Filmplakat Haywire – Trau’ keinem
6/10

„Sie sollten sie nicht als Frau betrachten. Nein, das wäre ein Fehler.“ (Haywire – Trau’ keinem, 2011)


Haywire – Trau’ keinem

Besprechung

Die Ex-Marine Mallory Kane (Gina Carano) arbeitet für eine Black Ops-Firma, oft im Auftrag der Regierung. Sie hat gerade eine Geiselbefreiung in Barcelona hinter sich gebracht und ist kaum zuhause angekommen, da steht ihr Boss und Ex-Freund Kenneth (Ewan McGregor) in der Tür. Er hat einen kleinen, harmlosen Auftrag für sie, der aber sehr wichtig für die Firma ist. Sie soll den MI6-Agenten Paul (Michael Fassender) in Irland unterstützen. Der hat sich bei seinem Einsatz schon als Ehemann angekündigt und benötigt nun eine Frau an seiner Seite.

Der Einsatz verläuft nicht so harmlos wie angekündigt. Am Ende ist Mallory eine Flüchtige. Sie muss vor der Polizei fliehen, aber auch vor Kenneth.

Meinung von

Regisseur Steven Soderbergh sah die Mixed Martials Arts-Sportlerin Gina Carano im Fernsehen und dachte sich, um die müsste man eine Geschichte herumspinnen. Heraus kam ein Agentenfilm mit Verrat und Betrug, sowie einem "Wem kann sie noch trauen?". Soderbergh springt in der Erzähl-Zeit von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück, um die Geschichte von Mallory zu zeigen. Der Barcelona-Einsatz verläuft noch ganz gut, doch die Aktion in Dublin kippt schnell und endet in einem spektakulären Kampf zwischen Mallory und Paul, wobei natürlich die Gewandtheit und Sportlichkeit von Gina Carano zur Geltung kommt. Da muss sich jeder männliche Kontrahent warm anziehen. Oder dick, um nicht allzu blaue Flecken zu bekommen. Die Kampfszenen sind sehr realistisch und hart anzusehen.

Die typische Handschrift von Soderbergh kommt klar zum Vorschein, seine Beleuchtung, seine Kameraführung und sein Schnitt-Muster. An einigen Stellen erinnerte Letzteres an die Ocean’s-Reihe. Das wird noch verstärkt, weil Soderbergh den Ocean’s-Komponisten David Holmes ebenfalls ins Boot holte. Dadurch kommt so ein Ocean’s-Vibe auf.

Soderbergh wollte selber einen Streifen schaffen, der typisch für die späten 70er und frühen 80er sei. Einen Film mit Verrat und Betrug, mit dubiosen Regierungsbehörden und -anweisungen. Ein Agent mitten drin, auf der Suche nach Sinn und schließlich Vergeltung. Haywire ist "nett". Die Carano ist apart anzuschauen und für ihre erste Rolle spielt sie auch okay. Alle anderen, durchaus erfahreneren Schauspielkollegen hingegen bleiben irgendwie blass. Dadurch wird Haywire, der gerne so was wie Die drei Tage des Condor sein wollte, nicht ganz oben in der Liste der Soderbergh-Filme aufgenommen. Man kann ihn sich mal anschauen, aber ein Muss ist er leider nicht. Lediglich die Nahkampfszenen sind schön anzusehen. Kein Wunder, wenn man eine MMA-Kämpferin in den Filmring schickt.

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