Filmplakat Happy Birthday
6,5/10

„What the fuck is the goat for?“ (Happy Birthday, 2016)


Happy Birthday

Besprechung

Brady (Matt Bush) hat Geburtstag. Es ist ein scheiß Geburtstag. Zum Glück hat er seinen besten Kumpel Tommy (Riley Litman). Tommy schenkt seinem Homie einen Tripp nach Mexiko – das richtige Mexiko, nicht diese Touristenfalle Tijuana. Tommy will Brady eine unvergessliche Zeit bieten. Das bedeutet Drogen, Huren und im Grunde mehr Drogen.

In einem mexikanischen Städtchen treffen die Freunde auf die beiden Mädels Katie (Vanessa Lengies) und Lucia (Britne Oldford). Die beiden Frauen geben den Ami-Boys den guten Rat, nicht so sehr mit dem Geld in der Öffentlichkeit herumzuwedeln, weil sonst der hiesige Obermafioso auf sie aufmerksam wird. Mehr wollen die beiden Schönheiten nicht mit den Touris zu tun haben. Schade.

Macht nichts. Durch Zufall stolpern Brady und Tommy über Texican (Erik Palladino) und seinen Schläger El Caballo (Matthew Willig). Die beiden “überreden” Brady und Tommy dazu, ihre Fremdenführer zu werden. Schließlich landen sie beim Schamanen Kasape Suka (Steven Tyler), der alle mit Drogen bis in die Haarspitzen abfüllt.

Die Nacht endet damit, dass die Jungs doch wieder auf die Mädchen stoßen und sich abschleppen lassen. Keine gute Idee, wie Brady feststellen muss.

Meinung von

Happy Birthday fängt nett an. Die Charaktere werden eingeführt. Wir sehen Brady, der gerade von seiner Freundin betrogen wurde und nun unten durch ist. Tommy, der immer noch hofft, dass Brady ihm einen Job verschafft, muntert ihn auf mit einem wahnsinnigen Trip nach Mexiko. Es gibt lustige Drogen-Exzesse und schlechte Drogen-Exzesse in Filmen. Dieser hier ist zunächst lustig/chaotisch und endet dann in einer ziemlich abgefuckten Situation für Brady.

Die Freunde werden gekidnappt. Katie und Lucia sind Handlanger des Mafiabosses. Der ist darauf spezialisiert, reiche Amerikaner einzukassieren und dann von ihren reichen Daddies Lösegeld zu verlangen. Blöd, dass Tommy die Drogen von Lucia nicht verträgt und das Zeitliche segnet und noch blöder, dass Brady eigentlich Waise ist. Die Situation ist absolut abgefuckt. Hinzu kommt, dass Lucia wohl einige psychische Probleme hat, die sich in Gewaltanwendungen äußern. Katie hingegen ist eher der passive Teil des Kidnapper-Duos. Brady versucht zu fliehen.

Regisseur Casey Tebo, der auch die Geschichte zu Happy Birthday geschrieben hat, erzählt seine Geschichte zielstrebig – anfänglich. Wenn die Kidnapping-Arie losgeht, verliert er sich ein wenig in zu viel Chaos. Was zunächst lustig war, wird nun ein wenig fade. Happy Birthday ist kein Film, in dem es um Folter o.ä. geht, kein Psycho-Film. Happy Birthday ist schon noch eine Komödie. Eine sehr seltsame Komödie mit schrägem Humor, die eben zwischenzeitlich ein wenig verwässert. Aber nicht so sehr, als dass man das Interesse daran verliert. Man bleibt schon am Ball.

Irgendwann streut Tebo dann auch die ersten Häppchen ein, die zur Auflösung des Films hinleiten. Wer völlig hinterm Mond lebt oder noch nie in seinem Leben einen Film gesehen hat, der wird am Ende groß aufjohlen. Allen anderen Zuschauern sollte irgendwann dämmern, dass hier irgendwas nicht stimmt. Mir kam The Game in den Sinn, vermengt mit vielen kleinen Anspielungen ans Film-Genre, wird die Auflösung dann genau so, wie erwartet. Das tut dem Spaß aber keinen Abbruch. Happy Birthday bleibt bis zum Schluss amüsant.

Happy Birthday spielt u.a. mit dem Gedanken des Klischee-behafteten Rassismus. Auf eine charmante Weise. Da wird zum Beispiel an einer Stelle darüber philosophiert, dass Star Wars rassistisch ist: Weiße kämpfen gegen den bösen schwarzen Mann. Zumal Darth Vader aussieht wie ein schwarzer Penis. Und wieso gibt es keine schwarzen Avengers? Nick Fury wurde nur für den Film "eingefärbt", um sich ein reines Gewissen zu verschaffen. Fuck. So doof sind die Ansichten nicht. Und dann taucht der Mafiaboss auf – und der entspricht jedem dummen Klischee. Hier weiß jemand, sich selber nicht allzu ernst zu nehmen.

Bei solchen Film-Anspielungen, wie oben beschrieben, geht mir natürlich immer das Herz auf. Große Augen habe ich auch gemacht, als Aerosmith-Sänger Steven Tyler als Hippie-Schamane auftaucht und die Leute auf einen Tripp setzt. Wie kann es sein, dass Tyler in einem wohl eher billigen Streifen mitspielt? Tebo war für den Schnitt bei Aerosmith-Dokumentationen zuständig, wo Tyler auf den Mann aus Massachusetts aufmerksam wurde. Tebo schrieb die Rolle des Schamanen direkt für seinen Kumpel Tyler, bei dem er – um Geld zu sparen – auch während der Dreharbeiten geschlafen haben soll.

Happy Birthday ist vielleicht nicht der beste Streifen, den die Welt gesehen hat, aber er bietet 90 Minuten Kurzweil.

Und ich wusste es immer! Nickelback wird in manchen Ländern als Folter eingesetzt …

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