Filmplakat Die Schöne und das Biest
6/10

„Kann man glücklich sein, wenn man nicht frei ist?“ (Die Schöne und das Biest, 2017)


Die Schöne und das Biest

Besprechung

Vor langer Zeit in Frankreich, da war ein junger, überaus verwöhnter Prinz (Dan Stevens). Weil er eine alte Frau, die um Unterschlupf bat, abwies, wurde der Prinz, der sich nur mit schönen Menschen umgeben wollte, verflucht. Er wurde in eine Bestie verwandelt, die Gefolge in diverse Gebrauchsgegenstände. Sein Schloss wurde in einen ewigen Winter gehüllt und die Menschen vergaßen den Prinzen. Erst wenn ein Mensch daherkäme, der das Biest nicht wegen seines Äußeren, sondern wegen seiner inneren Werte liebte, würde der Bann aufgehoben werden. Das muss jedoch passieren, bevor eine bestimmte Rose ihr letztes Blütenblatt verliert.

Im kleinen Dörfchen Villeneuve lebt die junge Belle (Emma Watson) mit ihrem Vater Maurice (Kevin Kline). Die Dorfbewohner finden Belle sonderbar, da sie viel liest und auch Dinge erfindet. Der galante Gaston (Luke Evans), ein Haudrauf wie er im Buche steht, wirbt um Belles Hand. Doch so gutaussehend Gaston auch sein mag, so dumm und von sich selbst eingenommen ist er. So einen könnte Belle niemals lieben.

Als Maurice unterwegs vom Weg abkommt und von Wölfen gejagt wird, landet er unverhofft im Schloss des Biests. Nachdem die sprechenden Gegenstände ihn erschreckt haben, flieht er, nimmt aber noch eine Rose für seine Tochter mit. Das Biest sieht Maurice als Dieb an und hält ihn gefangen. Belle nimmt später seine Stelle ein und als Gefangene des Biests lernt sie den Mann hinter dem tierischen Wesen kennen – und lieben.

Meinung von

Das französische Volksmärchen um die Schöne und das Biest wurde schon viele Male verfilmt. Entweder für die große Leinwand oder für die Mattscheibe als TV-Serie. Disney nahm sich des Stoffes 1991 an und setzte die Geschichte als Zeichentrickfilm um. Damals sah ich ihn im Grindel (†) und war fasziniert und angewidert zugleich von der Ballszene, da sie aus dem Computer zu stammen schien. So war das damals ...

Die Live-Action-Verfilmung Die Schöne und das Biest mit Emma Watson in der Hauptrolle, hat natürlich – 16 Jahre später – extrem viel CGI an Bord. Und natürlich effing 3D. Wie es typisch für die alten Disney-Filme war, wird in der Neuverfilmung auch viel gesungen. Belle trällert davon, dass sie das kleingeistige Dorf einengen würde. Gaston schwärmt singend von sich selber. Meine Begleitung – die mich mehr oder weniger gezwungen hat, in den Film zu gehen – meinte noch beschwichtigend da wird nur die erste halbe Stunde gesungen, was so nicht stimmt. Es wird den gesamten Film über gesungen, anfangs nur mehr.

Der Gesang war auch das, was am meisten gestört hat bei Die Schöne und das Biest. Nicht weil gesungen wurde, sondern die deutsche Synchronisation. Das war nichts für meine Ohren, am schlimmsten war aber, dass das Gesungene überhaupt nicht zu den Lippenbewegungen der Schauspieler passte. Das klappte beim gesprochenen Wort gut, doch sobald gesungen wurde, waren Gesang und Lippen überhaupt nicht mehr im Einklang. Ich konnte nicht mehr hinschauen. Im Original ist das mit dem Gesang nicht so schlimm. Die Lieder sind übrigens fast identisch mit denen aus dem Zeichentrickfilm.

Belle ist belesen, schlau und unerschrocken. Das sehen wir und das bekommen wir so gesagt. Dennoch bleibt sie etwas blass. Alle Figuren bleiben unscheinbar. Am ausdrucksstärksten ist noch Luke Evans als selbstverliebter und schurkischer Gaston. Das macht er gut. Davon abgesehen sind selbst der Kerzenleuchter Lumìere (Ewan McGregor) und die nörgelnde Uhr von Unruh (Ian McKellen) noch interessanter als Belle. Und die Gegenstände stammen aus dem Computer.

Eine Sache, die beim Schauen von Die Schöne und das Biest auffiel und störte ist, dass Zeit sehr unterschiedlich zu ticken scheint, je nachdem wo man ist. Mal reitet Belle ganz schnell vom Dorf ins Schloss, dann reisen Gaston und sein Gehilfe LeFou (Josh Gad) scheinbar mehrere Tage, um dorthin zu gelangen. Irgendwas passte da nicht.

Die Schöne und das Biest ist ein typischer Disney-Streifen. Ich war ja froh, als sich Disney bei Verwünscht über sich selber lustig gemacht hatte und das Singen verpönte. Nun hatte aber die 1991er-Version von Die Schöne und das Biest ein Oscar-preisgekröntes Lied an Bord, das musste natürlich auch in der Neuverfilmung untergebracht werden. Und dann einfach auch den Rest dazu. Na schön. Das Ganze ist zuckersüß umgesetzt. Wenn Belle und das Biest die berühmte Tanzszene im Ballsaal haben, sehen wir kleine Harfen an den Wänden das Pärchen begleiten. Okay, ist ein Märchen, es geht um Liebe. Ich hab’s verstanden. Was ich nicht verstanden habe ist, warum man bei Belle andauernd die Unterhose sehen oder warum LeFou homosexuell sein musste. Kaum hatte das Biest Belle seine Bibliothek gezeigt, war sie Feuer und Flamme. So schien es zumindest. Das ging mir zu leicht.

Den Film sahen wir im UCI Mundsburg, in der Kindervorstellung. Die war nämlich in 2D. Mit 12 Euro war der Streifen dennoch viel zu teuer. Neben uns eine Gruppe von drei kleinen Mädchen – die gingen richtig mit. Als Gaston mit dem Biest kämpft und die Bestie anschießt, hat die Jüngste beinahe einen Herzinfarkt bekommen. Emotionen kann der Film also wohl auslösen. Ich war nur nicht die richtige Zielgruppe.

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