Filmplakat Lost in Translation
9/10

„Lutscher? Oder Roger? Was soll ich jetzt machen?“ (Lost in Translation, 2003)


Lost in Translation

Besprechung

Der alternde Schauspieler Bob Harris (Bill Murray) kommt gerade in Tokio an. Er soll hier für einen Whisky Werbespots aufnehmen. Alles schön organisiert. Er checkt sich im Hyatt-Hotel ein und fühlt sich gleich fremd. Jeder begrüßt ihn ausführlich und zur Begrüßung bekommt er erst einmal von jedem ein Geschenk. Jetlag scheint den Japanern fremd zu sein.

Ebenfalls in dem Hotel ist Charlotte (Scarlett Johansson), die mit ihrem Mann John (Giovanni Ribisi), der ein Fotograf ist, abgestiegen ist. Da John ständig unterwegs ist und Fotos macht, ist Charlotte ziemlich alleine. Genau so alleine wie Bob. Irgendwann muss man sich über den Weg laufen, man lernt sich kennen und da man in dieser befremdlichen Welt eh nicht schlafen kann, verbringen die beiden eben viel Zeit miteinander. An was soll man sich auch sonst festhalten? Überall ist es laut, bunt, quiekend und man versteht kein Wort – egal, ob geschrieben oder gesprochen. Das isoliert schon.

Bob und Charlotte — zwei gestrandete Seelen in Tokio. Es entwickelt sich eine ganz besondere, eine innige Freundschaft …

Meinung von

Dieser Film ist schön. Es ist ein guter Film. Er tut gut. Zwar wird nicht so viel gesprochen, aber das bedarf es bei diesem Film auch nicht. Kaum Dialoge, aber wenn sie da sind, stimmen sie und sind einfach komisch. Sehr viel Komik passiert aus der Situation heraus. Bob bei dem Talkmaster Japans! Allerdings sind Talkshows in Japan etwas anders, als wir Europäer es gewohnt sind. Ein Regisseur, der zwei Minuten flucht und zetert und in der Übersetzung kommt ein einziger, kurzer Satz bei raus. Solche Situationen gibt es zuhauf. Alle darauf basierend, dass Bob (und Charlotte auch) in dieser fremden Welt gefangen sind und Null verstehen. Also klammern sich die beiden aneinander.

Bill Murray ist klasse. Träge, melancholisch und doch mit Witz. Scarlett Johansson, die wir schon in Ghost World bewundert haben, spielt hier sehr schön die traurige, junge Frau, die nicht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Gute Besetzung.

Sehr angenehm fand ich übrigens das Ende. Es ist – wie der ganze Film – nicht typisch Hollywood. Der Film endet mit einem kleinen Geheimnis, das der Zuschauer nicht gelöst bekommt. Alles in allem bittersüß und schön. Melancholisch, traurig und man findet sich – glaube ich einmal behaupten zu dürfen – immer wieder. Schließlich haben wir uns alle schon einmal verloren gefühlt. Der Anfang ist übrigens auch sehr schön ...

Ich sage: 102 empfehlenswerte Minuten. Ich sage außerdem: Die Japaner spinnen! :-)

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