Filmplakat Futureworld – Das Land von Übermorgen
5,5/10

„Nimm's nicht tragisch. Du wirst ja nur ausgetauscht. Sonst bleibt alles beim Alten.“ (Futureworld – Das Land von Übermorgen, 1976)


Futureworld – Das Land von Übermorgen

Besprechung

Delos, der Freizeitpark, der uns Westworld brachte, wurde für viel Geld wieder aufgebaut. Für 1200 Dollar am Tag können sich die Menschen im alten Rom, im Mittelalter oder im Weltraum von morgen vergnügen. Roboter sind erneut im Einsatz, um den Menschen alle Wünsche zu erfüllen.

Mr Duffy (Arthur Hill) von Delos lädt diverse Menschen ein, um den neuen Park Futureworld zu begutachten. Mit dabei sind auch der Journalist Chuck Browning (Peter Fonda) und die Fernsehmoderatorin Tracy Ballard (Blythe Danner). Chuck hat vor dem Besuch von Futureworld einen geheimen Tipp erfahren: ein Mann wollte ihm Infos über Delos stecken, wurde aber vorher ermordet. Der ohnehin skeptische Reporter wird noch argwöhnischer. Er ahnt, dass bei Delos etwas nicht ganz sauber läuft und will das Geheimnis aufdecken.

Der wissenschaftliche Leiter Dr. Schneider (John P. Ryan) steht dem Herumgeschnüffelt sehr kritisch gegenüber und hat ein scharfes Auge auf die beiden Journalisten geworfen. Nicht nur wegen der Schnüffelei, sondern auch noch aus einem anderen Grund …

Meinung von

Westworld war damals ein ordentlicher Erfolg. Vielleicht nicht der große Überflieger, aber der Film hat Geld gebracht. Und was wollen Filmstudios mehr als alles andere auf der Welt? Genau: Mehr Geld. Also lasst uns die Idee von Westworld ausschlachten! Gleich noch einmal einen Park mit Robotern aufmachen und den ganzen Spaß mit neuen Schauspielern durchexerzieren. — So könnte man denken.

Was am Anfang noch wie eine 1:1-Umsetzung anmutet, wird aber bereits früh durch den Tod eines ehemaligen Delos-Mitarbeiters in eine andere Richtung gelenkt. Wenn dann Chuck, Tracy und der russische General Karnovski (Bert Conroy) sowie der japanische Geschäftsmann Takaguchi (John Fujioka) in den Vergnügungspark kommen, merkt der Zuschauer, dass hier etwas anders läuft, als im Vorgänger Westworld. Futureworld birgt, wie Chuck es schon vermutet, ein dunkles Geheimnis.

Es wird schnell klar, was hier gespielt wird, das mindert die Spannung jedoch nicht. Spannung ist etwas, das dieser "billige Abklatsch“ (Futureworld hatte ein etwa doppelt so hohes Budget wie sein Vorgänger, was aber immer noch sehr gering war) im Gegensatz zum ersten Teil hat. Was drei Jahre ausmachen können. Futureworld hat kaum eigene Kulissen, hier wurde kräftig gespart. Die meisten Szenen spielen entweder bei der NASA, an einem Flughafen oder in irgendwelchen Fabriken – Hauptsache Rohre! Das ist zwar kostengünstiger als selber bauen, macht den Film aber irgendwie auch "authentischer“.

Hauptdarsteller Peter Fonda hatte zwar ein paar Jahre zuvor mit Easy Rider einen riesigen Erfolg gefeiert, einen großen Namen hatte er dennoch nicht – war also günstig. Yul Brynner stand auch auf dem Plakat und sollte das Publikum anziehen. Dabei tritt er nur in einer völlig überflüssigen Traumsequenz auf, in der er noch nicht einmal ein Wort sagt. Aber Hey! Er spielt mit. Kommt in die Kinos! Das war übrigens Yul Brynners letzte Rolle.

Futureworld hat die "Angst vor den Robotern“ überwunden. Die Menschen im Vergnügungspark haben keine Angst mehr und der Film will auch keine mehr schüren. Der Film geht einen Schritt weiter: Was, wenn wir komplett durch Roboter ersetzt würden? Der Mensch ist fehlerhaft, trifft immerzu falsche Entscheidungen. Wie soll man sonst Kriege erklären? In Futureworld wird der Plan verfolgt, alle kritischen Entscheidungsträger und Multiplikatoren durch steuerbare Roboter zu ersetzen. Manchmal muss man sich fragen, ob diese dystopische Vision nicht schon eingetreten ist ...

Mir hat Futureworld besser gefallen als sein Vorgänger. In der Fortsetzung mischen sich SciFi und Krimi miteinander. Das bietet einfach mehr.

So "billig" und eher unbedeutend Futureworld auch sein mag – so wichtig ist er aber für die Filmgeschichte. In Futureworld sehen wir das erste 3D-Modell eines computergenerierten Körperteils. Die Hand, die wir auf einem Display sehen, ist die von dem späteren Disney Animationsstudio-Chef Ed Catmull. Und das 3D-Gesicht, das wir sehen, muss damals den Kinogängern das Gehirn wegblasen haben.

Ich glaube mich übrigens daran zu erinnern, den Film als kleiner Junge mal gesehen zu haben. Der Helfer ohne Gesicht hat mich damals arg erschreckt.

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