Filmplakat Nicht mein Tag
7/10

„Das ist wie Osten, nur im Westen.“ (Nicht mein Tag, 2014)


Nicht mein Tag

Besprechung

Till Reiners (Axel Stein) hat seine Träume für das Familienleben begraben und arbeitet in einer Bank in Osthofen. Eines Tages wird er von Nappo (Moritz Bleibtreu) als Geisel genommen. Nappo braucht das Geld, um sich seinen Traumwagen zu kaufen, einen Ford Mustang.

So eine Geiselsituation ist nicht angenehm, aber nach ein bisschen Gitarren-Gezupfe kommen sich Entführer und Entführter näher. Till hilft sogar Nappo beim Kauf seines Wagens. Die ganze Hektik könnte damit vorbei sein und gut ist. Aber erstens hat Till schon ein wenig Blut geleckt, zweitens scheint ihn seine Alte (Anna Maria Mühe) zu betrügen und drittens braucht Nappo ihn für einen Deal in Amsterdam. Also machen sich Nappo, Till und Nappos Freundin Nadine (Jasmin Gerat) auf den Weg nach Amsterdam, um ein Geschäft mit einer Gruppe Albaner abzuwickeln.

Till verhält sich mittlerweile gar nicht mehr wie eine Geisel …

Meinung von

Sie haben mich geködert! Es hieß, der Film sei vom Regisseur von Bang Boom Bang (und Was nicht passt, wird passend gemacht). Das stimmt auch, aber die beiden erst genannten Filme sind chaotisch, haben in ihrer Art etwas leicht anarchistisches, durchgeknalltes. Das vermisse ich bei Nicht mein Tag schon. Nicht mein Tag ist im Vergleich zu seinen Vorgängern "ernsthaft". Zumindest beginnt er sehr ruhig und gemächlich. Man wird in das langweilige Leben von Till Reiners reingezogen.

Als die Geiselnahme los geht, sprudelt der Film immer noch nicht. Axel Stein ist nett, Moritz Bleibtreu gewohnt stark, flapsig und rotzig. Den Kleinkriminellen gibt er erneut überzeugend. Ich sah ihn zuletzt (bewusst) in Soulkitchen, aber der gute Mann hat in letzter Zeit doch auch in internationalen Filmen mitgespielt (in World War Z war es ein W.H.O Arzt).

Stein und Bleibtreu spielen gut zusammen. Stein, der seine Karriere eher im Klamaukfernsehen begonnen hat, mimt hier zumindest ordentlich. Mein Herz ging auf, als wir Ralf Richter sahen. Ja, da kamen Bang Boom Bang-Erinnerungen auf. Leider ist dessen Rolle nur sehr klein.

Der Film nimmt erst richtig Fahrt auf, als das Trio nach Amsterdam fährt. Till, der sich mittlerweile den Kampfnamen "Till Tiger" zugelegt hat, will auf das Konzert der Band Donar. Doch zuvor gehen die Drei aus und es wird von allem, was der Drogenschrank so hergibt, etwas konsumiert. Das bekommt dem braven Bankangestellten natürlich gar nicht gut.

Zudem bekommt der Streifen durch die Albaner noch etwas mehr Würze. Also unterm Strich nette Unterhaltung mit einigen guten Lachern, aber der "Pott"-Charme des früheren Werkes von Regisseur Peter Thorwarth fehlt leider. Lokalkolorit kommt nur durch Tills Navigationsgerät in den Film.

Was nicht hätte sein müssen, aber auch nicht so schlimm wie erwartet war: Till Schweiger, der nebenbei Co-Produzent war, hatte einen Gastauftritt …

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