Filmplakat Hitchcock
8,5/10

„My camera will tell you the truth.“ (Hitchcock, 2012)


Hitchcock

Besprechung

Sein letzter Film war ein Erfolg, nun muss Meister-Regisseur Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins) seinen nächsten Streifen finden. Er tut sich zunächst schwer mit einer Auswahl, bis er auf den Roman Psycho von Robert Bloch stößt. Dieser basiert auf der Geschichte des Frauenmörders Ed Gein (Michael Wincott). Das soll sein kommendes Projekt sein.

Paramount Pictures, die den Film finanzieren sollen, stellen sich quer. So viel Gewalt und sogar Nacktheit – da kann das Filmstudio nicht mitspielen. Hitchcock will um jeden Preis diesen Film drehen, also nimmt er eine Hypothek auf sein Haus auf. Ehefrau Alma (Helen Mirren) ist nicht erfreut darüber.

Der britische Regisseur braucht dieses Projekt. Er möchte sich wieder frei fühlen, er braucht den Nervenkitzel. Seine Ehe leidet jedoch darunter. Alma trifft sich mit dem charmanten Schreiberling Whitfield Cook (Danny Huston) in dessen Strandhaus – zum Schreiben. Alma braucht ihrerseits diese Freiheit, doch für Alfred kommt es dem Akt des Verlassens gleich.

Während also Hitchcocks Ehe in Schwierigkeiten gerät, läuft es mit dem Film auch nicht so gut. An der Hauptdarstellerin Janet Leigh (Scarlett Johansson) kann es nicht liegen, sie spielt souverän und arbeitet gerne mit dem als schwierig geltenden Hitchcock zusammen.

Meinung von

Was ist Hitchcock? Ein Biopic? Ein Film über einen Film? Ein Ehedrama? Alles das. In Hitchcock zeigt Regisseur Sacha Gervasi den Regisseur Hitchcock, den Ehemann und den Mann. Ein vielschichtiger Film, den man hier geboten bekommt. Es dreht sich primär um den Kampf darum, das Traumprojekt Psycho zu verfilmen, das Überwinden der Schwierigkeiten, die vom Filmstudio und der Sittenaufsichtsbehörde ausgehen. Erst später entpuppt sich Hitchcock als Film über den als "Master of Suspence" bekannten Regisseur. Wir sehen seine Vorliebe für schöne, blonde Schauspielerinnen und wie seine Frau Alma unter dieser Obsession leidet. Langsam scheinen Alfred und Alma sich voneinander zu entfernen. Das wirkt sich auch auf die Schaffenskarft von Alfred Hitchcock aus.

Wer Originalmaterial mit Hitchcock gesehen hat, weiß, wie gelungen Anthony Hopkins den Filmemacher darstellt. Eine Freude, ihm dabei zuzusehen. Mit Helen Mirren als starke, unabhängige, und im Herzen absolut treuen Gefährtin spielen beide Schauspieler wunderbar zusammen und geben ein beeindruckendes Bild dieser Ehe.

Nun kenne ich die Biografie Alfred Hitchcocks nicht in- und auswendig, was ich weiß, fand ich in Hitchcock wieder. Wie er z.B. das Marketing für den umstrittenen und als Flop befürchteten Film ankurbelte, ist bekannt. Der Streifen dürfte sich somit sehr dicht am Leben des berühmten Regisseurs halten.

Filmliebhaber, die das Werk von Alfred Hitchcock mögen, werden bei der gelungenen Umsetzung dieses Stoffes auf ihre Kosten kommen. Hopkins und Mirren spielen hervorragend, der Film hat einen feinen Humor und für die Freunde des Psychospiels bekommen wir Einblicke in das Innenleben Hitchcocks, wenn er sich mit dem Frauenmörder Ed Gein "unterhält". Diese UNterhaltungen finden nur in Hitchcocks Unterbewusstsein statt. Zugegeben, diese Abstecher sind zunächst etwas verwirrend, sollen jedoch zeigen, wie sehr er sich mit dem Stoff beschäftigt. Zudem zeigen diese Zwiegespräche mit dem Mörder Hitchcocks eigene dunkle Seite - die, so der Filmemacher, jeder in sich hat. Weshalb Psycho auch so gut funktioniert.

Sehr schön und beeindruckend waren die Dreharbeiten zu der bekannten Duschszene. Die erste Aufnahme war lahm, Janet Leigh spielte leidenschaftslos und nicht ängstlich genug - bis der Meister das Messer in die Hand nahm. Und zum Schluss soll es noch einmal die Duschszene sein, die ein gelungenes Bild in Hitchcock abgibt. Der Regisseur selber ist nicht im Filmtheater, aber wenn die Duschszene kommt, dirigiert er geradezu den Schrecken und Horror, den die Leute im Saal erleben. Köstlich.

Noch einmal großes Lob an Gervasi, Hopkins und die Maskenbildner.

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