Filmplakat Life After Beth
7,5/10

„My hair is warm? What does that mean?“ (Life After Beth, 2014)


Life After Beth

Besprechung

Wäre sie doch bloß nicht Wandern gegangen. Beth Slocum (Aubrey Plaza) wurde auf einer Wandertour durch die Berge von einer Schlange gebissen und ist tot. Ihr Freund Zach Orfman (Dane DeHaan) ist am Boden zerstört und trauert. Zach hält sich jetzt häufiger bei den Eltern von Beth auf, er spielt mit Vater Maury (John C. Reilly) Schach und bringt ihm und seiner Frau Geenie (Molly Shannon) auch schon mal Wackelpudding, den sie früher immer mit Beth gemacht haben. Doch dann ziehen sich Maury und Geenie zurück.

Zach traut seinen Augen nicht: Beth ist doch nicht tot. Da lief sie doch eben noch durchs Haus. War alles ein übler Scherz? Der junge Mann konfrontiert die Eltern seiner toten Freundin. Als es sich nicht mehr vermeiden lässt, erfährt Zach von Maury, dass Beth kurz nach ihrer Beerdigung wieder vor der Tür stand. Sie hat sich aus ihrem Grab gebuddelt und nun ist sie wieder da, ihr Schatz. Gut, sie hat ein paar Aussetzer und weiß auch nichts von dem Schlangenbiss – oder dass sie tot ist. Dafür denkt sie immerzu, dass sie am nächsten Tag einen Test hat.

Auf dem Dachboden einquartiert, macht Beth Zach zunächst Angst, aber dann überwiegt die Liebe und er macht alles, was Liebende so machen. Da schwingt zwar immer eine gewisse Angst mit, Beth könne ihn aufessen, aber: Liebe. Allerdings wird die gute Beth mit der Zeit immer aggressiver. Irgendwann ist Beth auch nicht mehr die einzige Untote, die durch die kleine Vorstadt läuft …

Meinung von

Na, das ist doch mal eine ungewöhnliche Liebesgeschichte. Denn im Endeffekt ist Life After Beth nichts anderes. Die Geschichte von Autor und Regisseur Jeff Baena (war auch Autor von I Heart Huckabees) ist ziemlich durchgeknallt und bekommt dafür mindestens einen Skurrilitätspunkt.

Life After Beth fängt sehr behäbig an und braucht ziemlich lange, um in die Puschen zu kommen. Als Beth auftaucht, ist Zach überglücklich. Die Info, dass sie doch tot war oder sei – ist dann allerdings etwas befremdlich für den jungen Liebenden. Ist seine große Liebe ein Zombie? Wird sie ihn jeden Moment auffressen? Nein, kann nicht sein. Beth schaut ganz normal aus. Von den Gedächtnislücken sowie der Tatsachen abgesehen, dass sie sich "irgendwas" auf dem Dachboden baut und plötzlich Smooth-Jazz mag. Smooth-Jazz, müssen wir feststellen, beruhigt Zombies. Ja, Mehrzahl. Wenn es eine wandelnde Leiche gibt, ist schon mal etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Da können auch weitere Umtote folgen. Die sind alle orientierungslos, stehen auf Smooth-Jazz und fangen erst langsam an zu verfallen.

Dane DeHaan sahen wir vor zwei Jahren das erste Mal in Chronicle – ebenfalls auf dem Fantasy Filmfest. War er in dem Streifen noch der unangenehme Typ, kommt er hier sympathisch herüber. Er liebt seine Beth so sehr, dass er auch über den langsam fauligen Gestank von ihr hinwegsehen kann. Vorerst jedenfalls. DeHaan schwankt zwischen Hingezogensein und Ablehnung. Er möchte gerne für seine Freundin da sein, aber als sie irgendwann unkontrollierte Wutausbrüche bekommt, wird ihm das doch etwas unheimlich und er möchte aussteigen. Nur ist Beth extra wegen ihm zurückgekommen. Da kann er sie doch nicht einfach ablehnen.

Neben DeHann ist Aubrey Plaza lobend zu erwähnen. Sie gibt die unschuldige Untote, die von der Welt um sie herum nicht viel versteht. Wenn dann langsam der Zombie bei ihr durchkommt, macht sie das nicht plump, sondern zunächst subtil, dann immer aggressiver. Das übliche Gewanke kommt erst später dazu und selbst das schaut bei ihr neu aus. Der für Zombie-Filme so typische Gore-Faktor, also das Fressen von Menschen, raushängende Gedärme und all der Müll – fehlt hier zum Glück. Ja, sie frisst einen Mann, aber das sehen wir nicht, da spritz nur ein wenig Blut. Plaza, am Ende mit einem Herd auf dem Rücken geschnallt, hat nicht nur den bösen, aggressiven Gesichtsausdruck auf Lager. Zwischendurch blitzt auch immer wieder das kleine Mädchen durch, das sich wundert, wo sie ist und wie ihr geschieht. Das hebt sie somit vom 0815-Zombie ab.

Beths Eltern sind voll im Abwehrmodus. Ihr geliebtes Kind ist zu ihnen zurückgekehrt. In ihren Augen ist sie ist kein Zombie, sondern wiederauferstanden. Ein bisschen wie Jesus … Aber nur ganz wenig. Da schaut man auch schon mal über das eine oder andere Zipperlein der Tochter hinweg. Auf der Seite der Orfmans haben wir die quickige Judy (Cheryl Hines), den ruhigen Noah (Paul Reiser) und Bruder Kyle (Matthew Gray Gubler). Vor allem das Spiel mit Criminal Minds-Star Gubler ist lustig anzusehen. Gublers Charakter ist Sicherheitsbeamter in der Vorstadt mit einem kleinen Hang zum Waffen- und Größenwahn.

So durchgeknallt die Idee ist, so seltsam ist dann auch das Ende des Films. Baena baut sehr langsam die Spannung auf und beendet schließlich abrupt die Geschichte, lässt den Zuschauer mit dem Wissen zurück, dass er eben in erster Linie doch eine Liebesgeschichte und nicht einen Zombiefilm gesehen hat. Denn: Alles was Beth wollte, war das Wissen, dass sie auf immer und ewig mit Zach zusammensein würde.

In Life After Beth gibt es eine nette kleine Nebenrolle für Anna Kendrick, die ein typisches Highschool-Girlie spielt, die von Zach angetan zu sein scheint.

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