Filmplakat Our Idiot Brother
7/10

„My god, what have you done to your vagina?“ (Our Idiot Brother, 2011)


Our Idiot Brother

Besprechung

Ned (Paul Rudd) ist nicht der Hellste. Nachdem er wegen eines Fauxpas im Gefängnis saß, braucht er nun eine Bleibe. Bei seiner Mutter (Shirley Knight) kann er nicht bleiben. Ich meine — Hey! — es ist seine Mutter. Kein erwachsener Mann sollte bei seiner Mutter wohnen. Also zieht Ned bei seiner gestressten Schwester Liz (Emily Mortimer) ein.

Das geht nicht lange gut, also zieht er weiter und bei seiner Schwester Miranda (Elizabeth Banks) ein. Ned hält sich immer mit kleinen Jobs für seine Verwandten über Wasser, doch stets bringt ihn sein unbedarftes Plappern in Schwierigkeiten. So landet er bei seiner dritten Schwester Natalie (Zooey Deschanel).

Ned bringt auch das Leben seiner lesbischen Schwester Natalie durcheinander. Unterm Strich hat er alle Schwestern durch und diese ihn über. Ned hat deren Leben “ruiniert”, wollte aber eigentlich immer nur das Beste für seine Schwestern.

Meinung von

Our Idiot Brother ist eine ruhige, leichte Komödie. Keine zotigen Witze, keine Schenkelklopfer. Paul Rudd, den man aus der TV-Serie Friends kennt, spielt einen Hippie im 21. Jahrhundert. Er baut an und verkauft Bio-Gemüse — und auch schon mal Drogen. Ned ist stets fröhlich und gut gelaunt, hilfsbereit und unbedarft. Er ist ein Kiffer. Aber kein völlig fertiger Kiffer, kein Agro, kein ständig Kiechernder. Ned ist einfach ... nett. Und er meint es stets gut mit seiner Umwelt. Doch die versteht ihn nicht. Allen voran seine drei Schwestern.

So eine Kiffer-Gestalt könnte leicht dumm rüberkommen, die Rübe schon weggeballert, doch die Figur Ned bleibt immer sympathisch. Man schaut ihm gerne zu, wie er unbedarft durchs Leben läuft und dabei Chaos anrichtet. Kein großes, nur kleines Chaos. Hauptsächlich in seiner Familie. Ned deckt so einige Geheimnisse auf, weil er entweder zur falschen Zeit am falschen Ort war, oder weil er die Leute durch seine freundliche Art zum Reden bringt.

So plätschert der Film vor sich hin und man muss zwischendurch immer wieder lachen. An einem Punkt wird einem bewusst, dass Our Idiot Brother eigentlich nur eine Aneinanderreihung von kleinen Alltagsbegebenheiten ist, die zu Sketchen werden. Aber kann das alles einen Film tragen? Kaum ausgedacht, muss man auch schon wieder lachen und die Frage ist vergessen.

Erst gen Ende, wenn sich seine Familie für Ned einsetzt und bei seiner Ex vorbeifährt, um Neds Hund Willi Nelson für ihn abzuholen — da wird es den Familienmitgliedern bewusst, was Ned für ein Typ ist. Ned, das kapiert eine seiner Schwestern, Ned ist ein Mensch, der schlicht und ergreifen bedingungslos liebt. Deswegen hat er ein so gutes Leben, deswegen verstehen die Menschen um ihn herum Ned aber auch nicht. Wer kann von sich behaupten, bedingungslos zu lieben und zu allen freundlich zu sein ...?

An dem Punkt fügen sich die Sketche und Späßchen zu einer Geschichte zusammen. Eine nette Geschichte, die einem für 90 Minuten ein kleines, wohliges Gefühl in der Magengegend bereitet. Nichts besonderes, aber durchaus sehenswert.

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