Filmplakat Doctor Strange
7/10

„Nur Wong? Wie Adele?“ (Doctor Strange, 2016)


Doctor Strange

Besprechung

Er ist brillant und arrogant – Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist Neurologe in New York, der nur die komplizierten Fälle annimmt, die ihm Ruhm bringen. Mit seiner Art stößt er jedem vor den Kopf. Als er einen schweren Unfall erleidet, werden seine Hände nahezu zerstört. Seiner Arbeit kann er so nicht nachgehen. Er versucht alles.

Strange landet schließlich in Kathmandu und dort in der Enklave Kamar-Taj, da er erfahren hat, dass hier einem Querschnittgelähmtem geholfen wurde. Was Strange vorfindet ist nicht das, was er erwartet hat. Der rational denkende Arzt macht Bekanntschaft mit Mordo (Chiwetel Ejiofor) und der Ältesten (Tilda Swinton). Die Älteste weist ihn in die Kunst der Magie ein. Anfangs fällt es Strange schwer, sich der Magie hinzugeben, am Ende saugt er sie auf und wird ein Meister darin.

Damit ist er gewappnet für den Kampf gegen den abtrünnigen Kaecilius (Mads Mikkelsen), der dem dunklen Dormammu dient. Kaecilius will die drei Türme der Magie auf der Erde zerstören und so den Weg für Dormammu ebnen, der aus seiner Dimension kommen soll, um ewiges Leben zu geben, so Kaecilius. Strange hat nicht nur das Auge des Agamotto – ein magisches Amulett – und einen schwebenden Umhang zur Hilfe, sondern auch seine alte Flamme Christine Palmer (Rachel McAdams), die ihm in der nicht-magischen Welt hilft – obwohl sich Strange ihr gegenüber wie der letzte Idiot benommen hat …

Meinung von

Niemals sollte man im Vorfeld etwas zu einem Film lesen oder hören. Eine Quelle sagte, Dr. Strange sei stinklangweilig, die andere meinte, der Film sei sehr unterhaltsam und Cumberbatch sei die ideale Besetzung für den hochnäsigen Arzt, so wie in Sherlock auch. So hin und hergerissen war ich eher auf der negativen Seite. Die Tatsache, dass der Film in 3D war – das alleine fucking 5 Euro gekostet hat, wozu ich nur sagen kann: Ihr habt doch einen Arsch offen! – brachte die Stimmung ebenfalls runter. Aber na gut, lassen wir uns auf den Film ein.

Wie bei allen "ersten Teilen" im Marvel Universum, ist auch Dr. Strange eine Origin-Story, zeigt also die Entstehung der Figur. Zunächst haben wir den genialen, wenn auch unangenehmen Arzt Strange. Durch einen Schicksalsschlag wird er verkrüppelt und sucht eine Lösung, damit er wieder der Alte werden kann. Christine Palmer meint noch, dass er auch anders helfen könne, dass der Unfall ein Neuanfang für ihn sein könnte. Und sie sollte Recht behalten. Wir sehen die Verwandlung Stranges in den Magier. Durch harte Arbeit eignet er sich die Zauberkunst an, kann nun auf andere Dimensionen zurückgreifen und sich hier unsagbarer Kräfte bedienen.

Das hat Regisseur Scott Derrickson, der sich bisher eher durch Horrorfilme hervorgetan hat, sehr ordentlich gemacht. Man sieht wie aus dem Arzt der Magier wird. Als es zu einem großen Kampf mit Kaecilius kommt, tötet er einen der Anhänger des Abtrünnigen. Als die Älteste ihn noch beglückwünscht, sehen wir den neuen Dr. Strange vor uns. Er ist magisch begabt, deswegen ist er aber kein Meister. Er ist und bleibt Doktor. Als solcher hat er einen Eid geschworen, Leben zu beschützen und nicht zu nehmen. Damit gerät er in einen Gewissenskonflikt. Er weiß, dass er nun Teil der Magier-Gilde ist, die die Erde vor dunklen und bösen Mächten aus dieser und anderen Dimensionen beschützen soll. Dazu muss man auch kämpfen und im schlimmsten Fall auch töten. Nur will er das nicht. Hier steckt nicht Potenzial drin.

Cumberbatch ist, wie wir es aus der TV-Sendung Sherlock kennen, prädestiniert für hochnäsige, abweisende, Charakter. Somit eine ideale Besetzung für Dr. Strange. Dabei wird er nicht nur als unangenehmer Zeitgenosse dargestellt. Derrickson lässt Strange dank trockenem und flapsigen Humor menschlich scheinen. Ein wenig erinnert das an Tony Stark, also Iron Man. Auch der ist genial und überheblich.

Noch einmal: 5 Euro für 3D ist eine absolute Frechheit! Dr. Strange lebt zwar davon (manchmal ist das wie Inception auf Speed), aber wirklich brauchen tut man es nicht. Es gibt sogar einige Szenen, da wird einem davon schlecht. Wenn die Astralprojektionen von Strange und der Ältesten über New York schauen und sich unterhalten, steht die Zeit still, Schnee steht in der Luft, die Kamera bewegt sich – mir wurde übel. Meine Augen gingen in Kreuzmodus, was sehr unangenehm ist. Ein Auge musste ich schließen. Dafür gebe ich dann 5 Euro extra aus?

Mordo ist wohl im Comic ein eher platter Charakter, hier sehen wir ihn als den Fürsprecher für Strange. Am Ende – bitte sitzen bleiben, bis auch die zweite Post-Credit-Szene durch ist – sehen wir ihn dann gewandelt und bekommen Lust mehr zu sehen. Das wird im kommenden – bereits angekündigten – nächsten Teil wohl Dreh- und Angelpunkt. Man kann gespannt sein.

Etwas lahm war der Oberbösewicht Dormammu, den wir vor dem Ende auch sehen. Wie soll man so eine Entität darstellen? Man entschied sich für einen riesigen, im dunklen Universum herumschwebenden Kopf. Das ist immer heikel mit solchen Entitäten – siehe Fantastic Four — Rise of the Silver Surfer oder der unsägliche Thor erinnert, als an z.B. Captain America — The First Avenger, der der bessere Film ist.

Die Kontroverse, wieso Marvel dahingegangen ist und "The Ancient One" von einem asiatischen Mann in eine weiße Frau geändert hat … darauf gehe ich mal nicht ein. Die Filmindustrie macht seltsame Dinge mit den Geschlechtern, den Ethnien und den sexuellen Ausrichtung der Figuren – das nervt so sehr, da mag ich schon gar nicht mehr drüber reden. Es wird sehr viel Political-Correctness-Washing, White-Washing oder Non-White-Washing betrieben, das ist schon nicht mehr feierlich.

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