Filmplakat Moonrise Kingdom
8/10

„Ist nicht für Männer gedacht, aber ist mir scheißegal.“ (Moonrise Kingdom, 2012)


Moonrise Kingdom

Besprechung

Wir schreiben das Jahr 1965. Noch drei Tage bis zum großen Sturm auf New Penzance Island vor der Küste Neuenglands. Noch ahnt niemand etwas von dem kommenden Wetter.

Sam (Jared Gilman) hat sein Dasein als Khaki Scout aufgegeben. Er ist aus dem Camp Ivanhoe der Truppe 55 unter der Leitung von Scout Master Ward (Edward Norton) abgehauen. Große Aufregung hier und gleich mal eine umfangreiche Suchaktion auf der gesamten Insel gestartet. Obwohl Sam nicht beliebt war bei den anderen Pfadfindern.

Der Polizei-Chef der Insel, Captain Sharp (Bruce Willis), sucht mit. Schnell werden auch die Bishops (Bill Murray und Frances McDormand) involviert. Ihre Tochter Suzy (Kara Hayward) ist ebenfalls verschwunden. Und wie es aussieht, ist sie mit Sam zusammen.

Das junge Liebespaar wandelt auf einem ganz besonderen Weg und erzeugt viel Verwirrung auf der Insel.

Meinung von

Ah, ein Wes Anderson-Film. Wie schön. Moonrise Kingdom hat die typische Handschrift des texanischen Regisseurs, ist aber kein Abklatsch eines seiner früheren Werke. Es gibt die theaterhaften Sets, die Totalen, den skurrilen Humor — und Liebe. Erste Liebe. Sam ist ein Waisenkind und hat deshalb Anpassungsschwierigkeiten. Niemand aus seiner Pfadfinder-Truppe mag ihn. Niemand weiß, dass er Waise ist. Die junge Suzy hat, wie Sam auch, ein gewissen Problem mit dem Gemüt. Suzy rastet schnell mal aus, weshalb auch sie eine Außenseiterin ist. Zwei von der Gesellschaft Ausgestoßene finden und lieben sich.

Kinder im Film sind bekanntlich immer ein schwieriges Thema. Schnell wird es lächerlich oder peinlich. Doch die Jungschauspieler in Moonrise Kingdom machen alle ihre Sache gut. Gilman spielt einen Charakter, den man im ersten Moment als Loser einstufen würde. Aber er ist intelligent und ein exzellenter Pfadfinder. Suzy liest gerne, flüchtet sich in Traumwelten. Ihre Romanhelden sind oft wie sie: einsam. Sam und Suzy finden sich auf eine ganz besondere Art. Ein Jahr dauert ihre Brieffreundschaft, in der sie ihre Flucht planen, die dann die halbe Insel mobilisiert.

Moonrise Kingdom reiht sich in die Riege der Anderson-Filme ein. Der Streifen hat wieder einmal ein absolutes Staraufgebot im Gepäck. Neben den oben erwähnten Schauspielern ist noch – natürlich – Jason Schwartzman dabei. Aber auch Tilda Swinton, Harvey Keitel und Bob Balaban sind mit von der Partie.

Für Wes Anderson-Fans ist Moonrise Kingdom natürlich ein Muss. Aber auch Menschen, die einfach abschalten und eine liebenswerte Geschichte mit einem herzlichen Humor sehen wollen, sind mit diesem 94-Minuten-Streifen gut bedient.

Einzig bei der Szene, wenn die beiden Liebenden am Strand tanzen und sich küssen, da musste ich dann doch wegschauen. Das war mir zu viel Fremdgeschäme. Davon abgesehen ist die Beziehung zwischen Sam und Suzy sehr liebevoll und zärtlich dargestellt.

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