Filmplakat Die Truman Show
7,5/10

„Ach, und falls wir uns nicht mehr sehen sollten: Guten Tag, guten Abend und gute Nacht.“ (Die Truman Show, 1998)


Die Truman Show

Besprechung

Die ganze Welt hat mitbekommen, wie er geboren wurde, wie er in der kleinen Hafenstadt Seahaven aufwuchs und noch heute, 30 Jahre nach dem Start der TV-Sendung schaut die ganze Welt Truman Burbank (Jim Carrey) zu. Truman weiß nicht, dass er Teil einer Fernsehshow ist. Für ihn alles ganz normal. Nur sind alle Menschen um ihn herum Schauspieler, die Handlung wird vom Erfinder und Regisseur Christof (Ed Harris) geleitet. Truman ist mit der Krankenschwester Meryl (Laura Linney) verheiratet.

Eines Tages fällt dem liebenswerten Truman ein Studioscheinwerfer beinahe auf die Füße. Das weckt seine Neugier. Immer mehr kleine Pannen schleichen sich ein, so dass Truman von tag zu Tag misstrauischer wird. Die Regie sorgt zwar immer dafür, dass alles irgendwie noch halbwegs gefixt wird, aber Truman ist auf der Hut. Er hat das Gefühl in einer großen Konspiration zu stecken.

Auch sein bester Kumpel Marlon (Noah Emmerich) steckt natürlich in der Sache drin. Doch dem vertraut Truman — noch. Truman wird neben den Ungereimtheiten auch von Personen aus der Vergangenheit heimgesucht. Plötzlich steht sein vor Jahren verstorbener Vater (Brian Delate) vor ihm. Diesmal als Landstreicher verkleidet. Der Tod des Vaters bei einem Segelausflug war der Auslöser für das Trauma, das Truman hat, weshalb er nicht von der Insel runterkommt. Dabei würde er gerne auf die Fidschi-Inseln, denn dort wähnt er seine wirklich Jugendliebe Lauren (Natascha McElhone), die “rausgeschrieben” wurde, nachdem sie ihm damals mitteilen wollte, dass Truman nur in einer TV-Show lebt.

Meinung von

Ende der 1990er waren Reality-Shows ganz groß. Keine Ahnung, wie groß die 20 Jahre später sind, aber damals sind alle schön verdummt, weil sie sich diesen Müll angesehen haben. Da kam Die Truman Show genau richtig. In dem Film von Regisseur Peter Weir wird dieses "Genre" knallhart auf den Prüfstand gestellt. Ein Fernsehsender hat legal ein Kind adoptiert. Truman ist Eigentum des Senders. Christof ist der Schöpfer der Sendung, die seit 30 Jahren die Menschen an den Fernseher fesselt. Anstatt sich um das eigene Leben zu kümmern, schauen sie lieber einer fremden Person zu. Das ist wie bei den echten Reality-Shows auch.

Christof ist aber nicht nur Erfinder, er leitet die Sendung wie eine Mischung aus Künstler und Gott. Er sitzt im weltgrößten TV-Studio im künstlichen Mond und beobachtet seine Kreation: Truman. Am Ende spricht er auch per Lautsprecher zu Truman – wie die Stimme Gottes aus dem Off. Christof ist im Grunde größenwahnsinnig.

Truman ist ein netter Geselle. Er arbeitet in einer Versicherung. Sein Leben wird gelenkt. So hat er zwar Sehnsucht zu verreisen, aber auch enorme Angst davor. Das liegt daran, weil im Radio oder an Plakatwänden immer angepriesen wird, wie gefährlich das Reisen doch ist. Das Angst vor dem Wasser haben die Fernsehleute ihm auch eingepflanzt.

Als nun seine heile Welt anfängt zu zerbröckeln, scheint er an seinem Verstand zu zweifeln. Am Ende setzt Ers ich jedoch über alle hinweg, selbst über seine Ängste, und nimmt sein Leben in die eigenen Hände. Das ist interessant zu sehen. Wir als Zuschauer beobachten wie Truman beobachtet wird. Wir sehen, dass das, was da mit dem Jungen gemacht wurde, im Grunde eine Art von Gefängnis ist. Ein riesiges Experiment, für das die Leute Einschaltquoten produzieren. Alles in der TV-Show ist aus einem großen Katalog käuflich. Überall findet Productplacement statt – was zum Beispiel in einer Krisensituation extrem seltsam anmutet, wenn Laura auf einmal davon schwärmt den besten Kakao zu trinken.

Damit die Menschen alles von Truman sehen können, sind überall Kameras installiert. Laut Christof sind etwa 5000 Kameras – groß, klein, sehr klein – im Einsatz. Die totale Überwachung. Als Truman am Ende seinen Abschied nimmt, ist das für ihn gut und wir sind erleichtert. Warum allerdings die Zuschauer im Film sich über die gewonnene Freiheit von Truman freuen, bleibt mir ein Rätsel. Ihnen wird doch der Lebensinhalt gekommen. Auch sie waren Sklaven des Senders. Am besten erklären das die beiden Sicherheitsbeamten, die auf das krisselige Fernsehbild schauen und sich sofort die Frage stellen, was denn noch so läuft. Auch wenn die Menschen Truman auf Schritt und Tritt begleitet haben, ist es doch nur ein Wegwerfprodukt. Ist die Sendung weg, suchen wir uns eine neue. Nur wenige Leute sehen, was Die Truman Show für eine Ausbeutung eines Menschenlebens ist. Laura ist so eine.

Die Truman Show ist eine gut gemachte, lustige Kritik an den Realityshows. Jim Carrey spielt zurückhaltend, ist er doch sonst eher der Grimassenschneider.

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