Filmplakat Open Windows
6/10

„Only ten percent?“ (Open Windows, 2014)


Open Windows

Besprechung

Die Schauspielerin Jill Goddard (Sasha Grey) promotet gerade ihren neuen Film. Nick Chambers (Elijah Wood) betreibt eine Fan-Seite und verfolgt den Stream der Veranstaltung in einem Hotelzimmer auf seinem Notebook. Er hat ein Abendessen mit Jill gewonnen und wartet auf sie, als ein Mann anruft, der sich als Chord (Neil Maskell), der Kampagnen-Manager von Jill ausgibt. Das Essen wurde gestrichen!

Chord bedauert das, aber er hat dafür einige andere Dinge für Nick auf Lager. Chord kann sich in alles reinhacken, was einen Livefeed hat: sei es Jills Mobiltelefon, Überwachungskameras, er hat sogar Nick ein Programm geschickt, mit dem eine Kamera quasi durch Wände schauen kann. Jill trifft sich nämlich heimlich mit ihrem Manager Tony (Iván González) in einem Hotelzimmer, das Nick beobachten kann. Als Tony Nick bemerkt, wird es brenzlig, doch Chord hilft dem Fan, dafür muss er sich allerdings komplett in dessen Hände begeben und so verliert Nick immer schneller die Kontrolle über sein Leben.

Der mysteriöse Chord scheucht Nick kreuz und quer durch Austin, dabei hat er ihn ständig im Blick dank spezieller Kameras und der in seinem Notebook. Nick muss erkennen, dass dieser Chord nicht nur ihn benutzt, sondern auch Jill schaden will. Wie soll man sich gegen einen ständigen Beobachter wehren? Zumal, wenn er bereits bei Jill im Haus ist?

Meinung von

Open Windows ist mit ganz vielen Fördermitteln umgesetzt worden, das zeigen uns zumindest die vielen Unterstützer, die am Anfang des Filmes genannt werden. Somit ist der Film eher unter der Rubrik Independent einzustufen. Was an sich nichts Schlimmes sein muss. Tatsächlich überrascht Open Windows mit einer sehr ungewöhnlichen Perspektive. Die Art und Weise, wie der Film gestaltet ist, ist schon faszinierend. Im Grunde sieht der Zuschauer nur die vielen offenen Fenster auf dem Desktop von Nicks Notebook. Ein Fenster mit Live-Stream, ein Fenster mit der Fan-Seite, ein Fenster, das Nick selber durch die Notebook-Kamera zeigt und so fort. Das ist im ersten Moment ungewöhnlich, gar etwas verwirrend, doch man gewöhnt sich daran.

Dadurch wird der Zuschauer in die Situation versetzt, alles aus Nicks Perspektive zu sehen. Man ist mitten im Geschehen, man ist aber auch ein Voyeur.

Spannend ist zudem die hilflose Situation in der Nick steckt. Er ist dieser gesichtslosen Stimme komplett ausgeliefert. Chord hat sehr Böses im Sinn, Nick kann das sogar beobachten, aber er kann nichts dagegen unternehmen. Chord fängt irgendwann an sadistisch zu werden.

Diese besondere Perspektive bricht zum Ende hin ab. Auch ist die Spannung irgendwann fort. Das kommt vor allem dadurch zustande, weil sich eine Gruppe französischer Hacker auf Nicks Computer eingenistet hat. Die Jungs sind zunächst affig "maskiert" (da hat so mancher Kinogänger lachen müssen), später dann aber helfen sie ihm. Dabei gehen die drei Jungs davon aus, dass Nick in Wirklichkeit die Hacker-Legende "Nevada" ist. Wieso helfen sie ihm, wenn sie davon ausgehen, dass sie den Ober-Hacker vor sich haben, der nicht nur im virtuellen Leben ein Genie ist, sondern auch diverse Dinger im realen Leben gedreht hat? Der müsste sich doch selber zu helfen wissen. Nick scheint hingegen eine ziemlich hilflose Person zu sein. Ne, die Geschichte mit den Franzosen war mir zu konstruiert.

Die Auflösung, was es mit Chord auf sich hat, hinterlässt einen faden Geschmack im Mund. Die letzte Auflösung am Ende des Films ist dann recht unvorhergesehen, aber rettet den Streifen dann doch nicht. Was schade ist, denn für die visuelle Umsetzung, für die Idee des Beobachtens gibt es schon einen Moviejunkie-Punkt. Den hat er sich verdient.

Neben dem eigentlichen Katz-und-Maus-Spiel zwischen Nick und Chord (auch wenn es sehr einseitig ist) gibt es noch sowas wie eine Kritik am Fan-Fanatismus. Die Idee etwas nicht zu machen, wenn User einer Seite sich ausklinken, also nicht zuschauen, ist recht charmant. Leider wissen wir alle, wie das ausgeht. Die Menschen sind eben geil auf Katastrophen und das Leid Anderer. Die ständige Überwachung, der wir uns durch den Gebrauch unserer vielen technischen Gimmicks und Geräte ständig aussetzen, ist ebenfalls ein Kritikpunkt von Open Windows, der nebenbei abgehandelt wird.

Elijah Wood spielt recht ordentlich den unschuldigen, kleinen Fanseiten-Betreiber, der durch einen übermächtigen, allsehenden Gegner ausgenutzt wird. Sasha Grey dürfte als ehemaliger Pornostar keine Schwierigkeiten mit der Nacktszene gehabt haben. Ansonsten ist ihre Rolle recht klein. Wir sehen eh hauptsächlich Nick und später diese seltsamen Franzosen. Gut gewählt war Neil Maskell für die Stimme aus dem Off. Einfach, weil es eine angenehme Stimme mit einem weichen, britischen Akzent ist.

Immer wenn es ums Hacken geht, sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Zwar haben wir hier nicht Hollywood vor uns, die uns weismachen wollen, was man alles Tolles (resp. Schlimmes) mit dem Computer machen kann, sondern eine aus diversen Fonds versorgte, spanische Produktion. Traumfabrik bleibt aber Traumfabrik. Deswegen war auch diese "Serverfarm" von Nevada so … naja.

Starker Anfang bei Open Windows mit guter Eingangsgeschichte, die sich dann aber im Laufe des Films verliert, bzw. in seltsame Bahnen abdriftet. Die visuelle Umsetzung ist über weite Strecken klasse. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht.

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