Filmplakat Never After Dark

8,5/10

"He's normal. Just a dead guy." — Never After Dark, 2026

Never After Dark

Besprechung

Airi (Moeka Hoshi) reist mit ihrem alten Volvo durch Japan, immer auf der Suche nach einem Job, bei dem sie helfen kann. Ihr Job: Geistern, die in dieser Welt feststecken „rüber helfen“. Ihr jüngster Job führt sie und ihre tote Schwester Miku (Kurumi Inagaki), die nur von Airi gesehen werden kann, in ein großes, abgelegenes Anwesen im Wald. Airi wurde von Teiko (Tae Kimura) beauftragt. Teiko glaubt, einen Geist gesehen zu haben. Ihr Sohn Gunji (Kento Kaku) steht dem Hokuspokus skeptisch gegenüber. Er glaubt daran, dass die junge Frau seine Mutter ausnehmen will.

Das Gefühl wird verstärkt, als Airi Mutter und Sohn bittet das Haus, das einst ein Hotel war und erst vor kurzem von Teiko erworben wurde, zu verlassen. Airi kann nicht so mit den Lebenden … Abgesehen davon, ist das Ritual, das sie vollführen will, nicht ungefährlich.

Alleine – okay, ihre Schwester ist natürlich immer bei ihr – will Airi sich am nächsten Tag an die Arbeit machen. Sie arbeitet nie bei Nacht, da ist die Mauer zwischen dem Hier und dem Jen­seits zu dünn und die Geister haben zu viel Macht. Es dauert nicht lange, bis sie den entstellten Geist (Mutsuo Yoshioka) sieht. Was sucht er in dem einen Zimmer?

Meinung von

Ich meide asiatische Filme, ebenso wie französische oder spanische oder Filme in einer anderen Sprache als Englisch. Das liegt daran, weil ich OmU nicht mag. Ich mag es nicht Untertitel zu lesen, weil ich dann weniger vom Film mitbekomme. Mit Never After Dark habe ich eine Premiere auf dem 40. Fantasy Filmfest hingelegt. Ich habe mich dazu durchgerungen, einen nicht-englischen Film zu schauen. Wieso die Ausnahme? Öh ... Ja ... Also ... Okay. Aus "niederen Gründen". Ich sah das Promo­foto zu dem Film auf der Seite des Filmfests und ich fand Moeka Hoshi sehr attraktiv. Das war der einzige Grund, warum ich es auf mich genommen habe, einen japanischen Film zu schauen. Sorry. Ich bin auch nur ein Mensch.

Aber zum Glück ist Never After Dark eine sehr schöne, gut gemachte Geistergeschichte. Dass es sich um eine Geister­geschichte handelt, war auch schon alles, was ich von dem Streifen wusste. Erst vor dem Film habe ich gelernt, dass der Autor und Regisseur des Films der Amerikaner Dave Boyle ist. Der dreht anscheinend nur in Japan und produziert dort auch. Das soll heißen, Never After Dark ist ein Film für den amerika­nischen Markt? Ich glaube nicht, dass er extra dafür gemacht wurde.

Eine Geschichte, in der jemand Geistern hilft ins Jenseits zu kommen, dürfte es bestimmt schon geben. Aber dass die helfende Person ein gondelndes Medium ist, das durch Mund-zu-Mund-Propaganda ihre Kunden bekommt, scheint mir originell zu sein. Schön auch der Hinweis, dass Airi niemals abends arbeitet, wenn es dunkel ist. Wer will schon in so einer gruseligen Umgebung, in der man nichts sehen kann, arbeiten? Wobei ... wenn Airi in die Zwischenwelt eintaucht, dann ist es dort dunkel. Mist. Aber zum Glück nicht super-düster. Boyle lässt seine Heldin in goldenem Licht ihre Arbeit starten, nur damit sie in kaltem Blau mit den Geistern arbeiten kann.

Leider ist das die einzige optische Besonderheit des Films. Die Farben sind ansonsten sehr blass, es gibt keine echten Schatten. Das könnte auch ein Netflix-Film sein ... Eine Sache macht Boyle noch: In der Zwischenwelt ist es nicht nur dunkler, es ist auch alles spiegelverkehrt. Das mag wohl auch daran liegen, weil ein Spiegel eine wichtige Rolle bei Airis Ritual spielt. Wir sehen zudem Miku immer nur in spiegelnden Oberflächen.

Boyle lässt uns lange auf einem Weg wandeln. Es ist sehr geradlinig, wie Airi vorgeht. Ein Sandwich machen, Musik hören und den kommenden Tag abwarten. Der erste Kontakt mit dem Geist, der in einem Zimmer an einer Wandpaneele kratzt. Zwischendurch die kleinen Unterhaltungen mit ihrer Schwester, die, wie wir erfahren, vergiftet wurde. Alles wie man es erwartet. Die Geschichte wird ruhig aber bestimmt vorangetrieben.

Dann kommt eine Wende, die man nicht erwartet hat. Dieser Geist ist sehr mächtig. Zu mächtig für Airi. Der Geist ist nach dem Tod in die falsche Richtung gewandert. Mehr sage ich nicht.

Die Überraschung war groß. Die Geschichte wechselt im dritten Akt das Genre, hält aber dennoch an der Geisterge­schichte fest. Spannender Mix. Ich habe Never After Dark genossen. Er hat keine wilden Schockmomente, eine gute Geschichte, alle spielen ihre Rollen ordentlich. Eine klare Empfehlung von mir.