Filmplakat Gattaca
8,5/10

„Ich habe mir nie etwas für den Rückweg aufgespart.“ (Gattaca, 1997)


Gattaca

Besprechung

In einer nicht fernen Zukunft: Das Phänomen ein Kind zu zeugen bleibt nicht länger dem Zufall überlassen. “Gotteskinder” sind out. Zumal sie oft “fehlerhaft” sind. Also werden in dieser nicht fernen Zukunft die Kinder schön in der Petrieschale gezeugt und nur die besten Zellhaufen ausgesucht. So gibt es nur noch gesunde, intelligente, schöne Kinder.

Vincent Freeman (Ethan Hawke) ist aber keines dieser ach so sauberen Kinder. Vincent ist noch ein “Gotteskind” – Mortalität hoch, Risiko zu Herzproblemen 99%, Lebenserwartung maximal 35 Jahre. Na Prost. Aus diesem Grund entscheiden sich seine Eltern auch dazu, noch einen – diesmal gestylten – Bruder für Vincent zu schaffen. Das macht das Leben für den invaliden Vincent nicht gerade leichter. Immer den strahlenden, perfekten Bruder Anton (Loren Dean) vor der Nase. Und dann will Vincent auch noch in den Weltraum reisen. Doch das kann er sich mit seinem Herzfehler abschminken …

Die Zeit geht voran und Vincent geht einen seltsamen Pakt ein: Er nimmt die Identität des Muster-Menschen Jerome Eugene Morrow (Jude Law) an. Jerome ist zwar ein valider Mensch, aber seit einem Unfall gelähmt. Vincent wird zu Jerome, hat ständig Haut-, Haar- und Urinproben von ihm dabei. Denn in der Raumbehörde Gattaca dürfen nur perfekte Menschen arbeiten. Und es finden ständig DNA-Tests statt. Vincent muss immerzu in der Angst leben, entdeckt zu werden.

Eines Tages wird ein Flugleiter tot aufgefunden. Die Polizei kommt zu Gattaca und untersucht den Fall. Doch in dieser nicht so fernen Zukunft sind alle Untersuchungen auf DNA-Spuren basierend …

Meinung von

Alles sehr steril, alles sehr gestylt. Insofern passt es natürlich zum Thema Genmanipulation, Invitro-Fertilation und und und. Viele leere Räume, grüne oder orangene Farben. Also – haken wir das mal ab – ästhetisch ist der Film auf alle Fälle sehenswert.

Die Story ist im Grunde ja schnell erzählt. Nun kommt es also noch darauf an, was draus gemacht wurde. Was wurde also draus gemacht? Gattaca ist ruhig und dennoch spannend. Kommt Vincents Geheimnis ans Tageslicht? Kann er die Behörden täuschen? Ethan Hawke passt in diese Rolle sehr gut rein, da er so ein glattes Gesicht hat. Ja, er spielt auch gut. Ebenfalls gut geschaupielert hat Jude Law als gebrochener, zynischer Mann, der dem Leben nicht mehr viel abgewinnen kann. Was soll ein perfekter Mensch auch, der alles erreichen könnte und nun dazu verdammt ist unterste Schublade zu sein?

Der Film zeigt auf, wie schwer es ist, das Thema "Menschenzucht dank Genmanipulation" ethisch zu bewerten. Dabei wird durch die Kühle und Sterilität des Films nie der große Zeigefinger erhoben. Das lässt die Ästhetik nicht zu. Läuft der Abspann, ist man jedoch unangenehm berührt. Ich hatte z.B. schon ein ungutes Gefühl, dass ich bei meinem Gastgeber fröhlich Hautschuppen und Fingerabdrücke hinterlassen hatte. Was würde man alles über mich herausfinden? Ein bedrückendes Thema in einer zu perfekten Verkleidung. Gut gemacht.

Außerdem zeigt Gattaca auf, dass es scheiß-egal ist, wie das genetische Material aussieht. Wenn man hart an seinem Traum festhält und arbeitet, kann man das Ziel auch erreichen. Da kommt auch kein System gegen an.

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