Filmplakat Lügen macht erfinderisch
6,5/10

„I've never seen a black eskimo.“ (Lügen macht erfinderisch, 2009)


Lügen macht erfinderisch

Besprechung

Was für eine wunderbare Welt, in der niemand lügen kann. Jeder sagt nur die Wahrheit. Bei genauerem Betrachten ist das dann allerdings doch nicht sooo toll. Man möchte nicht hören, wie hässlich man ist. Das Date soll einem nicht schon bei der Begrüßung mitteilen, dass man keine Chancen hat. Das macht das Leben doch etwas anstrengend. Für uns. Nicht für die Menschen in der Welt, in der nicht gelogen werden kann.

Mark Bellison (Ricky Gervais) lebt in dieser Welt. Und ihm ist genau das passiert: sein Date Anna (Jennifer Garner) hat ihm – weil so macht man das in der Welt – frisch und frech von der Leber erklärt, dass zwischen ihnen nie etwas laufen wird. Anna spielt in einer ganz anderen Liga als Mark. Mark arbeitet als Screenwriter bei einem populären Lehrfilm-Sender – und wird wohl noch heute gefeuert.

Sein Vermieter steht auch schon vor der Tür und will die Miete haben. Also geht Mark zur Bank um seine letzten 300 Dollar abzuheben. Doch da passiert das Unmögliche: er verlangt nicht 300, sondern 800 Dollar. Und er bekommt sie auch. Mark hat gelogen. Damit stehen ihm Tür und Tor offen.

Als seine Mutter (Fionulla Flanagan) im Sterben liegt, lügt er ihr von der schönen Nachwelt vor. Da hat jeder ein tolles Haus.

Das hörend die Ärzte und von da an, ist Mark der Typ, der mit dem Mann im Himmel sprechen kann. Aber kann ihm das auch seine Liebe Anna näher bringen?

Meinung von

Absolut abgefahrene Idee. Wie oft hat man sich gewünscht, dass es keine Lügen mehr gäbe. Also, nach diesem Film weiß man die eine oder andere Lüge zu schätzen. Allerdings zeigt Lügen macht erfinderisch auch, dass man mit der gedehnten Wahrheit gefährlich lebt. Plötzlich ist Mark der Messias und hat durch nur eine Lüge eine ganze Religion gegründet. — Was übrigens auch ein netter Seitenhieb gegen die Kirche ist ...

Lügen macht erfinderisch feuert gleich zum Anfang aus allen Rohren. Diese seltsame Welt, in der niemand lügen kann, die kommt uns so unglaublich schräg vor. Und Ricky Gervais spielt den pummeligen Mann, der vom Pech verfolgt wird, so schön traurig. Da bleiben die Lachmuskeln ständig in Bewegung. Doch ungefähr wenn seine Mutter im Sterben liegt, wird der Film schlagartig ruhiger. Er verliert vehement an Tempo. Was sehr schade auf der einen Seite ist, auf der anderen Seite ist es aber auch gut so. Lügen macht erfinderisch wäre sonst zu sehr Klamauk. So rettet Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Gervais den Film und bringt noch eine Gewisse Note "Moral" ins Spiel. — Dennoch hat's mich gestört. Es war schnell die Luft raus. Es gab immer wieder Lacher und ich habe mich amüsiert, aber das Anfangsniveau ließ mehr erhoffen.

Also die Idee ist herrlich, das genaue Gegenteil von Der Ja-Sager, wenn man mir den etwas großzügigen Vergleich gestattet. Viele, wirklich viele bekannte Gesichter, die nur mal so eben reinschauen und eine kleine Rolle haben. Jedesmal ein großer Brüller im Kino und so mancher Kinogänger machte aufs Neue Ach.... So haben wir Jonah Hill, Tina Fey, Jeffrey Tambor, Edward Norton, Philip Seymour Hoffman, Jason Bateman oder "Windows" John Hodgman in Mini-Rollen erlebt. Köstlich.

Jennifer Garner spielt ordentlich, wenn auch nicht toll. Was richtig stört, das ist ihr Gesicht, um genauer zu sein: ihre Lippen. Boah, diese Punschlippen stören einen, weil sie ablenken. Man mag nicht drauf schauen, macht es aber immer wieder. Schon ziemlich nervig, wenn man es sich mal genau überlegt.

Unterm Strich eine harmlose Komödie mit einer netten, weil schrägen Grundidee. Kurzweilig. Kann man sich anschauen, wenn er im TV läuft. Auf DVD brauche ich ihn jedoch nicht.

hoch