Filmplakat Dracula
6/10

„Er wollte seiner Frau die letzte Ehre erweisen, stattdessen blieb er da und hat sie sich mit ihr geteilt.“ (Dracula, 1958)


Dracula

Besprechung

Unter falschen Voraussetzungen schleust sich Jonathan Harker (John van Eyssen) ins Schloss von Graf Dracula (Christopher Lee) ein. Eine mysteriöse Frau (Valerie Gaunt) fleht Harker an, sie zu retten. Dracula würde sie gefangen halten. Nachdem sie Harker angegriffen hat, kann er sie, die ein Vampir ist, in ihrem Sarg ermorden. Doch für ihn ist es mittlerweile zu spät, da er gebissen wurde.

Der Vampirjäger und Verbündete von Harker, Doktor Van Helsing (Peter Cushing) will seinen Freund rächen und endlich den Vampir Dracula beseitigen, doch der kann fliehen. Van Helsing geht zu Harkers Verlobte Lucy (Carol Marsh), um ihr vom Tod ihres Mannes zu erzählen, doch Lucy ist seit einiger Zeit kränklich. Lucys Bruder Arthur (Michael Gough) ist recht abweisend zu Van Helsing, weil der Doktor zunächst nicht preisgeben will, was es mit dem Tod von Jonathan Harker auf sich hat.

Van Helsing und Arthur müssen feststellen, dass Dracula auf Rache aus ist. Weil Jonathan die Vampirfrau aus dem Weg geschafft hat, ist der Graf nun hinter Lucy her.

Meinung von

1931 kam die erste Verfilmung um den Grafen Dracula auf die Leinwand. Damals natürlich noch in Schwarz-Weiß, Bela Lugosi spielte den Blutsauger. Die Hammer Films aus Großbritannien nahmen sich nach ihrem Erfolg mit Frankensteins Fluch nur ein Jahr danach, also 1958, den Fürst der Finsternis vor und zeigten ihre ganz eigene Interpretation. Viel vom Buch aus Bram Stokers Feder ist nicht wiederzukennen. Man nahm sich einige Freiheiten heraus.

Was die Hammer-Filme auszeichnete war, dass sie die Klassiker erstmals in Farbe zeigten und wenn man schon einen Farbtopf zur Verfügung hat, muss man auch rotes Blut zeigen. Blut rinnt aus den Mundwinkeln der Vampire, Blut sprudelt, wenn Van Helsing Lucy einen Holzpflock durchs Herz jagt. Das war neu – und im Grunde auch der Schrecken dieser Horror-Filme aus den späten 50ern.

Christopher Lee, der in Frankensteins Fluch das stumme Monster spielte, hatte nun eine größere Rolle. Zwar ist das die titelgebende Rolle, aber von Hauptrolle kann man nicht wirklich reden. Dieser Dracula hat kaum Leinwandpräsenz und wenn, redet er auch nicht gerade viel. Er wirkt viel mehr. Das macht Christopher Lee durch seine Länge (1,96 m) und seine schlanke Figur, eingehüllt in einen langen Umhang. Gewürzt mit ein paar gefletschten Zähnen und einem irren Blick – fertig ist der Grusel.

Peter Cushing hat weitaus mehr Rolle in Dracula und spielt seinen Part ordentlich. Dennoch hat der Film einige Längen. Was bei einer Gesamtspieldauer von 72 Minuten schon etwas heißen will. Neben dem "Horror" mischt Regisseur Terence Fisher, der Stamm-Regisseur bei den Hammer Films war, noch humoristische Elemente ein. Da haben wir den kauzigen Beerdigungsunternehmer oder den Grenzwächter. Brauchte man damals einen komischen Faktor, um nicht zu gruselig zu sein?

Seltsam fällt auf, dass Dracula in der deutschen Fassung offensichtlich in Großbritannien spielt. Man reist zum Beispiel nach Waterfield – das hört sich nicht sehr nach Transsylvanien an. Daneben finden sich aber viele Schilder auf deutsch. Naja … Synchronisation der 50er eben.

Wirklich spannend oder gruselig ist Dracula aus heutiger Sicht nicht gerade. Aber er legte den Grundstein für die Karriere von Christopher Lee. Das muss man dem Streifen zugute halten. Da der Film eh nur recht kurz ist, bedeutet das keine zu große Verschwendung von Lebenszeit. Man kann ihn sich also ruhig einmal anschauen. Immerhin hat er auch eine beeindruckende Szene, wenn Graf Dracula dem Sonnenlicht ausgesetzt wird und zu Staub zerfällt. Okay, das ist durchaus gut gemacht. Und es legte den Mythos fest, dass Vampire kein Sonnenlicht vertragen. (In Bram Stokers Dracula sehen wir Gray Oldmans Vampirfürsten am helllichten Tage durch London spazieren …)

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