Filmplakat Mission: Impossible 2
3,5/10

„Mit einem Mann ins Bett zu gehen und ihn zu belügen? Sie ist eine Frau. Das braucht sie gar nicht zu trainieren.“ (Mission: Impossible 2, 2000)


Mission: Impossible 2

Besprechung

Weil IMF-Agent Ethan Hunt (Tom Cruise) gerade im Urlaub war, wurde ein anderer Agent eingeschleust, um den Wissenschaftler Dr. Nekhorvich (Rade Serbedzija) aus Australien nach Atlanta zu bringen. Er bat ausdrücklich um Ethan, doch neben ihm sitzt – in Ethans Maske – Sean Ambrose (Dougray Scott), der mit seiner Bande das Flugzeug abstürzen lässt, nicht ohne vorher dem Doktor etwas abzunehmen, das sich “Bellerophon” nennt.

Bei Bellerophon handelt es sich um ein Gegenmittel zu einem von Dr. Nekhorvich entwickelten, schnell tödlichen Super-Grippe-Virus namens “Chimera”. Ambrose geht eigene Wege und will den Virus gewinnbringend verkaufen. Ethan wird eingeschaltet, um den Virus wieder zurückzuholen und eine Pandemie zu verhindern.

Neben seinem alten Kumpel, dem Computer-Experten Luther Stickell (Ving Rhames) hat er noch den Hubschrauber-Piloten Billy Baird (John Polson) dabei, um den schwierigen Auftrag zu bewerkstelligen. Außerdem ist eine Zivilistin dabei, die Ethan jedoch zuerst einmal rekrutieren muss. Dabei handelt es sich um die Diebin Nyah Nordoff-Hall (Thandie Newton). Ethan dachte noch, er wurde sie wegen ihrer Qualitäten als Diebin anheuern, doch tatsächlich soll sie als Ex-Flamme von Ambrose diesen infiltrieren. Ein gefährliches Spiel.

Meinung von

Die Story für Mission: Impossible II ist nicht die schlechteste. Wie im ersten Teil auch schon, kommt der Verräter aus den eigenen Reihen – was einem den Gedanken aufdrängt, dass diese IMF ein echt mieser Arbeitgeber zu sein scheint. Auch wird die Art der Teamzusammensetzung beibehalten, sogar ein altbekanntes Gesicht wieder an Bord geholt. Allerdings stimmt etwas an der Schauspielerliste nicht. Dass Nummer vier des Ethan-Teams, Billy Baird, etwas sehr blass ist, kann man noch vertragen. Leider ist jedoch auch der Gegner mit Dougray Scott sehr farblos besetzt worden. Ein Gegner muss Charisma ausstrahlen, oder zumindest echt richtig mies und fies sein. Die Figur des Sean Ambrose ist nichtssagend. Da ist sogar der Handlanger des Bösewichts, Hugh Stamp (Richard Roxburgh), noch eher ansprechend. So eine Fehlbesetzung ist schon mal ein Minuspunkt.

Die nächste Fehlbesetzung ist ganz klar Regisseur John Woo. Seine Handschrift, die er einem breiten Publikum zuletzt bei Im Körper des Feindes: Face/Off gezeigt hat, kommt auch in Mission: Impossible II deutlich durch. Da wären extreme Slowmotion-Einstellungen (der Film hätte bestimmt zehn Minuten kürzer sein können) mit eklig pathetischer Jaulmusik zu nennen. Damit fängt Woo bereits früh an. Richtig schlimm wird es dann zum Showdown.

Tauben! Wieso Tauben? Tauben in einem Chemielager. Wieso? Das ist nur dem geschuldet, dass Woo diese Ratten der Lüfte so gerne einsetzt. Auch gerne als weiße Tauben. Und die fliegen natürlich in Slowmotion. Das ist alles so dick und gekünstelt, dass es einen nur noch ärgert. Der finale Kampf zwischen Ethan und Sean dauert dann auch noch extrem lange, was ebenfalls ein Ärgernis darstellt. Die kloppen und kloppen und kloppen sich da am Strand. Maaannnn. Natürlich liegt Ethan, der sich gerade abwenden will, um seine liebste Nyah zu retten, eine Pistole vor den Füßen. Kampfszene auf Kampfszene, dann geht er zum eben gelandeten Hubschrauber und – zack – liegt, weil passend, eine Pistole im Sand vor ihm, die er geschickt in die Luft kickt, um den Bösewicht zu erschießen … Ja, ne — is' klar.

Alles, was der Film sich trotz Slowmotion und Jaulmucke an wohlwollender Meinung hat erarbeiten können, ist mit dem total versauten Ende zunichte gemacht. Man sitzt im Kinosessel und wird mit dieser schwülstigen, absolut übertriebenen Action-Kacke zugeschüttet. Da kann man nur sauer bei werden. Ein Film, vor allem ein Action-Film, ist nicht realistisch, aber was John Woo abgeliefert hat, das ist eine zwei Meter dicker Übertreibungsschicht auf Zelluloid. Sehr unangenehm.

Gefallen hat der einsame Vorfall von Selbstironie. Es fällt schon auf, wie viel und blöde Tom Cruise ständig grinst. Das ist dann auch ein Thema für den Bösewicht Sean, der eben dieses dämliche Grinsen Ethan Hunts anspricht. Danach wird es auch weniger mit dem Zähnezeigen.

Einziges Highlight wäre gewesen, wenn sie die MI-Titelmelodie, die für den Film von Limp Bizkit eingespielt wurde, auch tatsächlich mal gespielt und nicht nur angedeutet hätten.

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