Filmplakat Lone Survivor
6,5/10

„Na, wir könnten die Ziegen anzünden und Rauchsignale senden.“ (Lone Survivor, 2013)


Lone Survivor

Besprechung

Die Navy S.E.A.L.s Marcus Luttrell (Mark Wahlberg), Axe Axelson (Ben Foster) und Danny Dietz (Emile Hirsch) sind in Afghanistan stationiert. Unter der Leitung von Michael Murphy (Taylor Kitsch) gehen sie die Operation Red Wings an. Das Quartett soll in Nordafghanistan den Taliban-Führer Shah (Yousuf Azami) ausschalten. Es ist bekannt, dass Shah bereits viele amerikanischen Soldaten liquidiert hat.

In der Nacht ausgesetzt schleichen sich die S.E.A.L.s an das Dorf heran, in dem Shah vermutet wird. Vor dem Zugriff kommt es zu einem Zwischenfall. Die Soldaten werden entdeckt. Die Männer stehen vor einem Problem. Sollen sie die Gefangenen, die sie gemacht haben, umbringen oder laufen lassen?

Am Ende lassen sie die Geiseln laufen. Was dazu führt, dass etwa hundert Taliban hinter den Soldaten her sind. Eine wilde Jagd durch die afghanischen Berge findet statt. Luttrell und seine Kumpels stecken in extremen Schwierigkeiten und kämpfen gemeinsam um ihr Leben.

Meinung von

Der Film basiert auf der wahren Geschichte um Luttrell und seine Teammitglieder. Nur Luttrell hat den Vorfall überlebt und hat seitdem die Geschichte immer wieder erzählt, schließlich auch in Buchform. Hancock-Regisseur Peter Berg hat mit am Drehbuch geschrieben und die Familien der Verstorbenen besucht, um ihnen ein gerechtes Denkmal zu setzen.

Der Film fängt an mit dokumentarischen (?) Eindrücken von der Ausbildung zum S.E.A.L. Ich sah mal eine kurze Doku dazu – das sind schon extrem harte Burschen. Wer die Ausbildung übersteht, kann einiges einstecken! Das erklärt dann auch, warum die Jungs im Film nicht einfach umfallen, wenn sie im Gefecht getroffen werden. Die beißen die Zähne zusammen und machen weiter. Bis es nicht mehr geht.

Das mag für uns etwas seltsam anmuten. Da werden wieder mal ach-so-amerikanische Typen gefeiert. Die härtesten und amerikanischsten Amis, die es gibt. Bei mir hinterlässt das schon ein Geschmäckle. Aber alle vier Hauptdarsteller machen einen guten Job, wobei mir Ben Foster am besten gefallen hat. Wahlberg, der mit Shooter Erfahrungen mit dem Präzisionsgewehr hat sammeln können, schwingt auch in Lone Survivor das Gewehr gekonnt.

Es gibt die Szene mit dem moralischen Dilemma, die gut ist. Vielleicht hätte man hier noch ein klitzekleines Bisschen mehr drauflegen und dafür vom Geballere etwas wegnehmen können. Der Streifen ist zwei Stunden lang und etwa 30 Minuten lang stehen die Amis unter Beschuss. Das ist zwar realistisch – aber im Film leider auch ermüdend. Am Ende findet Luttrell Hilfe bei Afghanen, die dem Ehrenkodex Paschtunwali folgen. Nicht jeder Afghane ist ein Taliban! Das war recht rührend zu sehen.

Das Hauptthema von Lone Survivor ist die Kameradschaft und der Zusammenhalt unter den S.E.A.L.s Was gerne auf einem Propagandaplakat stehen mag, scheinen die Jungs wirklich zu leben. Axe bringt das in der Situation, in der es um die Frage geht, ob sie die Geiseln laufen lassen sollen oder nicht, am besten zur Sprache. Ihm sind die drei Afghanen scheißegal. Ihm sind nur seine drei Freunde wichtig. Und er würde es nicht übers Herz bringen, deren Familien eine Kondulenz-Botschaft zu überbringen. Das Quartett kann in dem wilden Schusswechsel mit den Taliban nur deswegen so lange durchhalten, weil jeder den Rücken des anderen schützt. Daraus entsteht eine interessante Choreografie.

Was nicht so schön ist, wo man vom Hinschauen selber Schmerzen bekommt, das sind die Szenen, in denen den US-Soldaten nichts anderes übrig bleibt als sich einen Berg runterzustürzen. Da wird gefallen, aufgeschlagen, gegen Bäume gekracht – das tut echt beim Zuschauen schon weh.

Weh tut auch die Schleichwerbung für einen amerikanischen Sportartikelhersteller … Aber vermutlich hat der den Film mitfinanziert. Trotzdem peinlich.

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