Filmplakat Legend
5/10

„Der Mittelpunkt der Welt kann überall sein.“ (Legend, 2015)


Legend

Besprechung

London in den 1960ern – die Kray-Zwillinge (Tom Hardy) regieren die Unterwelt. Der smarte, gut aussehende Reginald “Reggie” führt das Geschäft in der Eastend. Sein psychisch instabiler, gewalttätige Bruder Ronald ist in einer Nervenheilanstalt, doch Reggie holt ihn dort raus. So können sie gemeinsam, Seite an Seite agieren. Revierstreitigkeiten werden mit Begeisterung von Ronald blutig angegangen. Wobei Reggie sich auch die Finger schmutzig macht, nur dass Ron es liebt anderen Menschen Schmerz anzutun.

Für Reggie wird alles anders, als er Frances Shea (Emily Browning) kennenlernt. Vom ersten Augenblick hat er ein Auge auf sie geworfen. Frances findet den Ganoven auch anziehend und so kommt man sich näher. Allerdings will die junge Frau, die auch schon mal mit psychischen Problemen hat kämpfen müssen, nicht, dass Reggie ein Verbrecher ist. So versucht sie ihn zu einem ehrlichen Leben zu bewegen.

Dem steht Reggies Bruder Ron im Wege.

Meinung von

Legend behandelt das Leben der beiden tatsächlich existierenden Kray-Brüder, die mit Erpressungen, Drohungen und Gewalt ihre Feinde eingeschüchtert haben. Der Film versucht vielschichtig zu sein und zu viele Beziehungen zu beleuchten. Da haben wir die zwischen Reggie und Frances. Frances, eine ohnehin zerbrechliche Frau, konnte unter der Hand von einem gewalttätigen Verbrecher nicht gedeihen. Das konnte nicht gut gehen. Sie versucht ihn zu einem ehrlichen Mann zu machen, doch Reggie gibt nur leere Versprechen ab. Der smarte, "zivilisierte" Bruder ist gefangen zwischen seiner Liebe zu Frances und der zu seinem Bruder.

Die Figur des Ronald ist gut dargestellt. Ronald war paranoid-schizophren, liebte die Gewalt und ging offen mit seiner Homosexualität um. Deswegen hatte er auch kleine Jüngelchen um sich, wie zum Beispiel Mad Teddy Smith (Taron Egerton). Tom Hardy mimt diesen Charakter sehr ansehnlich. Seinem Ronald möchte man nicht alleine irgendwo begegnen. Er ist aggressiv, impulsiv, paranoid, spukt beim Sprechen vor Erregung und hat einen irren Blick am Leibe.

Ich hätte mir gewünscht, dass sich Regisseur und Autor Brian Helgeland (Ritter aus Leidenschaft) mehr auf eine Beziehung konzentriert, oder aber die Zerrissenheit Reggies deutlicher hervorgehoben hätte. Wir haben die beiden starken Kray-Charaktere auf der einen Seite und die schwache Frances auf der anderen. Sie spricht aus dem Off und bleibt doch nur eine kleine Nebenrolle. Das wirkt nicht ausgeglichen.

Legend hat interessante Figuren, bleibt jedoch unterm Strich zu schwach auf der Brust. Es gibt - vor allem durch Ron – einige skurrile und lustige Momente, auch der Running-Gag mit dem Hut tragenden Jack (Sam Spruell) ist nett, doch reicht das nicht, um den Film aus der Masse der Mafia-Filme hervorzuheben. Natürlich kann und soll sich Verbrechen nicht auszahlen, also ist das Scotland Yard in Person von Nipper Read (Christopher Eccleston) hinter den Brüdern her. Allerdings bleibt auch der keine Bedrohung, sondern nur ein blasses, graues Männchen am Rande der Geschichte. Somit bleibt nur die Spannung zwischen den Brüdern und der Frau – die dafür zu mager ausfällt. Über zwei Stunden kriecht so Legend vor sich hin, ohne dass wirklich etwas passiert. Schade.

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