Filmplakat Knights of Badassdom
5,5/10

„Oh, hey Mann - du hast meine Streitkeule verbogen.“ (Knights of Badassdom, 2013)


Knights of Badassdom

Besprechung

Eigentlich ist Joe (Ryan Kwanten) ein ganz helles Bürschchen, dennoch schraubt er an Autos rum, hört Heavy Metall und hängt mit seinem LARP-begeisterten Kumpel Eric (Steve Zahn) ab. Eric ist reich, hat ein nachgebautes Schloss und hier leben er, Joe sowie Hung (Peter Dinklage) ab. Das gefällt Joes Freundin Beth (Margarita Levieva) nicht und so verlässt sie ihren langjährigen Freund.

Der ist so deprimiert, dass ihn seine Kumpels abfüllen. Als er wieder aufwacht, befindet er sich mitten in einem Wald, wo an diesem Wochenende ein LARP-Fest stattfinden soll. Eric spielt einen Hexenmeister der 26. Stufe, Hung einen Ritter und Joe wurde kurzerhand ebenfalls in eine Rüstung gesteckt. Gott, hat Joe keinen Bock auf diesen Scheiß!

Um mitspielen zu können, muss Eric einen Zauber sprechen, damit der Charakter von Joe zum Leben erweckt wird. Blöde nur, dass Eric ein Buch benutzt, das für viele Jahrhunderte als verschollen galt. Mit diesem Buch sollten einst Engel beschworen werden, doch alles was man damit beschwören kann, sind Dämonen. Und eben so ein Dämon kommt nieder in der Form von Beth und läuft nun durch den Wald, um die Live Action Role Playing-Fans einen nach dem anderen aufzufressen.

Joe und seine Kumpels verbünden sich mit Gwen (Summer Glau), deren durchgeknallten Vetter Gunther (Brett Gipson) und dem Spielemeister Ronnie Kwok (Jimmi Simpson), der einen Groll auf Joe hegt, aber der Einzige ist, der halbwegs zu wissen scheint, wie man der Situation Herr werden könnte.

Meinung von

Regisseur Joe Lynch hatte für seinen ersten abendfüllenden Film zwar ein recht ordentliches Drehbuch und konnte auch diverse Serien-Stars überzeugen, an dem Streifen mitzuwirken, doch irgendwie fehlt etwas. Der Streifen wurde gedreht, 2011 kam der Trailer, ich wollte den Film sehen, doch dann passierte nichts mehr. Der Film kam nicht in die Kinos, niemand redete mehr darüber. Es gab wohl Schwierigkeiten einen Verleih zu finden. So dümpelte der Streifen irgendwo, irgendwie vor sich hin — bis 2014 plötzlich der Film ins Kino kam. Ein Kino in Hamburg (und jeweils anderen Städten), an einem Abend. Ich erinnere mich noch, es war ein Montag — und ich konnte nicht. Dabei wollte ich den Film doch so gerne gesehen haben. Also musste ich noch mal warten, bis der auf Silberscheibe herauskam.

Wir haben recht sympathische Charaktere vor uns. Joe ist halbwegs schlau, macht aber lieber das, was er will, anstatt sich irgendwelchen Konventionen zu beugen. Das findet Beth nicht gut und verlässt ihn. Eric ist reich und sehr LARP-begeistert. Der Dritte im Bunde ist Hung, der nicht die hellste Birne im Kronleuchter ist. Das kommt wohl auch vom vielen Drogenkonsum. Während Eric und Hung sehr dem Rollenspiel zugetan sind, hält Joe das alles für Kinderkacke und will vom LARP-Fest weg, ist aber "gefangen" und so spielt er halt mit. Zumal da die überaus attraktive Gwen ist …! Gwen selber ist auch nicht so scharf auf Live-Rollenspiel, macht aber mit, weil ihr Vetter glaubt, er wäre "Teil des Spiels" und nur Gwen kann ihn von seinen Gewaltausbrüchen abhalten. Also ist sie eine Art Babysitter für einen durchgeknallten Live-Rollenspieler in einer Art Wikinger-Kostüm.

Knights of Badassdom braucht ein wenig, bis er in die Puschen kommt. Lynch lässt sich hier Zeit – was an sich ja nicht schlimm ist, aber es passiert halt auch nicht sonderlich viel in der Zeit. Beim LAPR-Fest hat er sich wohl sehr viel Mühe gegeben, die Spielergemeinde nicht vor den Kopf zu stoßen. Er hat sich Rat bei LARP-Gilden geholt, um die Spielregeln und die Art der Rollenspieler zu verstehen. Live-Rollenspiel sollte nicht ins Lächerliche gezogen werden. Das ist zwar gut für das Genre, nimmt dem Streifen aber auch das Potenzial richtig abzudrehen und lustiger zu sein. Mir fehlt der "durchgeknallt"-Aspekt.

Ja, der Gummi-Dämon am Ende ist nett kitschig und kein Stück ernstzunehmen. Der beschworene Succubus veranstaltet ein fröhliches Blutfest. Dennoch fehlt dem Streifen "die Seele". Joe Lynch hätte gerne mehr aufdrehen können, von den Gags her und auch vom Tempo. So enden wir mit einem Film, der zwar nett anzuschauen ist, wo der Trailer aber viel, viel mehr versprochen – oder erahnen – ließ, als der vollständige Streifen hat erfüllen können. Schade, aber Knights of Badassdom ist nicht ganz so "Badass" wie er sein möchte. Vielleicht lag's aber auch daran, dass die Produktionsfirma einen Neuschnitt vornahm. Wer kann das schon sagen?

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