Filmplakat French Connection – Brennpunkt Brooklyn
7,5/10

„Ich will ihn verprügeln. Ich will's einfach!“ (French Connection – Brennpunkt Brooklyn, 1971)


French Connection – Brennpunkt Brooklyn

Besprechung

Jimmy „Popeye“ Doyle (Gene Hackman) und sein Partner Buddy „Cloudy“ Russo (Roy Scheider) sind als Drogenfahnder in New York unterwegs. Doyle ist knallhart, rassistisch, versessen von seiner Arbeit. Russo könnte zwar auch mal gerne das Wochenende frei nehmen, aber Partner halten zusammen, also zieht er mit Doyle mit. Bei einem Besuch in einer Bar beobachtet Doyle einen Haufen ihm bekannter Drogenbosse. Ebenfalls an dem Tisch sitzt aber auch ein kleiner, unbekannter Fisch. Doyle fragt sich, wie so ein Typ mit so viel Geld um sich schmeißen kann.

In New York gibt es derzeit anscheinend kaum noch Heroin. Die Junkies sitzen auf dem Trockenen, aber ein Informant verrät Doyle, dass eine große Lieferung ankommen soll. Doyle und Russo hängen sich an den kleinen Ganoven aus dem Restaurant ran. Es stellt sich heraus, dass es sich hier um den Besitzer eines Kiosks handelt, Sal Boca (Tony Lo Bianco). Irgendwas stimmt mit dem nicht. Fortan hängen Doyle und Russo wie Kletten an dem Typen. Als sie den Eindruck haben, dass sie auf der richtigen Spur sind, bitten sie ihren Captain Simonson (Eddie Egan), darum ihn abzuhören. Das genehmigt der, aber nur wenn noch zwei FBI-Agenten mitmachen können.

Durch die Observation stellt das Drogenschnüffler-Duo fest, dass ein französisch sprechender Mann mit Sal in Verbindung getreten ist. Alain Charnier (Fernando Rey) und sein Handlanger Pierre Nicoli (Marcel Bozzuffi) sind aus Marseille nach New York gekommen. Im Gepäck haben sie 60 Kilogramm unverschnittenes Heroin im Straßenwert von 32 Millionen Dollar. Doyle setzt alles daran, Charnier dingfest zu machen.

Meinung von

Schau mal an, sie mussten 1971 nicht – wie heute so gerne gemacht – ein "Basiert auf wahren Begebenheiten" an den Anfang des Films stellen. Die French Connection gab es wirklich und die beiden Polizisten, die den französischen Drogenring haben auffliegen lassen, ebenfalls. Für den Film wurden alle Namen geändert, aber interessanterweise spielten die beiden Polizisten auch im Film mit. Gene Hackman spielt den Charakter, den Eddie Egan im echten Leben inne hatte. Roy Scheider spielt Sonny Grosso, der ebenfalls im Film eine kleine Rolle hat.

Die beiden echten Polizisten konnten somit detaillierte Einsichten in ihre Charaktere geben, so dass Hackmann und Scheider diese entsprechend portraitierten. Hackman hatte dabei einige Probleme. Eddie Egan war wohl tatsächlich ein Draufgänger, ein Mann, der nichts anderes als die Arbeit hatte. Also hat er sich voll reingekniet. Vor Grosso hatte er bereits zwölf Partner verschlissen. Niemand konnte oder wollte mithalten. Hackman erzählte, er habe u.a. mit der Gewalt von Doyle und seinem offenen Rassismus Probleme gehabt. Aber das verlangte die Rolle nun einmal.

Gene Hackman spielt die Rolle so gut, dass er dafür einen Oscar erhielt. Vor French Connection hatte Hackman nur kleine Rolle gespielt, mit diesem Film sollte ihm der Durchbruch gelingen. Er ist gehetzt von seinem Wunsch den Unrat von den Straßen zu fegen. Er arbeitet nicht nur seine acht Stunden am Tag, sondern teilweise 24 Stunden. Der meiste Teil geht dabei für Observationen drauf.

Das ist ein Großteil dessen, was ein Polizist machen muss und Regisseur William Friedkin zeigt es uns. Friedkin kommt hier zugute, dass er zuvor hauptsächlich Dokumentationen gedreht hat. French Connection hat somit auch eher einen dokumentarischen Charakter, was ihn kalt und unangenehm macht. Der Film ist kein typischer Thriller.

Nicht nur in seinem Stil ist French Connection anders, die Musik von Don Ellis ist ebenfalls a-typisch. Er wählte ungewöhnliche Kompositionen, die unterschwellig Unbehagen auslösen. Ursprünglich hatte Ellis mehr Musik geschrieben, Friedkin schmiss aber viel weg. Eine Dokumentation hat auch keine Musik.

Die echte Untersuchung dauerte beinahe zwei Jahre, Friedkin dampfte sie geschickt auf knapp zwei Stunden zusammen. Neben der beeindruckenden Darstellung von Hackman hat der Streifen noch ein Filmjuwel zu bieten: Doyle wird von Nicoli angegriffen. Der Franzose wollte den Cop erschießen, hat aber verfehlt. Was folgt ist eine sehr ungewöhnliche Verfolgungsjagd. Ich bin ja nicht der Typ für Verfolgungsjagden, wenn ein Auto ein anderes verfolgt. In French Connection sehen wir, wie ein Auto eine Bahn verfolgt.

Doyle verfolgt Nicoli zu Fuß bis zu einer Bahnstation, hier verliert er ihn. Nicoli schafft es, in einer Bahn zu fliehen. Doyle rennt wieder runter (es ist eine dieser Hochbahnen, die durch Brooklyn fährt), schnappt sich ein Auto und rast unter den Bahnschienen hinter dem Bahnwagen her. Wie es für Doyle charakteristisch ist, komplett ohne Rücksicht auf andere.

Friedkin und Co. erinnerten sich später daran, dass das, was sie da gemacht haben extrem illegal war. Die Straßen waren nicht vollkommen gesperrt. So kam es zu echten Unfällen mit Unbeteiligten bei der Verfolgungsjagd. Wild.

French Connection war für acht Oscars nominiert und sackte fünf davon ein. Neben Hackman als bester Schauspieler erhielt Friedkin einen für die beste Regie, der Film wurde selber zum besten Film gewählt. Filmschnitt und Drehbuch runden dann den Siegeszug von French Connection ab.

Aus heutiger Sicht ist der Streifen ungewöhnlich, sperrig und teilweise wahnsinnig ruhig. Wie gesagt, das Observieren von Verdächtigen ist ein wichtiger Teil von Polizeiarbeit. Doyle sitzt viele Stunden im Auto oder steht in der Kälte in Hauseingängen herum. Hier ist nicht jede Minute Action angesagt.

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