Filmplakat Non-Stop
9/10

„Und im Moment der Vernichtung werden unsere Kinder unser Versagen erkennen.“ (Non-Stop, 2014)


Non-Stop

Besprechung

Der gealterte und von Problemen geplagte Air Marshal Bill Marks (Liam Neeson) geht widerwillig an Bord eines Flugzeugs. Er hat Flugangst. Die Maschine geht von New York nach London. Schon in der Wartehalle beobachtet er die Passagiere und schätzt sie ein.

An Bord selber setzt sich die hartnäckig nach einem Fensterplatz fragende Jen Summers (Julianne Moore) neben ihn. Diese schläft schnell ein. Als der Flieger mitten über dem Atlantik ist, wird Bill von einem Unbekannten auf dem geschützten Kommunikationsnetz angeschrieben. Zunächst verwirrt, muss Bill feststellen, dass die unbekannte Person einiges über ihn weiß. Der anonyme Schreiber gibt Bill den Befehl, 150 Mio Dollar auf ein Konto zu überweisen. Ansonsten stirbt alle 20 Minuten eine Person.

Da immer zwei Air Marshals auf den wichtigen Routen mitfliegen, hat Bill seinen Kollegen Jack Hammond (Anson Mount) in Verdacht. Tatsächlich hat der auch Dreck am Stecken – allerdings hat er Bill nicht die Erpresser-SMS geschickt. Bill vertraut lediglich Jen und der Flugbegleiterin Nancy (Michelle Dockery), ansonsten kann jeder der Verdächtige sein. Tatsächlich passiert nach 20 Minuten ein Mord. Die Flugleitung will aber nicht helfen. Langsam kommen Hinweise ans Tageslicht, die alle darauf hindeuten, dass Bill der Täter ist. So soll es zumindest nach außen aussehen.

Während Bill versucht, die Passagiere und das Flugzeug zu schützen, wird sein Ansehen immer mehr in den Dreck gezogen, was allmählich die Fluggäste gegen Bill aufbringt.

Meinung von

Nach einer ruhigen Einführung der Hauptperson, geht es auch schon an Bord der Maschine. Der Film spielt hauptsächlich auf diesem engen Raum, was die Spannung noch mehr erhöht. Wer ist so verrückt, einen Mord in einem Flugzeug, 13.000 Meter über dem Boden zu begehen? Dann noch, wenn ein Air Marshall mitfliegt? Das ist schon seltsam. Doch als dann alle Hinweise auf Bill gelenkt werden, so dass er als Terrorist dasteht, wird es ganz seltsam.

Regisseur Jaume Collet-Serra und Liam Neeson haben bereits in Unknown Identity zusammengearbeitet. War der Film noch so lala, von der Idee her interessant, von der Umsetzung aber nicht so spannend, knallt Non-Stop richtig rein. Collet-Serra gelingt es einen klassischen "Wer war es"-Film zu gestalten. Ständig fragt man sich, wer der anonyme Angreifer sein mag. Unweigerlich fängt man an, jeden im Flugzeug zu verdächtigen. Es werden Fährten ausgelegt, die einen dazu bringen "Der muss es sein!" zu sagen, doch dann wird man davon wieder abgelenkt. Doch langsam gehen die Verdächtigen aus und ein Fragezeichen formt sich auf der Stirn des Zuschauers.

Dazu kommt der Zeitfaktor. Der Angreifer beweist, dass er den Air Marshal kennt, ebenso seine Schwächen. Er hat zudem gezeigt, dass er die Drohung Menschen zu töten - und damit unerkannt davonzukommen - in die Tat umzusetzen weiß. Ein Toter folgt auf den nächsten. Ein gefährlicher Gegner, der dann noch mit großen Leuchtreklameschildern auf den vermeintlichen Täter Bill deutet. Das macht die Arbeit für den Marshal nicht leichter.

Neben dem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Gesetzeshüter und Kriminellen, nutzt Collet-Serra einen wichtigen, die Handlung bestimmenden Faktor ein: die generelle Angst vor dem Fliegen, aber vor allem die Angst in der heutigen Zeit zu fliegen. Nach 9/11 ist jeder an Bord ein potenziell Verdächtiger. Das zeigt sich wunderbar in der Szene, wo Bill einen arabischen Arzt ausfragt, dann aber weiter zum nächsten Verdächtigen geht, der erst einmal ganz verwundert fragt, ob der Marshal denn nichts bei dem Mann gefunden hätte? Jeder mit Gebetsmütze auf dem Kopf muss unweigerlich ein Terrorist sein. Das ist, so der Regisseur selber, ins kollektive Bewusstsein der Menschen eingedrungen, nachdem Anschlag aufs World Trade Center.

Somit hat man von vielen Seiten Spannung, die auf den Zuschauer einwirkt. Ich schaue ja viele Filme, aber der war so gut und packend erzählt, dass ich ganz kippelig im Sitz wurde. Immerzu war dann noch diese Ungewissheit, wer denn nun der Täter sein könnte.

Die Auflösung kommt überraschend, ist dabei aber auch glaubwürdig. Es geht eben um die Anschläge vom 11. September 2001 und die Sicherheit, bzw. die Unsicherheit, in der wir seit dem alle leben. Die Amerikaner noch mehr, als der Rest der Welt. Als es klar wurde, wer hier die wirkliche Bedrohung ist, habe ich die Ausführungen durchaus nachvollziehen können. Wir haben also nicht ein „Huh, damit habt ihr nicht gerechnet, was haben wir euch verarscht“-Ende vorliegen.

Neeson, der seit 96 Hours als knallharter Problemlöser bekannt ist, füllt seine Rolle gut aus. Man schaut ihm gerne zu. Zwar gibt es gerade am Anfang, als Bill und sein Kollege Hammond aufeinanderstoßen, ein paar Turbulenzen, die den Film für kurze Momente holperig erscheinen lassen, doch hin zum Ende wird Non-Stop sehr spannend und hat ein hohes Tempo. Ich habe den Film sehr genossen.

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