Filmplakat Gosford Park
10/10

„Ich habe eine Verabredung mit einem heißen Glas Milch.“ (Gosford Park, 2001)


Gosford Park

Besprechung

Wir begeben uns in das Jahr 1932. William McCordle gibt eine Jagdgesellschaft und alle Verwandten kommen, zumeist aber nicht, weil sie gerne Fasane schießen, sondern weil sie wirtschaftlich vom Familienoberhaupt abhängig sind.

William ist sich dieser Tatsache durchaus bewusst und nutzt die Abhängigkeit der Anderen schamlos aus. Seine Gäste beschäftigt aber nicht nur ihre finanzielle Situation: Gleichzeitig sind sie beständig bestrebt, den Anderen ihre Überlegenheit zu demonstrieren.

Einige Stockwerke tiefer gibt es noch eine andere Welt: Die Welt der Dienstboten. Auch hier herrscht eine strenge Hierarchie und die Angstellten der Gäste werden nach ihren Chefs beurteilt. Schnell erkennt man, dass diese Form des Angestelltenverhältnis nur eine bessere Sklavenhaltung ist.

In dieser unheilen Welt der Abhängigkeit und Verachtung geschieht ein Mord: William McCordle wird zunächst vergiftet und dann erstochen. Anscheinend haben es gleich zwei Menschen auf ihn abgesehen. An Verdächtigen mangelt es nicht. Doch Inspector Thompson (Stephen Fry) macht nicht gerade den Eindruck, er könnte diese Situation meistern.

Teilweise wirkt der Film wie eine Dokumentation: Das Leben von Ober- und Unterschicht in England am Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine Unzahl von Charakteren wird vorgestellt und begleitet, so dass man manchmal die Übersicht verliert, ohne das dies aber die Faszination beeinträchtigt.

Wie in jedem Altman-Film sind die Rollen perfekt bestetzt: Insbesondere Maggie Smith (als Constance Trentham), Michael Gambon (als William McCordle), Emily Watson (als Elsie) und Alan Bates (als Jennings) überzeugen.

Alles überstrahlt aber der eher kurze Auftritt von Stephen Fry als Inspector. Das englische Multitalent (Schauspieler (u.a. Peters Friends), Autor und Komödiant) spielt den trotteligen Antikriminalisten so großartig, dass man sich wünscht, er würde diese Rolle öfter spielen.

Kleine Anmerkung für Menschen, die demnächst auf Angeber-Parties Punkte machen wollen: Den Schauspieler Ivor Novello (eine Figur im Film) gab es wirklich. Gosford Park natürlich nicht.

Meinung von

Endlich wieder mal ein Film von Robert Altman (u.a. The Player, Short Cuts, Mash), der mir uneingeschränkt gefiel.

Zusammen mit dem Nils haben wir uns das Ganze im Zeise angesehen und locker über zwei Stunden durchgehalten. Ein echter Film für Genießer.

Denn dieser Film macht wirklich Spaß. Die Verbindung zwischen Sozialdrama, Liebesgeschichte und Krimi überzeugt in jeder Sekunde — ebenso wie die großartigen Schauspieler. Wer aber auf Action steht, sollte diesen Film vielleicht meiden.

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