Filmplakat High-Rise
3,5/10

„You're an excellent specimen ...“ (High-Rise, 2015)


High-Rise

Besprechung

Die fünf Hochhäuser werden im Endeffekt wie die Finger einer Hand um einen See herum stehen. Der Neurologe Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) ist eben auf der 25. Etage eingezogen. Über ihm wohnt die alleinerziehende Charlotte (Sienna Miller) mit ihrem hoch intelligenten Sohn Toby (Louis Suc).

Ganz oben, im 40. Stock, wohnt der Architekt (Jeremy Irons) dieser modernen, dem angenehmen Leben alles bietenden Hochhäuser. Er hat an alles gedacht: Swimmingpool, Squash-Anlage, Supermarkt, irgendwo soll auch ein Bordell sein – alles vorhanden. Im Grunde müssen die Bewohner gar nicht mehr die Türme verlassen. Dennoch hat Mr. Royal das Gefühl, er hat etwas bei der Planung vergessen.

Das Paradies ist nämlich fern. Es kommt immer wieder zu Stromausfällen, die besonders die Bewohner aus den unteren Etagen wütend werden lassen. Es kommt zu anarchistischen Ausschreitungen zwischen den Stockwerken.

Meinung von

Okay, High-Rise bekommt schon mal den Preis für den abgefucktesten, verstörendsten Film. Keine leichte Kost für nebenbei. Alle Damen, die Tom Hiddleston nackt sehen wollen, kommen zwar auf ihre Kosten, bezahlen dafür aber einen hohen Preis … Der Film von Regisseur Ben Wheatley (Kill List) basiert auf dem gleichnamigen Roman von J.G. Ballard, der für seine sozialen Dystopien bekannt war. Der Roman ist 1975 erschienen, Wheatley siedelt den Film ebenfalls irgendwie in den 1970ern an. Ich denke, das ist auch ein Problem des Films. Er ist nicht zeitgemäß.

Laut der Dame, die den Film im Savoy angekündigt hat, war Ballard in seiner Kindheit in einem japanischen Internierungslager untergebracht und in High-Rise soll er die Situation der sozialen Schichten, die sich bekämpfen, aufgegriffen haben. In den 1970ern wäre der Film vermutlich gut angekommen, aber in der heutigen, politisch und sozial desinteressierten Gesellschaft wirkt High-Rise wie ein unangenehmer Fremdkörper.

Wheatley steigt gut ein, zeigt die Figuren und die Dekadenz "da oben" (Wer hat schon ein Pferd im 40. Stockwerk eines Hochhauses?). Beim Bild der Ärmeren aus den unteren Etagen wird es jedoch schwammig und er zeichnet die Figuren nicht klar. Es wird deutlich, dass Laing im 25. Stock die Mittelschicht bildet. Er soll zwischen oben und unten vermitteln. Doch als das soziale System im Haus auseinander fällt, weiß Laing auch nicht mehr, wo er hingehört. Er verkriecht sich. Unterm Strich bleibt Hiddleston blass, seine Rolle unklar.

Optisch ist High-Rise ansehnlich. Aber vor allem wenn es darum geht, das Chaos in der Gesellschaft zu zeigen, verfällt Wheatley in eine verstörende Darstellungsweise. Bilder stürzen auf den Zuschauer ein, kein Ton, nur Musik. Die obere Schicht trägt nur noch Trainingsanzüge. Der Streifen wird wirr und man steigt irgendwann aus. Zwei Stunden sind definitiv zu viel. Vielleicht lag es daran, dass es der letzte Film des ersten Tages im Rahmen der Fantasyfilmfest Nights und der Sauerstoff gering war, oder es war einfach der Film selber — ich bin jedenfalls zwischendurch immer wieder weggenickt. Ein paar Mal spielte ich sogar mit dem Gedanken, den Kinosaal komplett zu verlassen … Das will schon etwas heißen.

Vielleicht muss man seinen schwarzen Rollkragenpullover anziehen und ein Glas Rotwein dazu trinken, um den Film zu verstehen und gutzuheißen. Hatte ich jetzt beides nicht dabei, daher Daumen runter.

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