Filmplakat Franklyn
6,5/10

„Wenn du fest genug an etwas glaubst - wer will schon sagen, ob es real ist oder nicht?“ (Franklyn, 2008)


Franklyn

Besprechung

Wer in Meanwhile City leben will, einer düsteren, monumentalen Stadt, der muss eine Religion haben. Jonathan Preest (Ryan Phillippe) ist der einzige Mensch ohne Glauben. Dafür wird er von den Klerikern gejagt. Gleichzeitig macht Preest Jagd auf Das Individuum, Chef einer Religion, die ein junges Mädchen geopfert hat, das Preest retten wollte.

Preest wird gefangen genommen und für vier Jahre inhaftiert — bis man ihm das Angebot macht, für die Kleriker Das Individuum auszuschalten.

Weiß man nicht, wann und wo die Handlung von Preest spielt, ist die Handlung von Milo (Sam Riley) ganz klar: Im heutigen London wurde er von seiner Freundin versetzt, die Hochzeit wurde abgesagt. So gebrochen wandert er durchs Leben, bis er eines Tages seine Sandkistenliebe Sally trifft.

Als dritten Handlungsstrang haben wir die Geschichte der Kunststudentin Emilia Bryant (Eva Green). Sie unternimmt einen Selbstmordversuch nach dem anderen, verpackt das als Kunstprojekt und will doch nur Aufmerksamkeit von ihrer Mutter.

Außerdem läuft in London ein alter Mann umher (Bernard Hill), der seinen Sohn sucht.

Diese vier Geschichten laufen am Ende zu einem Handlungsstrang zusammen, die London-Geschichten und die mysteriöse Meanwhile City-Story.

Meinung von

Sehr interessanter Film. Die Geschichte des Jonathan Preest ist fantastisch dargestellt. Ein Mann ohne Glauben, mitten in einer auf Religion basierenden Stadt. Er ist ein Mörder und ein Retter. Am Ende soll er, von der Obrigkeit beauftragt, genau das machen, was sein Ziel war: Das Individuum, das Oberhaupt einer neuen Religion, umzubringen.

Diese Geschichte wechselt ständig mit denen im heutigen London ab. Dabei ist die Geschichte des Milo noch am langweiligsten. Erst später, wenn er seine Sandkastenliebe Sally wiedergefunden hat und davon seiner Mutter erzählt, wird seine Erzählung interessant.

Leider mag ich Eva Green nicht. Dabei spielt sie die Suizidgefährdete gar nicht schlecht. Ein wenig dick aufgetragen, aber ganz in Ordnung.

Zunächst haben die Geschichten alle nichts miteinander zu tun. Erst als Figuren aus der Welt von Jonathan Preest in den Londoner Geschichten auftauchen, ahnt man, wohin die Reise geht.

Als dann klar wird, dass der alte Mann, Peter Esser, der seinen Sohn sucht, im Grunde auf der Suche nach Preest ist, wird Franklyn richtig gut. Dass Preest und der verschwundene David Esser ein und die selbe Person sind und wieso David in einer Fantasiewelt lebt, ist eine unerwartete und doch sehr gute, glaubwürdige Geschichte. Punkte dafür! Man versteht auch, warum Preests Maske "gesichtslos" ist.

Leider schwächelt Franklyn am Ende. Die Fäden der unterschiedlichen Geschichten werden schnell zusammengezurrt und das tut dem Film nicht gut. Auch sind manche Dialoge arg hölzern. Da gebe ich dem Schreiber und Regisseur Gerald McMorrow die Schuld. Immerhin war das auch erst sein zweites Filmprojekt. Außerdem wirkt der Film manchmal wie eine kostengünstige BBC-Produktion — was sie nicht ist.

Franklyn ist nicht super packend, aber der Film hat was. Gerade das Warum für Davids Flucht hat mich irgendwie beeindruckt. Ebenso gefiel mir die Optik der Fantasie-Welt sehr gut. Hätte man in den Real-Geschichten noch mehr Geschwindigkeit und knackigere Dialoge gehabt, wäre Franklyn durchaus ein "Ich habe da einen Film, den ich dir unbedingt empfehlen möchte"-Kandidat. So bleibt die Empfehlung, den Film sich anzuschauen, wenn man Fantasie mag und sonst nichts im Fernsehen läuft.

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