Filmplakat Flucht ins 23. Jahrhundert
6,5/10

„Ihre Falten im Gesicht - tun die weh?“ (Flucht ins 23. Jahrhundert, 1976)


Flucht ins 23. Jahrhundert

Besprechung

Die Menschen haben die Erde in einem Krieg verseucht, verstrahlt, unbewohnbar gemacht. Die Überlebenden haben sich in einen riesigen überdachten Bereich zurückgezogen. Auf dieser begrenzten Fläche können auch nur begrenzt viele Leute leben. Daher geht jeder mit 30 am Tag der Erneuerung in das Karussell, wo er in den Kreislauf der Wiedergeburt eingefügt wird. Das Leben endet.

Nicht jeder ist mit diesem Arrangement zufrieden, einige Endzwanziger wollen dem Prozess entgehen. Diese Leute nennt man Läufer. Sie werden von einer Art Polizei, den Sandmännern, gejagt und schließlich eliminiert. Logan 5 (Michael York) ist ein guter Sandmann, ebenso sein Kumpel Francis 7 (Richard Jordan). Eines Tages entdeckt Logan bei einem eliminierten Läufer einen seltsamen Anhänger, ein Ankh. Dieses Symbol findet er eines Abends auch an Jessica 6 (Jenny Akuter), die bei Logan aus dem Liebeslift aussteigt.

Logan wird die Tage zum Hauptcomputer gerufen. Dieser erteilt Logan eine neue Aufgabe: Der Sandmann soll diese konspirative Gruppe um das Ankh ausfindig machen und auslöschen. Die Gruppe gefährdet die Ordnung der Gesellschaft. Logans Lebensuhr wird künstlich vorgedreht, so dass er sich an Jenny und ihre Leute ranhängen kann. Diese sind der Meinung, es gäbe “da draußen” noch ein Refugium, wo es auch auch alte Menschen gäbe. Logan ist skeptisch – und auf der Flucht. Sein Kumpel Francis macht Jagd auf ihn.

Meinung von

Die 1970er waren eine düstere Zeit. SciFi stand hoch im Kurs – das war gut –, aber man zeichnete doch immer öfter Dystopien. Allen voran natürlich Soylent Green, aber auch die Reihe um den Planet der Affen oder Der Omega-Mann (alle mit Charlton Heston … seltsam). Flucht ins 23. Jahrhundert (oder wie ich ihn eigentlich nur kenne: Logan’s Run ) ist hier keine Ausnahme. Vielleicht ein bisschen. Die Menschheit hat es wieder einmal geschafft und sich mehr oder weniger selber vernichtet. Damals war die Angst vor der Atombombe enorm.

Der Film selber ist recht billig gemacht. Michael Yorks Karriere war gerade mal vor drei Jahren so richtig durchgestartet, als er in Die drei Musketiere den D'Artagnan gespielt hatte, gefolgt von Mord im Orient Express. Nun ein großer SciFi-Streifen nach dem ersten Roman aus der Logan-Reihe, geschrieben von William F. Nolan. Der Film unterscheidet sich in einigen Punkten vom Buch, das verbuchen wir mal unter künstlerischer Freiheit. Das Grundkonzept war geblieben. So ist im Buch das finale Alter runtergesetzt und Francis ist eigentlich ein Netter, nicht der verblendete Sandmann, wie im Film.

Die Kulissen sind "nett", man sieht aber vor allem bei den "Luftaufnahmen" der Stadt unter der Kuppel, dass hier Spielzeug-Modelle benutzt wurden. Und lasst mich erst gar nicht davon anfangen, wie schlecht die "Box" ist, der Wächter, der die Läufer davon abhält, in die freie Welt zu gelangen. Oh mein Gott …

Das Ende ist komplett abweichend vom Buch. Im Film geht es darum, außerhalb der Kuppel Leben zu finden, vor allem altes Leben. Logan und Jessica finden den alten Mann (Peter Usitinov), der in einem verwaisten Washington mit unzähligen Katzen lebt. Er ist der Beweis, dass das Leben unter der Kuppel nicht sein muss. Ein wenig erinnert die Szenerie im verfallenen und mit Pflanzen überwucherten Washington an die Enthüllung der Erde in Planet der Affen. Nur, dass in Logan’s Run keiner anklagend rumbrüllt.

Der Film dreht das Thema wie auch bei anderen dystopischen Filmen auch, dahin, dass die Menschen mit ihren Kriegen selber ins Verderben steuern. Während man künstlich eine Gesellschaft aufbaut, die aufgrund von beschränkten Ressourcen jung gehalten werden muss, hat sich das Leben "da draußen" selbstreguliert und man könnte eigentlich normal leben. Stattdessen werden Menschen in einer Art kultischen Vorgehensweise mit 30 geopfert. Klar, dass da nicht jeder mitspielen will.

Die britische Schauspielerin Agutter wurde mit Flucht ins 23. Jahrhundert nicht nur einem internationalen Publikum bekannt, sondern auch zu einer Art Sexsymbol (zumindest für die Briten). Der große Peter Ustinov spielt hier einen ziemlich albernen, wirren Mann. Vielleicht lag das aber auch nur an der Synchronisation … Das Ende, wenn die Kuppel nicht mehr funktioniert und die jungen Menschen zum ersten Mal seit unzähligen Jahren einen alten Menschen treffen, ist dann doch recht abrupt und konstruiert.

Flucht ins 23. Jahrhundert muss man – heutzutage – nicht unbedingt gesehen haben. Nur, wenn man sein Film-Repertoir vervollständigen will, lohnt sich der Film. Da ist noch ein halber Sympathie-Moviejunkie-Punkt oben drauf.

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