche Richtungen, die Aufklärung kam dann für mich auch eher überraschend. Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind plätschert vor sich hin, man lacht, es sind einige Szenen offensichtlich nur fürs effing 3D gemacht. Das ist alles "nett". Aber irgendwas fehlt dem Film.

Nun ist Hauptdarsteller Eddie Redmayne nach seinem Oscar als Stephen Hawking in Die Entdeckung der Unendlichkeit ein sehr gefragter Mann und er spielt seinen Part auch gut. Sein Newt Scamander ist schüchtern, etwas weltfremd, menschenscheu. Er hat einen seltsam watschelnden Gang am Leibe und wenn er einem Menschen gegenüber steht, steht er stets etwas abgewandt, wie zur Flucht bereit. Erst wenn er mit seinen Tieren zusammen ist, lebt er auf. Wie gesagt: alles gut gespielt, aber ich habe keine Verbindung zu Newt herstellen können, es kamen keine großen Sympathien auf. Das ist fatal für die Hauptrolle.

Da ist schon eher der komische Part, der Nicht-Magier Kowalski, gespielt von Dan Fogler, der Sympathie-Punkt im Film. Dabei mag ich den Schauspieler eigentlich nicht. Die Gegenspielerin von Newt, Tina, bleibt leider ebenfalls blass. Dadurch passen sie natürlich beide gut zueinander und in einer der vier (!) geplanten Fortsetzungen wird da bestimmt auch noch was draus, aber … ich weiß nicht. Blasse Hauptfiguren? Oder muss ich denen erst Zeit geben, damit sie sich entfalten können?

Besser gefiel auch die Nebenfigur des Credence, also Ezra Miller. Als ich ihn zum ersten Mal sah, dachte ich noch, da stünde Buster Keaton vor der Kamera. Miller spielt den gebrochenen Charakter gut und überzeugend. Mit seinem Charakter hat man mehr Mitgefühl und empfindet mehr Sympathien als mit Newt. Das ist doch irgendwie nicht richtig.

Rowling wird ja im Zusammenhang mit der Potter-Reihe oft vorgeworfen, dass sie eh nur überall in der Literatur gestohlen habe. Bei Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind hat sie sich zumindest bei einer britischen Institution "bedient": Der Koffer von Newt ist von innen riesig. Man kann hinabsteigen und hier ist ein ganzer Zoo untergebracht. Das erinnert sehr stark an die Tardis aus Dr. Who (It's bigger on the inside!). Aber das lasse ich mal durchgehen. ;-)

Ganz kleine Nebenhandlung, die aber bestimmt noch groß aufbaut wird, ist die Geschichte um den bösen Magier Grindelwald. Was Voldemort bei Potter war, wird wohl Grindelwald für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Wir sind gespannt.

Ich war natürlich froh, den Film in 2D gesehen zu haben. Wie schon erwähnt, gab es einige Szenen, die nur dafür gemacht wurden um dem Publikum ein "Uhhh" zu entlocken. Für die Geschichte hatten die keinen Sinn. Was bedeutet, dass man locker eine viertel Stunde hätte kürzen können. 133 Minuten sind zu lang für den Film, eine aufgedrängte Pause erst recht. Mal die Art der Dimensionsausstrahlung beiseite, hat der Film aber auch einige fragwürdige CGI-Effekte, die schon in 2D so schnell waren, dass auf der Leinwand nur noch Wischiwaschi zu sehen war. Das muss den Filmemachern doch auffallen …?

Hardcore-Potter-Fans sind wahrscheinlich überaus froh, endlich wieder etwas von der Rowling auf der Silberleinwand sehen zu können. Wer wie ich nicht mal ein Potter-Buch gelesen hat, sondern nur die Filme kennt, wer also nicht "voll drin ist", für den ist Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind eine nette, kurzweilige Abendunterhaltung, die zu lang ist, wenig Sympathieträger hat und durch die vier folgenden Filme wie eine pure Geldmaschine wirkt. Das ist zu wenig um zu überzeugen.

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