Filmplakat Dracula Untold
6/10

„Ich bin, was Menschen am meisten fürchten.“ (Dracula Untold, 2014)


Dracula Untold

Besprechung

Im Jahre 1442 hat der türkische Sultan 1.000 Jungen aus den Karpaten eingefordert und sie zu seinen Soldaten ausgebildet. Der wildeste und grausamste war Vlad (Luke Evans), der als “der Pfähler” traurige Berühmtheit erlangte. Zehn Jahre hat er gekämpft und Blut vergossen, mittlerweile ist er Fürst und versucht ein guter Herrscher über sein Land zu sein. Die Vergangenheit liegt schwer auf ihm. Seine Frau Mirena (Sarah Gordon) und der gemeinsame Sohn Ingeras (Art Parkinson) sind seine große Liebe.

Als der neue Sultan, Mehmet (Dominic Cooper), nicht nur den üblichen Tribut fordert, sondern auch 1.000 Jungen, um seine Armee zu stärken, weigert sich Vlad. Um einen Krieg zu vermeiden, den Vlads Volk nur verlieren würde, geht der ehemalige Krieger einen Pakt mit einem dunklen, schauderhaften Wesen ein, das im Reißzahngebirge lebt. Vlad trinkt das Blut des Vampirs (Charles Dance) und wird ebenfalls zu einem Geschöpf der Nacht.

Vlad stehen nun ungeahnte Kräfte zur Verfügung. Der Vampir, gefangen in einer Höhle in den Bergen, erklärt Vlad, dass er die Kräfte, die er benutzen kann, um seinen Feind zu vernichten, drei Tage hat. Wenn Vlad es schafft, seinen Durst auf Blut drei Tage zu beherrschen, wird er wieder zu einem normalen Menschen. Doch der Durst wird immer größer und Mehmet rückt schon wieder mit einer neuen Armee an …

Meinung von

Universal will seine alten Horror-Klassiker wie Frankenstein, Dracula, Die Mumie, Der Unsichtbare oder Der Wolfsmensch wieder aufleben lassen. Dracula Untold ist nicht Teil dieser Reboot-Aktion, sondern eine Vorgeschichte dazu. Jeder sollte die Geschichte von Dracula kennen. Zuletzt hatte sich Francis Ford Coppola an der sehr nahe am Buch angelegten Adaption versucht. Doch wie kam es dazu, dass aus einem - zugegeben - grausamen Mann ein unsterblicher Blutsauger wurde? Coppola hat in einer Eingangssequenz einen Deutungsversuch gemacht. Dracula Untold-Regisseur Gary Shore sowie seine beiden Autoren Burk Sharpless und Matt Sazama, haben bekannte Elemente wie den „Pfähler“ aufgegriffen und auch die Liebe zu seiner Frau, die bis über den Tod hinausgehen sollte.

Der Ur-Vampir in der Höhle des Reißzahngebirges ist neu. Dieses Wesen war einst selber ein sterblicher Mensch, der aber nach Macht strebte und von einem Dämon aus der Hölle hintergangen wurde. Seit vielen, vielen Jahren ist der Vampir in der Höhle gefangen und wartet darauf, dass er einen Mann zu seinem Nachfolger machen kann. Denn nur so kann er seinem Gefängnis entkommen. (Was dann natürlich für neuen Geschichtsstoff sorgt …)

Die Tatsache, dass Vlad Frau und Kind über alles liebt, dass er alles für sie und sein Volk machen würde, kommt deutlich herüber. Luke Evans ist vielleicht etwas für das weibliche Auge, der geneigte Kinogänger wird bemerken, dass ihm jedoch der letzte Kick fehlt. Er ist nicht sonderlich charismatisch oder böse. Man kann sich nicht richtig mit diesem Vampir „verbrüdern“ (von identifizieren wollen wir mal nicht sprechen). Sarah Gordon kommt sehr blass daher und Kinder sind eh stets heikle Kandidaten im Film. Wobei der junge Art Parkinson noch halbwegs erträglich ist - nur nicht seine schlechte Frisur.

Die optischen Effekte sind anschaulich, gefallen hat die Beschwörung der Fledermäuse, die dann als Waffe eingesetzt werden. Nette Idee. Dracula Untold hat leider einige Ungereimtheiten. Da lebt ein unbekanntes Wesen in einer Berghöhle. Niemand, der reingegangen ist, ist jemals wieder rausgekommen und hätte somit etwas darüber berichten können. Dennoch wissen alle Untertanen Vlads sofort, was mit ihm passiert ist, dass er nun ein Vampir ist. Wie jetzt? Und dann der lange, lange Fall Mirenas. Aus der Höhe hätte sie unten angekommen eigentlich nur noch Matsch sein dürfen. Aber Vlad redet noch mit ihr, sie erklärt ihre Liebe und sie macht das finale Opfer für ihn. Blablabla … Ich sage Matsch!

Irgendwo las ich, dass Universal, im Bestreben Dracula Untold nicht nur „irgendeinen Dracula-Film sein zu lassen“, noch einige Szenen nachgedreht habe, um so den Anschluss an den oben erwähnten Reboot zu schaffen. Ich tippe mal darauf, dass das Ende von Dracula Untold nachgedreht wurde. Das stellt klar einen Cliffhanger dar. Mit dem Ur-Vampir Charles Dance wird diese Neuerzählung allerdings arg von der Stoker-Vorlage abweichen. Ob das gut geht?

Dracula Untold ist ganz nette Unterhaltung für einen Abend vor dem Heimkino. Man möge ihn aber bitte nicht als den angekündigten Reboot ansehen. Es handelt sich hierbei lediglich um eine Vorgeschichte. Die darf dann auch fröhlich von der altbekannten Geschichte abweichen. Soll sie sogar.

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