Filmplakat Dirty Cops
8,5/10

„I knew your last word would be 'shit'.“ (Dirty Cops, 2016)


Dirty Cops

Besprechung

Die beiden überaus korrupten Polizisten Terry Monroe (Alexander Skarsgård) und Bob Bolaño (Michael Peña) kommen bei ihren Ermittlungen einer Sache auf die Spur, die immer größer wird. Ihr Informant Reggie (Malcom Barrett) zwitschert ihnen etwas von einem Raub und sie ermitteln.

Terry und Bob müssen sich nur beeilen, da ihre doch recht unkonventionelle Art und Weise etwas zu untersuchen schon zu einer Suspension auf Zeit geführt hat. Nun steht ihnen ihr Boss, Lt. Gerry Stanton (Paul Reiser) mit dem Schuh im Genick. Sie dürfen sich keine Schnitzer mehr leisten – was den beiden Kollegen schwer fällt. Sie ticken nun mal anders, als andere Cops und gehen weiter hart vor, wobei sie stets einen dummen Spruch auf den Lippen haben.

Lord James Mangan (Theo James) hat so einigen Dreck am Stecken. Er lässt einen Coup über die Bühne gehen, bei dem er viel Geld einstreicht – und seine Handlanger allesamt über die Klinge springen lässt. Bei den schrägen Geschäften hilft ihm der Striplokal-Betreiber Birdwell (Caleb Landry Jones), doch der letzte Überfall ging auf die Kappe eines Anderen – den Terry und Bob bis ans andere Ende der Welt verfolgen. Weil: Warum nicht? Reisen ist toll.

Meinung von

Der britische Regisseur John Michael McDonagh hat schon mit Filmen wie The Guard oder Am Sonntag bist du tot gezeigt, dass er seltsame Gesellen und kaputte Typen mag, die seine Helden in skurrilen Geschichten darstellen. War on Everyone ist so ein abgefuckter Film. Nun nicht mehr auf der Insel angesiedelt, sondern in New Mexiko, sehen wir Bob und Terry, wie sie sich als Cops über jede Regel hinwegsetzen, immer erst zuschlagen, dann fragen, die Beweismittel wegkoksen und sich von jedem Kriminellen schmieren lassen. Die beiden Kerle sind so verrückt – die muss man einfach lieben.

Skarsgård spielt einen einsamen Polizisten, der in seinem riesigen Haus wohnt und zu viel Alkohol trinkt. Sein Terry geht immer ein wenig vorn übergebeugt, als läge zu viel Gewicht auf seinen Schultern. Peña spielt eine wunderbare Ergänzung zu dem Terry-Charakter. Sein Bob ist Familienvater, aber nicht minder ein Schandmaul. Beide Polizisten sind furztrocken, was ihren Humor anbelangt.

War on Everyone (oder wie er dann in Deutschland heißen wird: Dirty Cops) ist zwar von Anfang an sehr komisch und man lacht viel, aber er ist auch ein wenig verwirrend. Es ist nicht das übliche Muster wie "Oh, da passiert was. Cops gehen dem Fall nach.“. War on Everyone zeigt zunächst die beiden schrägen Typen, stellt sie vor und nebenbei entwickelt sich der Fall. Lord Mangan selber hält sich für ein Verbrechergenie und allen überlegen. Er ist brutal und kalt. Brutal sind Terry und Bob aber auch. Pech gehabt, Lord. Langsam erst verdichtet sich die Geschichte, bis sie schließlich aufgelöst wird.

McDonagh hat also eine recht ungewöhnliche Erzählstruktur an den Tag gelegt. Er nimmt sich aber auch Zeit, die Charaktere eingehender zu beleuchten. Wir sehen nicht nur durchgeknallte Polizisten, wir sehen die Menschen dahinter. Das mag dem einen oder anderen Zuschauer langweilig vorkommen. Tatsächlich brechen diese Momente das Tempo drastisch herunter. Aber lieber so, als flache Charakter zu haben, die beinahe 100 Minuten einfach nur blöde Sprüche reißen. Terry wird genauer unter die Lupe genommen. Wir sehen sein Alkoholproblem, seine Einsamkeit. Schließlich nimmt er sich der Ex-Stripperin Jackie (Tessa Thompson) an.

Das Genre des Buddy-Films, wenn zwei Polizisten Kumpels sind, ist nicht neu und wird immer wieder versucht neu zu beleben. Da haben wir die Lethal Weapon-Reihe aus den späten 1980ern und 1990ern oder die auf Klamauk getrimmten Streifen Starsky & Hutch bzw. Die etwas anderen Corps. War on Everyone – der sogar eine kleine Referenz an Starsky & Hutch macht – ist nicht mit den vorher genannten Filmen zu vergleichen. Die Dynamik der beiden Kumpel ist hier … anders. Beide Corps sind, wie schon erwähnt, verdammt korrupt und rotzig, bzw. bissig und unverschämt in ihren Äußerungen – dabei aber immer stylisch. Wie gesagt: die Beiden muss man einfach mögen.

Ein sehr lustiger Beitrag im Rahmen des 30. Fantasy Filmfests, wenn auch fraglich, was der Film auf dem Festival zu suchen hatte. Hey, ich will mich nicht beschweren, ich hatte eine tolle Zeit und habe sehr gelacht – aber wieso Fantasy?

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