Filmplakat Four Lions
8,5/10

„He took out a sheep.“ (Four Lions, 2010)


Four Lions

Besprechung

Die vier Freunde Omar (Riz Ahmed), der etwas beschränkte Waj (Kayvan Novak), Fessal (Adeel Akhtar) und der zum Islam konvertierte Barry (Nigel Lindsay) planen im beschaulichen Sheffield einen Bombenanschlag. Um ihren Beitrag zum Heiligen Krieg beizutragen, wollen sie irgendwas in die Luft sprengen.

So ganz können sie sich nicht darauf einigen, was in die Luft fliegen soll. Barry, der sehr fanatisch ist, will unbedingt eine Moschee kaputt machen. Aber der eigentliche Anführer Omar winkt ab. Das wäre nur kontraproduktiv. Die vier wollen schließlich sich selber auf dem Londoner Marathon hoch bomben.

Dazu müssen Vorbereitungen getroffen werden. Waj und Omar reisen zunächst nach Pakistan, um in einem Terrorkamp ausgebildet zu werden. Doch das läuft nicht ganz so ab, wie geplant. Zurück in England brauchen die vier “Krieger” natürlich Bomben. Fessal denkt daran, dressierte Krähen einzusetzen, um böse, anti-islamische Institutionen in die Luft zu sprengen. Aber bitte nicht wieder eine Apotheke, wo nur Tampons und Binden dran glauben müssen – so Omar.

Fessal wird … ersetzt. Nennen wir es mal nett umschrieben so. Für ihn tritt der rappende Hassan (Arsher Ali) an, um in den Heiligen Krieg einzutreten.

Meinung von

Ja, das Thema ist nicht nett. Aber wie schon bei Mein Führer, gilt es auch bei diesem heiklen Thema nicht die Augen zu verschließen, sondern sich bewusst, nach bestem Wissen der Kunst, darüber lustig zu machen. Und Regisseur Chris Morris macht sich lustig!

Wir lernen die vier Männer schnell lieben. Sie sind — allen voran Waj — etwas tumb, aber dennoch liebenswert und menschlich. Ja, sie wollen Leute in die Luft sprengen. Ja, natürlich für "einen guten Zweck", aber wir als aussenstehende Zuschauer sehen nur, wie dusselig sie sich dabei anstellen und was sie alles falsch machen. Mein Zwerchfell wurde arg beansprucht.

So plätschert Four Lions vor sich hin, bis man selber bemerkt, dass aus der Handlung, die uns Morris präsentiert, kein lustiges Happyend entstehen kann. Es müssen Bomben gezündet werden. Nach erstem, hartem Schlucken verfliegt aber auch hier der Trübsinn schnell, weil die Umstände alle so bitterböse, so rabenschwarz dargestellt werden, dass man einfach nur lachen muss. Das erinnert an die Szene in Ein Fisch namens Wanda, wo die Steine auf den kleinen Hund der alten Frau fallen. Eigentlich gar nicht komisch, aber dennoch so überhöht, dass es nur noch zum Brüllen komisch ist.

Omar ist wohl der Einzige, der wirklich an den Heiligen Krieg glaubt. Waj ist so dumm, der wird ständig gehirngewaschen — vornehmlich von seinem besten Kumpel Omar. Barry ist nur durchgeknallt. Der will bomben, kaputt machen, zerstören, Schweinerein mit seinen "Terrorzellengenossen" machen. Ihn kann man nicht ernst nehmen. Ein verrückter Haufen, der auf der einen Seite amüsiert, auf der anderen Seite zeigt, wie dämlich dieses ganze Märtyrertum ist. Fessal wird zum Märtyrer weil er ein Schaf in die Luft sprengt. ... — Äh. Ja.

Lassen wir all die politischen Interpretationen mal aussen vor. Einfach für 97 Minuten vergessen. Setzt Euch hin und lasst Euch Eure Lachmuskeln massieren. Eine schwarze Komödie, wie sie nieeemals ein Deutscher hätte machen können. So was kann eigentlich nur von der Insel kommen. Nur die Briten haben den frechen Humor, der nicht alles ernst nimmt. Danke dafür. Den schaut man sich auch gerne nochmal an.

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