Filmplakat Ich & Orson Welles
4/10

„Why would anybody even play a Ukulele in Julius Cesaer anyway?“ (Ich & Orson Welles, 2008)


Ich & Orson Welles

Besprechung

Der Schüler Richard (Zac Efron) ist begeistert von Shakespeare. Durch einen Zufall landet er eines Nachmittags vor dem Mercury Theater und wird prompt vom großen Orson Welles (Christian McKay) angeheuert. Der junge Mann soll den Lucius in Shakespeares Julius Cäsar spielen. Eine riesige Ehre, ein Traum wird wahr.

Am Set trifft Richard auf die Assistentin Sonja Jones (Claire Danes), die unerwartet freundlich zu ihm ist. Da regen sich Gefühle beim jungen Mann.

Die Proben mit Welles sind unglaublich schwer. Das Genie ist wankelmütig und unberechenbar. Eine Probe? Nein, dem Herrn dünkt es nach einer Radio-Show. So muss die gesamte Crew den Anwandlungen von Welles standhalten. Aber da es der begnadete Welles ist, erträgt man das alles.

Richard nimmt die “Star-Allüren” gelassen hin, für ihn soll sich sein größter Wunsch erfüllen — er wird Schauspieler. Doch dann geraten der Weiberheld Welles und der junge Mann aneinander …

Meinung von

Es war Sneak-Time im Streit's (†). Habe ich schon öfters erwähnt, dass man in der Sneaks Filme sieht, in die man wohl sonst nie reingegangen wäre und dann wurde man doch angenehm überrascht — Ich & Orson Welles fällt nicht in diese Kategorie.

Gut, er war nicht wirklich schlecht, aber auch nicht richtig gut. Zum einen störte mich, dass der Film sehr lange braucht, um in Schwung zu kommen. Außerdem war mir nicht ganz klar, um wen es sich in dem Film denn nun wirklich dreht. Am nächsten Tag fragte ich einen Kollegen, der den Film ebenfalls sah, und er schrie gleich aus Orson Welles!. Nur bin ich mir da nicht sicher. Quatsch, ich weiß, dass es nicht hauptsächlich um den Filmemacher ging. Welles — eigentlich sehr gut von Christian McKay dargestellt — bleibt Nebenfigur. Stattdessen haben wir den Teeny-Star Zac Efron als Hauptperson.

Efron spielt auch nicht einmal mies, jedoch fehlt hier noch eine Menge "Seele", wie mein Vater immer zu sagen pflegte. Seine Figur müht sich, bleibt aber blass. Efron hätte man mit diversen anderen Akteuren austauschen können, das Ergebnis wäre gleich geblieben.

Ich hätte lieber eine Studie über Orson Welles gesehen. Man bekommt zwar schon einen Einblick in das komplizierte Wesen des Regisseurs, Schauspielers und Autors. Er war, das lernen wir in dem Film, mit Herz bei der Sache, ließ jedoch seine Schauspieler nur allzu oft in der Luft hängen. Er lief so manchem Rockzipfel hinterher und konnte den Leuten das Blaue vom Himmel versprechen, sie damit aber auch unglaublich motivieren. Im Endeffekt drehte sich wohl bei Orson Welles alles nur um seine eigene Person.

Es ging nur blöderweise nicht um Welles, sondern um den Kleine-Mädchen-Schwarm Efron. Was dem Film nicht gut tut.

Und was ist mit Claire Danes, die noch in Der Sternenwanderer verzauberte? Nicht viel. Zwar spielt sie wohl die weibliche Hauptrolle, doch diese geht vollkommen unter. Die Figuren in Ich & Orson Welles bleiben alle zu flach, um zu gefallen oder sich ins Gedächtnis zu graben. Christian McKay war der Einzige, der auffiel. Ansonsten hatte Ich & Orson Welles noch einige nette Lacher — mehr war das nicht.

Man fragt sich übrigens, wieso der Film mit zwei Jahren Verspätung in die deutschen Kinos kommt ...?

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