Filmplakat Krabat
7/10

„Glaub mir, Krabat. Alles auf dieser Welt hat seinen Preis.“ (Krabat, 2008)


Krabat

Besprechung

In Deutschland wütet der 30-jährige Krieg. Wer nicht den Gräueltaten des Krieges zum Opfer fällt, muss fürchten, der Pest zu erliegen. Der junge Krabat (David Kross) hat seine Mutter an den schwarzen Tod verloren und ist nun Waise. Zusammen mit seinen beiden Freunden Lobosch (David Fischbach) und Baro (Ionut Baias) zieht er von Dorf zu Dorf, um als Sternensinger etwas zu essen zu erbetteln. Eines Nachts hört Krabat eine Stimme, die ihn zur Mühle Koselbruch nahe des Dorfes Schwarzkollm ruft. Krabat folgt dem Ruf und lässt seine Freunde zurück.

In der Mühle angekommen, begegnet der Junge dem einäugigen Meister (Christian Redl), der ihm anbietet, Krabat das Müllerhandwerk zu lehren – und “auch alles Andere”.

Die erste Nacht ist für Krabat keine fröhliche. Er wird sehr unhöflich von den anderen Gesellen aufgenommen. Nur der Alt-Geselle Tonda (Daniel Brühl) ist nett zu Krabat, der zunächst von gewissen Aktivitäten der elf Gesellen ausgeschlossen bleibt. Er in der Nacht vor Ostern erkennt Krabat, was in der Mühle noch alles gelehrt wird. Der Meister unterrichtet in der Schwarzen Kunst. Als Astralprojektionen schleichen sich Krabat und Tonda nach Schwarzkollm, wo Krabat ein junges Mädchen (Paula Kalenberg) sieht, in die er sich verliebt. Tonda rät Krabat, dass der Meister niemals den Namen des Mädchens erfahren dürfe – sonst wird es böse enden für die Liebenden.

Meinung von

Ein Klassiker der Jugendliteratur. 1971 schuf Otfried Preußler den Roman Krabat, der auf einer sorbischen Saga beruht. 37 Jahre dauerte es, bis endlich jemand die Geschichte verfilmte (stimmt nicht ganz, aber ich meine "konkurrenzfähig" verfilmt). Das Ergebnis ist sehr gelungen. Regisseur Marco Kreuzpaintner wollte die Kulissen realistisch halten. Also fuhr man in die Karpaten, irgendwo in Rumänien. Hier gab es keine Zivilisation, also auch keine Strommasten o.ä., die später in der Post-Produktion hätten wegretuschiert werden müssen. Man baute aus Tonnen von Steinen und Holzplanken die Mühle.

Die Vorlage hat alles, was eine gute Geschichte benötigt. Ein junger Held, der verführt wird zum Bösen. Wobei es nicht einmal um die Macht als Machtmittel über andere geht. Was Krabat und seine Kollegen lernen, hebt sie schlicht vom Rest ab. Es geht darum, anders zu sein, besonders. Davon abgesehen, macht es auch Spaß zu fliegen. Die Kosten sind allerdings extrem hoch. Während der Meister gegen Ende jeden Jahres immer älter und schwächer wird, muss einer der Gesellen sein Leben lassen, damit der Meister wieder Lebensjahre erhält. Der Meister hat einen Pakt mit dem Teufel am Laufen. Böser geht es kaum. Die Geschichte handelt auch von Verrat, von Freundschaft und von Liebe. Ich sagte ja – alles, was eine gute Geschichte benötigt.

Ich bin bekanntlich kein Freund von deutschen Filmen, aber hier treffen einige günstige Zufälle zusammen. Zum einen ist die Geschichte "erprobt" und gut. Dann wird nicht der übliche Zeigefinger gehoben und es wird auch kein Fremdschäm-Humor ausgepackt. Eben die typischen Zutaten eines normalen deutschen Films. Die Schauspieler sind zudem alle gut. Daniel Brühl war schon bekannt. Er spielt den "große Bruder". David Kross war zu dem Zeitpunkt noch unbekannt, macht seine Sache in seiner ersten großen Rolle aber absolut vernünftig.

Der Film weicht an einigen Stellen leicht von der Buchvorlage ab – das finde ich allerdings alles noch vertretbar. Bis auf die Sache mit der Prüfung von Kantorka, dem Mädchen, in das Krabat verliebt ist und das ihn befreien soll. Im Buch verwandeln sich alle Gesellen in Raben und Kantorka muss Krabat in seiner Rabenform identifizieren. Das ist im Film anders und der einzige Punkt, der nicht gut geändert wurde. Warum? Weil die Buchvorlage hier sehr einprägsam ist und die gewählte Lösung dagegen lahm ist. Davon abgesehen ist am Ende ein dichter und vor allem düsterer Film herausgekommen.

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