Filmplakat Für eine Handvoll Dollar
6/10

„Mach drei Särge fertig.“ (Für eine Handvoll Dollar, 1964)


Für eine Handvoll Dollar

Besprechung

Ende des 19. Jahrhunderts kommt der schweigsame Joe (Clint Eastwood) in das kleine Städtchen San Miguel in der Nähe der mexikanischen Grenze. Gleich vom Anfang an wird klar, dass in dieser Kleinstadt etwas nicht stimmt. Joe findet heraus, dass hier die Familien Baxter und Rojo herrschen und sich bekriegen. Die Baxters sind in Waffenhandel involviert, die Rojos im Alkoholhandel. Man lebt ja günstig an der mexikanischen Grenze. Die Aktivitäten der Clans fordern viele Kollateralschäden.

Joe setzt ein Zeichen. Zunächst bringt er vier Männer der Baxters um, dann lässt er sich als knallharter Revolverheld von den Rojos anstellen. Hier trifft er auch auf Ramón Rojo (Gian Maria Volontè), der sich selber der beste Schütze in ganz Mexiko schimpft. Damit kann Ramón gefährlich werden für Joe.

Als aus Mexiko eine Kutsche in der Stadt ankommt, findet Joe schnell heraus, dass mit der Gold transportiert wird. Ramón überfällt die Kutsche mit seinen Männern und bringt alle Soldaten kaltblütig um. Joe beobachtet das mit seinem Freund, dem Gastwirt Silvanito (José Calvo) und schmiedet einen Plan, wie man die beiden Familien gegeneinander ausspielen kann.

Meinung von

Altmeister Sergio Leone hatte sich seine Sporen als Regisseur von Second Units im italienischen Filmdschungel verdient gehabt. Sein erster eigene Film war Der Koloss von Rhodos. Als nächster Film sollte dann Für eine Handvoll Dollar gedreht werden. Lustigerweise drehte er den Film nicht unter seinem eigenen Namen, sondern zunächst als Bob Robertson.

Es wurde, weil es dort billiger ist, in Spanien gedreht. Clint Eastwood war nicht Leones erste Wahl. Über Umwege kamen die beiden zusammen. Eastwood, damals nur in TV-Serien zu sehen oder in Filmen in der hinteren Reihe, nahm den Auftrag an, weil er in seiner damaligen Serie immer nur den Guten spielen konnte. Einen Antihelden zu spielen war spannender. Zwar durfte er vertraglich zu der Zeit nicht in Filmen mitspielen, das galt aber nicht für Filme außerhalb der USA.

Eastwood wurde mit diesem Film berühmt. Er prägte sein eigenes Image massiv selber mit. Sein Joe ist wortkarg, bärbeißig, schaut so gut wie immer grimmig drein, ist ein exzellenter Schütze. Sein Motiv die beiden Familien gegeneinander auszuspielen scheint in erster Linie Geld zu sein. Als er seinen Plan angeht, verlangt er jeweils 500 Dollar von den Baxters und den Rojos. Eine unglaubliche Summe. Erst später lernen wir, dass Joe – dort oft als "namenloser Mann" geführt wird, dabei wird er von allen Joe genannt – eigentlich diesen Aufwand betreibt, weil er Ungerechtigkeiten hasst. Daher der Held in Antiheld.

Die Spaghetti-Western zeichnen sich für mich immer dadurch aus, dass ich unbekannte Gesichter sehe, die stets sonnengebräunt und verschwitzt sind. Wie es damals wohl üblich war, wurde Für eine Handvoll Dollar ohne Ton aufgenommen und erst später nachvertont. Das ist etwas seltsam, aber wenn die das damals so gemacht haben ... Die Dialoge wirken dennoch seltsam, das kann aber auch nur an der Synchronisation liegen. Ganz, ganz schrecklich ist das bei dem kleinen Jungen, der zu seiner Mutter will. Alter, das geht gar nicht!

Die Geschichte ist eigentlich nicht blöd. Bei Italo-Western denkt man (ich) immer an schlechte Qualität, sowohl im Schauspiel, als auch bei der Geschichte. Doch hier wurde ich überrascht. Typ kommt in Stadt, die von zwei Gangsterbanden tyrannisiert wird. Anstatt das Weite zu suchen beschließt er zu bleiben und die Banden gegeneinander auszuspielen. Ist jetzt nicht die dümmste Idee für eine Geschichte. Ist aber auch nicht eine originelle Idee. Ein paar Jahre zuvor, weiter im Osten, wurde die Geschichte unter dem Namen Yojimbo - Der Leibwächter von Akira Kurosawa bereits schon einmal erzählt.

Der Film wird stets hoch gelobt, dem schließe ich mich nicht unbedingt an. Er ist tatsächlich besser als befürchtet, aber ich denke bei den Bewertungen schwingt eine Menge Nostalgie und Leone-Verehrung mit. Ich kann sagen, ich habe ihn geschaut. Das reicht mir.

Für eine Handvoll Dollar gilt als der erste Italo-Western, was so jedoch nicht ganz stimmt. Er ist aber sehr wohl der erste Italo-Western, der international bekannt wurde. Das lag wohl auch an Clint Eastwood. Irgendwie. Der Film ist der erste Teil der so genannten "Dollar-Trilogie".

Im Jahre 1964 gedreht, kam der Film in Deutschland im Folgejahr, also 1965, heraus. In den USA sollte er erst 1967 über die Silberleinwand laufen. Das bedeutet auch, dass Eastwood erst dann den Film synchronisieren musste.

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