Filmplakat Maggie
7/10

„Promise me that you make it stop.“ (Maggie, 2015)


Maggie

Besprechung

Weltweit ist ein Virus ausgebrochen, der die Infizierten langsam zu einer Art Zombie werden lässt. Erst fangen sie an ein wenig zu verfaulen, sie haben zunächst keinen Appetit mehr, dann wird ihr Geruchssinn extrem geschärft – schließlich wollen sie mehr und fallen über Menschen her. Da der Verlauf so langsam ist und von der Infektion bis zum Ausbruch sechs bis acht Wochen vergehen können, kann man die Seuche recht gut eindämmen. Wer infiziert ist, kann noch eine Weile bei seinen Angehörigen bleiben, bis der Betroffene in die Quarantäne gesteckt wird, wo die Person schließlich erlöst wird.

Maggie Vogel (Abigail Breslin) wurde von einem Infizierten gebissen. Ihr Vater Wade (Arnold Schwarzenegger) hatte zwei Wochen nach der Ausreißerin gesucht, bis er den Anruf bekam. Er bringt seine Tochter auf seine Farm zurück. Maggies kleine Geschwister werden zu Verwandten gebracht, so bleibt neben Vater und Tochter auch Maggies Stiefmutter Caroline (Joely Richardson) zurück. Man will so lange wie möglich mit der Teenagerin zusammenbleiben.

Langsam schreitet die Infektion voran. Der hiesige Sheriff (Douglas M. Griffin) steht immer wieder vor der Tür und erinnert Wade daran, dass er irgendwann seine Tochter in die Quarantäne geben muss. Oder er erledigt es selber. Aber Wade muss in naher Zukunft handeln. Doch der Vater will nicht loslassen. Er kann sein geliebtes Kind nicht gehen lassen.

Meinung von

Zombie-Filme sind seit einigen Jahren absolut in. Das verkauft sich absolut genial. Maggie ist nicht der typische Zombie-Film. Die Infektion wird noch nicht mal so genannt. Man sieht auch keine Fleischfress-Szenen. Nur in sehr kurzen Flashbacks erlebt Maggie noch einmal die Attacke, bei der sie gebissen wurde. Die Krankheit, der Virus ist Mittel zum Zweck, um eine sehr traurige Geschichte zu erzählen.

Um nicht als Action-Großvater dazustehen, ist Terminator Arnold Schwarzenegger in eine sehr ruhige, sehr emotionale Rolle geschlüpft. Sein Charakter ist sanft, bescheiden und gebrochen. Er hat schon seine Frau verloren, die gemeinsame Tochter Maggie ist somit nicht nur sein Kind, sondern auch seine letzte Verbindung zu seiner verstorbenen Frau. Ein Grund mehr an Maggie festzuhalten. Wer kann schon sein Kind sterben sehen?

Zwischendurch kam der Gedanke auf, warum es ein solcher Virus sein muss? Hätte die Geschichte nicht auch mit z.B. einer Krebserkrankung funktioniert? Die Antwort lautet Nein. Der so genannte Necroambulus-Virus lässt die Betroffenen nicht einfach langsam sterben. Er verändert die Opfer. Sie werden anders, sie werden gefährlich. Die Natur sorgt hier nicht dafür, dass ein Ende kommt. Die Gesunden müssen es in die eigenen Hände nehmen. Wade kann aber sein geliebtes Kind nicht zum Sterben weggeben. Zumal der befreundete Arzt Dr. Vern Kaplan (Jodie Moore) dem Vater erklärt, dass in der Quarantäne eine Art Sterbecocktail gespritzt wird, der extreme Schmerzen verursacht, bis schließlich der Tod eintritt.

Regie-Debütant Henry Hobson schafft es, dem ehemaligen Action-Helden Schwarzenegger eine Träne zu entlocken. Schwarzeneggers Wade ist gebeutelt und verzweifelt. Was kann er nur tun? Wie kann er seinem Kind helfen? Er kann es nicht. Wade ist nicht alleine mit der Verzweiflung. Auch Andere behalten ihre infizierten Verwandten zuhause – was gefährlich ist. So kann sich der Virus weiter ausbreiten. Aber wenn man einen geliebten Menschen langsam sterben und sich dabei in ein Monster verwandeln sieht – dann handelt man auch schon mal unrationell.

Neben Schwarzenegger sehen wir die junge Abigail Breslin, die ihre letzte Zombie-Begegnung in der Komödie Zombieland hatte. Maggie ist sehr ruhig. Sie weiß, dass sie irgendwann sterben muss und unter Umständen auch vorher zu einem seelenlosen Ding wird, das Jagd auf Menschen macht. Kein leichtes Los. Natürlich will sie beides nicht. Breslin spielt die verängstigte Teenagerin sehr gut. Eines Abend wird sie von alten Freunden eingeladen. Ihre beste Freundin Allie (Raeden Greer) holt sie ab, Maggis alte Flamme Trent (Bryce Romero) ist ebenfalls infiziert. Gemeinsam haben sie noch einen schönen Abend, in dem sich verzweifelte Heranwachsende aneinander festhalten Der Abschied zwischen den beiden Freundinnen ging schon ans Herz.

Maggie ist sehr ruhig. Am Anfang so ruhig, dass ich zeitweise Schwierigkeiten hatte, die Augen aufzuhalten. Das lag aber zu einem großen Teil daran, dass die Luft im Kino so schlecht war. Als dann die Krankheit bei Maggie sich auszubreiten beginnt, ist der Film packend. Es wird viel Gefühl auf der Leinwand gezeigt und auch beim Zuschauer angesprochen. Ich jedenfalls war an einigen Stellen sehr gerührt. Wer hätte das bei einem Schwarzenegger-Film gedacht? Wobei es eher Breslin ist, die rührt.

Maggie ist ein sehr langsamer und äußerst schmerzvoller Abschied eines Vaters von seiner Tochter – und umgekehrt. Der Streifen ist keine leichte Kost, aber auch kein Splatter. Wer das erwartet, wird total enttäuscht. Man sollte sich in aller Ruhe auf den Film einlassen und ihn als das Drama sehen, das er ist. Ein trauriger Film, nach dem man sich eigentlich noch mal mit Freunden hinsetzen sollte, um ihn gemeinsam zu verarbeiten.

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