Filmplakat Hugo Cabret
8/10

„Wenn du deine Bestimmung verlierst, gehst du kaputt.“ (Hugo Cabret, 2011)


Hugo Cabret

Besprechung

Der Waisenjunge Hugo Cabret (Asa Butterfield) lebt im Paris der 1930er in den Wänden und Kellern des Hauptbahnhofes. Hier hat er die Arbeit seines verschwundenen Onkels (Ray Winstone) übernommen, die Uhren der Station am Laufen zu halten. Würde er das nicht machen, würde er vom bösen Stationsvorsteher (Sascha Baron Cohen) festgenommen und in ein Waisenhaus gesteckt werden. Neben dem Uhrenjob arbeitet Hugo an einem mechanischen Menschen. Sein Vater (Jude Law), ein Uhrenmacher, fand diesen mechanischen Menschen, der schreiben kann, in einem Museum. Gemeinsam haben Hugo und sein Vater versucht, dieses technische Wunderwerk zum Laufen zu bringen. Als der Vater starb, übernahm Hugo die Aufgabe alleine.

Um an Ersatzteile zu gelangen, stiehlt Hugo beim Spielzeugverkäufer Papa Georges (Ben Kingsley). Eines Tages wird er gefasst und muss nun für den alten, gruseligen Mann arbeiten. In der jungen Isabelle (Chloe Grace Moretz), die den Spielzeugverkäufer zwar ihren Papa nennt – was er jedoch nicht ist-, findet Hugo eine Freundin.

Hugo zeigt Isabelle seine Welt hinter den Wänden des Hauptbahnhofs. Dabei stellen sie fest, dass Isabelle einen herzförmigen Schlüssel hat, der zu dem mechanischen Menschen passt. Hugo war lange Zeit auf der Suche nach diesem Schlüssel. Als der mechanische Mensch anfängt sich zu bewegen, stellt sich heraus, dass er nicht schreibt, sondern zeichnet. Die Zeichnung ist die einer Rakete, die ins Auge des Mondes geflogen ist. Hugo kennt dieses Bild. Es stammt aus dem Lieblingsfilm seines Vaters. Ein großes Geheimnis liegt in der Luft und Hugo und Isabelle stecken mitten drin. Was hat es mit der Zeichnung auf sich? Wo ist die Verbindung zum Film Die Reise zum Mond? Und was hat der griesgrämige Großvater von Isabelle damit zu tun?

Meinung von

Ich habe mir den Film seinerzeit nicht im Kino angeschaut, weil er in 3D ist. Das merkt man auch noch, wenn man ihn in 2D schaut. Zu viele Dinge sind "gestellt", immerzu sind "Schwebepartikel" zu sehen, die Räumlichkeit vortäuschen sollen. Schade. Schade auch, dass ich den Film nicht im Kino habe sehen können, weil es ein sehr schöner Streifen ist. Obwohl es ein Kinderfilm ist. Regisseur Martin Scorsese wollte immer einen Kinderfilm machen, doch es fehlte das richtige Material. In dem Buch Die Entdeckung des Hugo Cabaret von Brian Selznick hat der bekannte Regisseur dann aber doch endlich eine Vorlage gefunden, die er verfilmen wollte.

Der Film fängt ganz klar als Kinderfilm an. Wir haben ein Waisenkind, das begabt und reinen Herzens ist. Eine kleine Freundschaft, ein böser Stationsvorsteher, der alle Kinder wegsperren will und ein großes Geheimnis. Der Film ist gut umgesetzt, man kann sich in die Figuren hineinversetzen, doch das ist alles nur Geplänkel. Als dann jedoch das Geheimnis auf den Tisch kommt und sich die beiden jungen Menschen daran machen, dem auf den Grund zu gehen, wird es fantastisch. Gemeinsam gehen sie in eine Bibliothek, wo sie auf den Filmwissenschaftler Rene Tabard (Michael Stuhlbarg) treffen. Der erzählt von einem der größten Filmpioniere der Geschichte.

Wie sich herausstellen soll, ist Isabelles "Papa" Georges der einst bedeutende Filmemacher Georges Méliès. Méliès schuf zu Lebzeiten unzählige Filme und war gefeiert. Bis der erste Weltkrieg kam und die Menschen sich nicht mehr für seine fantastischen Welten interessierten. Er zog sich zurück und man glaubte ihn tot. Méliès war ein Mensch mit blühender Fantasie und einem ungeheuren Tatendrang. Dass niemand mehr seine Filme sehen wollte, traf ihn schwer und ließ ihn zu dem vergrämten alten Mann werden, den wir im Film kennenlernen.

Was also als ein Kinderfilm um eine Waise anfängt, entwickelt sich im Laufe des Films zu einer Hommage an einen großen, wenn auch vergessenen Filmemacher. Ein bedeutender Regisseur der Gegenwart nimmt sich eines Buches an, in dem es um sein eigenes Medium geht, um den Film. Die Geschichte um Méliès wird sehr warmherzig erzählt. Kingsley spielt den ehemaligen Zauberer, dann Filmemacher und nun traurigen Spielzeugverkäufer blendend. Asa Butterfield hatte zwar vor Hugo schon in Filmen mitgespielt, wurde der breiten Masse jedoch erst mit diesem Film bekannt. Die schon bekannte Chloe Grace Moretz, so verriet sie später, täuschte einen britischen Akzent vor, nur um in dem Film von Scorsese mitspielen zu können. (Wobei ich mich wundere, warum ein Scorsese nicht mal bei IMDb nachschaut, wer da in seinem Film mitspielen will. Da müsste es ihm doch aufgefallen sein, dass Moretz Amerikanerin ist.)

Neben der eigentlichen Handlung, gibt es noch Nebenschauplätze. Der böse Stationsvorsteher, der seit dem Krieg eine Beinschiene tragen muss, hat Gefühle für die Blumenverkäuferin Lisette (Emily Mortimer). Außerdem erfahren wir den Grund für seine Abneigung gegen heimatlose Kinder. Zudem gibt es noch die Liebelei zwischen dem Verkäufer Monsieur Frick (Richard Griffiths) und der Café-Besitzerin Madame Emilie (Frances de la Tour). Eine weitere, wichtige Figur ist dann übrigens noch der Buchhändler Monsieur Labisse (Christopher Lee), gibt er doch den Hinweis, wo Hugo und Isabelle nach Informationen zu dem Film Due Reise zum Mond suchen sollen.

Wenn man das 3D wegnähme, dann wäre Hugo mit mehr Punkten gesegnet. So bleibt es aber ein sehr spannender Film, der sich von einem Kinderfilm zu einer Filmemacher-Hommage entwickelt. Was wiederum jedem Cineasten das Herz aufgehen lassen sollte.

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