Filmplakat Frankensteins Fluch
5,5/10

„Ich tue niemanden was zu leide. Ich beraube nur ein paar Gräber. Welcher Arzt oder Gelehrte tut das nicht?“ (Frankensteins Fluch, 1957)


Frankensteins Fluch

Besprechung

Der reiche und überaus intelligente Victor Frankenstein (Peter Cushing) hat alles, was er weiß, von seinem Hauslehrer und Freund Paul Kempe (Robert Urquhart) gelernt. Gemeinsam haben die beiden Wissenschaftler auch einen Durchbruch in der Medizin errungen: mit Hilfe von Elektrizität haben sie einen toten Hund wieder zum Leben erweckt. Paul sieht darin eine riesige Chance für die Medizin, vor allem für schwere Operationen, doch Victor will das Verfahren nicht veröffentlichen. Er will einen Schritt weiter gehen und einen Menschen schaffen. Den perfekten Menschen. Paul ist angewidert von Victors Ansinnen und steigt aus.

Doch der Graf macht weiter. Er sucht sich einen Dieb für den Körper, den besten Bildhauer für die Hände und das Gehirn soll das eines Genies sein. Dazu lädt er zu sich und seiner jungen Braut Elizabeth (Hazel Court) den brillanten Forscher Professor Bernstein (Paul Hardtmuth) ein – und bringt ihn um.

Victor gelingt das Unmögliche. Er erschafft tatsächlich neues Leben. Aber das Gehirn des Professors hatte vor dem Einsetzen Schaden genommen. Das Wesen (Christopher Lee), das er zum Leben erweckt hat, ist gewalttätig und weit davon entfernt ein Genie zu sein.

Meinung von

1931 machte sich Boris Karloff unsterblich als das Monster von Frankenstein. Über ein viertel Jahrhundert später stieg die britische Produktionsfirma Hammer Films in den Ring und erweckten das Monster erneut zum Leben. Diesmal in Farbe und blutiger. Ein Markenzeichen von Hammer. Als Monster stellte man den damals noch recht unbekannten Christopher Lee vor die Kamera. Aber nicht nur in der Art und Weise der Darstellung ging man neue Wege. Liest man das Buch von Mary Shelley, dann liegt der Schwerpunkt auf der Qual des künstlich geschaffenen Wesens und der fieberhaften Jagd des Wissenschaftlers nach seinem Monster. Im Original-Film ist das etwas anders. Hammer lenkte wiederum den Blick auf den wahnsinnigen Viktor Frankenstein.

Ebenfalls noch nicht in so großen Rollen gesehen, aber doch schon beinahe zwanzig Jahre im Geschäft, mimt Peter Cushing den verrückten Wissenschaftler, der davon besessen ist, neues Leben zu schaffen. Er liefert sich den ein oder anderen Kampf mit seinem einstigen Freund und Weggenossen Kempe. Seine junge Cousine, die ihn heiraten will, weist er zurück, hat er doch eine Affäre mit seinem Zimmermädchen Justine (Valerie Gaunt). Wobei die fleischlichen Genüsse nur eine zweite Geige spielen. Frankenstein will ein Schöpfer sein. Was ihm auch gelingt. Allerdings nicht so, wie er es sich erhofft hat. Dabei hat der gute Professor Bernstein vor seinem unfreiwilligen Ableben und seiner ebenfalls unfreiwilligen Organspende noch die Situation Frankensteins so trefflich zusammengefasst:

Oft frage ich mich, ob die Welt für die großen Entdeckungen schon reif ist. Nicht immer sind die Versuche, die uns in Laboratorien glücken, nutzbringend für die Menschheit. Das ist das große Problem.

Doch Frankenstein hörte schon gar nicht mehr zu.

Christopher Lee, der mit Cushing noch viele Filme drehen sollte, sagt kein Wort, bewegt sich nur steif und wankend. Sein Gesicht ist entstellt. Aus rechtlichen Gründen durfte die Maske des Monsters nicht so aussehen wie die von Boris Karloff. Diese jüngere Maske ist gruseliger – wenn auch etwas billiger. (Ich konnte mich nicht des Eindrucks erwehren, dass diese Maske aussah wie Nicolas Cage. Aber nicht weitersagen ...)

Horrorfilme der 1950er waren gerne kitschig, schlecht, B-Movie-Qualität. Frankensteins Fluch ist nun kein Kunstwerk, auch ist der Streifen aus heutiger Sicht absolut ungruselig, aber damals war das bestimmt nervenaufreibend. Zumal in Farbe und mit rotem Blut (das einzige Blut sieht man, wenn Kempe dem Monster ins Gesicht schießt nachdem es geflohen ist). Spannend wird der Film gen Ende, wenn das Monster über das Dach wandert, erneut aus seinem Gefängnis ausgebrochen und die Streichermusik im Hintergrund immer schnelle rund schneller wird. Frankenstein will das Monster einfangen, seine Frau Elizabeth sucht ihren Mann – ausgerechnet auf dem Dach – das kann alles nicht gut enden.

Frankensteins Fluch ist durchaus als ein wichtiger Film anzusehen. Die Hammer Films gründete mit diesem Film seinen Ruf als Horror-Spezialist. Es sollten noch viele Gruselklassiker folgen. Sind wir ehrlich, müssen wir allerdings sagen, dass Frankensteins Fluch schon einige B-Movie-Züge an sich hat. Vor allem was die Dialoge anbelangt. Ich zitiere nur:

Ich werde morgen das Gehirn operieren. Das kann nicht lange dauern.

Ja, ne. Is' klar ...

hoch