Filmplakat Kein Koks für Sherlock Holmes
6,5/10

„Wer ermordet eine Nonne in einem Bordell?“ (Kein Koks für Sherlock Holmes, 1976)


Kein Koks für Sherlock Holmes

Besprechung

Der berühmte Detektiv Sherlock Holmes (Nicol Williamson) ist abhängig von Kokain. Im Drogenwahn verfolgt er Professor Moriarty (Laurence Olivier), den Holmes für den größten Verbrecher der Welt hält. Außer ihm kann niemand sehen, wie gefährlich Moriarty ist, der, so Holmes, eine Gefahr für die gesamte Welt ist. Holmes alter Freund Dr. John Watson (Robert Duvall) will dem Abhängigen helfen. Dazu will er ihn zum aufstrebenden Dr. Sigmund Freud (Alan Arkin) nach Wien bringen, doch Holmes ist nicht von der Insel wegzubekommen. Nur mit einer List schafft er es.

In Wien angekommen kann Freud dem brillanten Ermittler aus London helfen, seine Sucht zu überwinden. Doch Freud will auch den Grund für die Sucht aufdecken.

Während Holmes und Watson in Wien weilen, werden sie in einen neuen Fall verwickelt. Lola Deveraux (Vanessa Redgrave), eine Prostituierte und ehemalige Patientin von Dr. Freud, wird gefunden. Sie hatte einen Selbstmordversuch unternommen und ist offensichtlich wieder drogenabhängig. Doch Holmes sieht mehr in dem Vorfall. Wie es scheint, wurde Deveraux dazu getrieben, Drogen zu nehmen und sie war wohl eine Gefangene. Zu dritt ermitteln die Männer und kommen einem sinistren Baron auf die Schliche.

Meinung von

Gar nicht mal so schlecht. Star Trek II-Autor (und Regisseur) Nicholas Meyer (u.a. Flucht in die Zukunft) hat eine so genannten Sherlock-Holmes-Pastiche geschaffen, also einen Fortsetzungsroman zu Sherlock Holmes, die nicht vom Erfinder Sir Arthur Conan Doyle sondern von anderen Autoren geschrieben wurde.

Zunächst sehen wir den drogenabhängigen Holmes. Er sieht die Gefahr, die von seiner Nemesis Moriarty ausgeht. Niemand außer ihm sieht das. Allerdings erscheint eines Abends eben dieses "Verbrechergenie" bei Watson in der Praxis und bittet ihn um Hilfe. Er fühlt sich belästigt von Holmes, der ihm Drohbriefe schreibt, die ihn obendrein noch ängstigen. Laurence Olivier war zur Zeit des Drehs beinahe 70 Jahre alt. Seine Figur des schüchternen Mathematik-Professors kommt glaubwürdig herüber. Tatsächlich spielt Olivier auch gar nicht so lange. Seine Rolle ist ziemlich klein – dafür, dass er die größte Gefahr für die gesamte Menschheit sein soll ...

Watson lotst Holmes nach Wien und die Sucht des Genies wird angegangen. Da das alleine etwas lahm wäre, wird die Geschichte um den Fall der Lola Deveraux erweitert. Das ist ein "klassischer" Holmes-Fall, der gut gelöst wird. Holmes beobachtet und kombiniert, wie wir es von dem Detektiv gewohnt sind. Darüber hinaus birgt die Sucht des Meisterdetektivs noch einen weiteren Fall — diesmal für Freud. Der will der Ursache für die Sucht und die Alpträume des britischen Patienten auf die Schliche kommen. Wir bekommen einen kleinen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Psychoanalyse. Die Aufklärung dieses Falls ist ebenfalls gut gelöst. Meyer verquickt also im Grunde drei Geschichten miteinander. Heraus kommt eine Holmes-Erzählung, die einem den Abend vertreibt. Spannung kommt nicht auf, wie in einem heutigen Krimi – das wäre aber auch falsch und nicht zur Erzählung passend. Der Spannungspegel hält sich somit in Grenzen.

Ein netter kleiner Sherlock Holmes-Film, der sogar zwei Oscar-Nominierungen (bestes Drehbuch und beste Kostüme) erhielt. Duvall und Arkin spielen flüssig, Williamson wirkt für die Hauptfigur zu blass.

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