Filmplakat Independence Day: Wiederkehr
4,5/10

„Da überholt uns grad' ein fliegender Berg ...“ (Independence Day: Wiederkehr, 2016)


Independence Day: Wiederkehr

Besprechung

Die Welt ist eine andere, nachdem vor 20 Jahren die Aliens die Erde angegriffen haben. Es gibt keinen Krieg mehr, die Völker sind alle vereint – durch einen gemeinsamen Feind. Die Menschheit hat viel von der Alien-Technologie adaptiert. Raumfahrt ist nun ganz einfach. Auf dem Mond gibt es eine Verteidigungsstation, um die Erde herum besteht ein stellarer Verteidigungsring.

In Afrika findet David Levinson (Jeff Goldblum), der vor 20 Jahren den Untergang der Aliens besiegelt hatte, im Territorium des Warlords Dikembe Umbutu (Deobia Oparei) das einzige Raumschiff, das auf der Erde gelandet ist. Hier stolpert er über ein Notsignal, das von dem Raumschiff ausgeht – und wie es scheint, hat jemand am anderen Ende abgenommen. So dauert es nicht lange und vor der Mond-Verteidigungsanlage steht ein riesiges, rundes Raumschiff, das kurzerhand abgeschossen wird. Obwohl Levinson davon abgeraten hat.

Levinson wird von dem draufgängerischen Piloten Jake Morrison (Liam Hemsworth) abgeholt und auf den Mond zur Absturzstelle des Raumschiffes gebracht. Sie wollen es untersuchen, als das größte Raumschiff überhaupt auf die Erde zusteuert. Rund 5000 Kilometer im Durchmesser messend parkt es mitten im Atlantischen Ozean, um die vielen Aliens, die in Area 51 noch gefangen gehalten werden, zu befreien. Nun ist er da, der Kampf, auf den sich eine ganze Generation vorbereitet hat. Allerdings hatte niemand mit einer solchen Übermacht der Aliens gerechnet …

Meinung von

Weltzerstörungsmeister Roland Emmerich ist kein Freund von Fortsetzungen. Und bis Independence Day: Wiederkehr blieb er auch seinem Prinzip treu. Wahrscheinlich stimmte das Geld diesmal einfach. Hat er in dem Original Independence Day noch ein Weißes Haus in einem kleineren Maßstab nachgebaut, um es dann in die Luft zu jagen, hatte Emmerich bei der Fortsetzung alle Macht der Computer zur Hand. Was nicht unbedingt gut ist. Die Zerstörungsszene in London ist völlig unübersichtlich, so viel passiert da. Man kann das Gesehene nicht genießen.

Das ist auch das Hauptproblem des Films: Nicht, dass so viel gleichzeitig passiert, aber die Tatsache, dass das Gezeigte und die Figuren es nicht schaffen, dass man mitfühlt. Independence Day: Wiederkehr braucht zunächst irrsinnig lange, bis überhaupt mal was passiert. Wenn dann die Action losgeht, ist es zu viel. Alle Protagonisten bleiben blass. Der Sohn des damaligen Helden Captain Hiller (Will Smith) (der gut daran getan hat, in der Fortsetzung nicht mehr aufzutreten), Dylan Hiller (Jessie T. Usher) hat Null Charisma und eigentlich brauchte man die Figur auch nicht. Ebenso den Vater von Jeff Goldblums Figur. Julius Levinson (Judd Hirsch) trägt nichts zur Story bei. Selbst Ex-Präsident Whitmore (Bill Pullman) ist nur Dreingabe. Wenigstens opfert der sich später noch für den Big Bang, um die Menschheit zu retten. Nur um festzustellen, dass das umsonst war.

Optisch gut, von der Geschichte her lau, die Figuren unscheinbar bis überflüssig – das ist Independence Day: Wiederkehr. Am Ende ist klar, dass es einen dritten Teil geben wird, weil die Menschheit von einem Riesen-Pokemon Zugang zu ganz toller Technologie erhalten hat. Und weil Dr. Brakish Okun (Brent Spiner) es auch unmissverständlich ankündigt. Der Teil kann aber nur schlecht werden, wenn Emmerich es nicht schafft, seinen Figuren mehr Leben einzuhauchen.

Übrigens: Wieso haben die Aliens diese rumschlagenden Tentakeln auf dem Rücken? Vor allem wenn die große Alien-Königin durch die Wüste läuft und die Tentakeln wie wild herumschlagen, wir aber wissen, dass sie von einem Schutzschild umgeben ist – wieso flattern dann da diese Tentakeln herum? Sind die dann nicht außerhalb des Schutzschildes? Außerdem schauten sich MJ Thorsten und ich uns fragend an, als die Seeleute per Oldschool-Funk durchgeben, dass die Welt nun gerettet sei und alle auf Area 51 das anscheinend gehört haben. Schließlich brechen sie danach simultan in Jubelschreie aus.

Wenn ein 5000 Kilometer großes Schiff angeflogen kommt, das eine eigene Gravitation hat – hat das nicht auch so schon Auswirkungen auf die Erde? Davon merkt man nichts.

20 Jahre gewartet und dann doch enttäuscht worden. Es heißt, Independence Day: Wiederkehr sei weniger eine Fortsetzung, sondern mehr ein Reboot für ein neues Publikum. Was tut mir dieses neue Publikum leid ...

hoch