Filmplakat Die Tribute von Panem – Catching Fire
8/10

„Säen sie Furcht. Mehr Furcht!“ (Die Tribute von Panem – Catching Fire, 2013)


Die Tribute von Panem – Catching Fire

Besprechung

Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) werden, nachdem sie die 74. Hungerspiele gemeinsam gewonnen haben, knallhart als größtes Liebespaar vermarktet. Zusammen reisen sie durch alle zwölf Distrikte und müssen schauspielern, um das gemeine Volk zu unterhalten — und damit abzulenken. Katniss bemerkt jedoch grausame Vorgänge in den armen Distrikten. Gewalt gegen das Volk, das dank Katniss’ mutigem Handeln bei den Hungerspielen Hoffnung auf ein besseres Leben geschöpft hat.

Präsident Snow (Donald Sutherland) ist die widerspenstige junge Frau ein Dorn im Auge. Er will sie auf jeden Fall vernichten. Dazu ruft er in diesem Jahr eine ganz besondere Art der Hungerspiele aus: diesmal werden die Teilnehmer aus den Gewinnern vergangener Hungerspiele gelost. In Distrikt 12 ist Katniss die einzige weibliche Überlebende … Die Spiele sind also ein Himmelfahrtskommando. Snow will sich aller ehemaligen Sieger der Hungerspiele entledigen. Er befürchtet Unruhen, die von Katniss und “ihrer Spezies” ausgeht. So Unrecht hat er damit nicht.

Die Spiele finden diesmal in einer tropischen Umgebung statt. Als neuen Spielmacher hat Snow den durchtriebenen und sadistischen Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) eingestellt. Dessen Ideen für die Spielumgebung ist wahrlich grausam und erbarmungslos.

Katniss und Peeta versuchen schnell Verbündete unter den Teilnehmern zu finden. Zu Katniss’ Überraschung ist der egoistische Finnick Odair (Sam Claflin) auf ihrer Seite. Und auch andere der Teilnehmer wollen sich zunächst mit der Bogenschützin verbünden, u.a. die aus dem Holzfäller-Distrikt stammende Johanna Mason (Jena Malone). Das macht das Überleben jedoch nicht einfacher. Der Dschungel birgt unzählige Gefahren.

Meinung von

Was auf den ersten Blick wie ein Film für Teenager aussieht – mit Schwerpunkt auf Herz-Schmerz (junge Frau muss sich zwischen ihrer Jugendliebe Gale (Liam Hemsworth) und dem Freund Peeta entscheiden – entpuppt sich doch als durchaus spannender Film. Ja, das Liebesding ist Bestandteil der Geschichte, im Vordergrund steht jedoch die korrupte, menschenverachtende Haltung der Regierung gegenüber den Distrikten und der Kampf von Katniss gegen Snow. Während des Films kam mir bei den Szenen im Dschungel oft der Gedanke Was für eine kranke Scheiße!. Gut — aber eben auch krank.

Oscar-Gewinnerin Jennifer Lawrence spielt ihre Katniss ziemlich lethargisch. Immer ruhig, traurig, wenn es darauf ankommt aber auch kämpferisch, schnippisch und dann wieder verletzlich. Dass Katniss bei den Spielen im Vorjahr einen Mitstreiter hat töten müssen, verfolgt sie noch in Tag- und Nachtträumen. Hinzu kommt, dass sie die liebende Gewinnerin spielen muss, die im ständigen Kampf mit Snow steht. Sie muss ihm verkaufen, dass sie in Peeta verliebt ist, obwohl sie es nicht ist und Snow ihr das Schauspiel vor den Kameras auch nicht abnimmt.

Sutherlands Figur des Snow ist kalt bis ins Mark. Ihm ist nur die Aufrechterhaltung der Gesellschaftsverhältnisse wichtig. Dass die Menschen in den Distrikten außerhalb des Kapitols hungern — egal. Er merkt, dass das Volk langsam aufwacht und -begehrt. Katniss' Handeln bei den letzten Hungerspielen gibt den Menschen Hoffnung, dass sich doch noch etwas ändern lässt. Eine große Gefahr für Snow und seine satten Gesellen.

Nachdem sich der Spielemacher Seneca Crane (Wes Bentley) am Ende von Die Tribute von Panem - The Hunger Games dazu entschied das Atmen aufzugeben, hat Snow mit Heavensbee einen neuen Meister der teuflischen Spiele. Philip Seymour Hoffman bleibt ruhig, etwas blass, aber man merkt schnell wie viel Grausamkeit hinter seiner Fassade steckt. Was er sich für die Spiele ausgedacht ist schrecklich.

Wenn es dann endlich losgeht mit den Spielen gibt es eine Überraschung nach der anderen. Man muss also zunächst etwas Geduld aufbringen. Vielleicht hätte man den Streifen aber auch einfach an einigen Stellen kürzen können.

Während mir Elizabeth Banks im ersten Teil in ihrer Rolle als Effie Trinket nicht gefiel, wird die Figur in Die Tribute von Panem - Catching Fire sympathischer. Ich wunderte mich schon, warum so viele junge Frauen als Effie verkleidet auf Conventions herumlaufen — nun weiß ich, dass sich der Charakter in den Büchern verändert und sich einige damit entsprechend gerne identifizieren.

Eine gelungene Fortsetzung des beliebten Jugendbuches. Nur der Cliffhanger am Ende des 146-Minuten-Streifens (plus 15 Minuten Pause zwischendrin) — der ist ätzend. Wir saßen da im Dunkeln und waren extrem enttäuscht. Die Handlung wird gerade nach einer Wendung auf die Spitze getrieben ... da kommt der Abspann. WTF? Die Geschichte geht jetzt erst richtig los!

hoch