Filmplakat Die phantastische Reise
6/10

„Besitzt das U-Boot einen Schnorchel?“ (Die phantastische Reise, 1966)


Die phantastische Reise

Besprechung

Die Amerikaner können ganze Armeen auf mikroskopisch kleines Niveau schrumpfen lassen. Die Russen auch. Beide haben das Problem, dass der Miniaturisierungsprozess nur eine Stunde vorhält. Doch der Wissenschaftler Jan Benes (Jean Del Val) kennt das Geheimnis, diesen Zustand zu stabilisieren. Die Amis holen ihn zu sich. Es kommt zu einem Attentatversuch der Gegenseite und der Wissenschaftler erleidet einen Thrombus im Hirn. Das können die besten Chirurgen nicht operieren. Nicht von außen …

Der Sicherheitsbeamte Grant (Stephen Boyd) wird dazu geholt, er soll eine Mission begleiten. Ein U-Boot wird mikroskopisch klein geschrumpft und dem Wissenschaftler in den Blutkreislauf gespritzt. Mit einem Laser will Dr. Duval (Arthur Kennedy) den Blutpfropfen beim im Koma liegenden Wissenschaftler entfernen. Mit dabei sind seine Assistentin Cora (Raquel Welch) und der Missionsleiter Dr. Michaels (Donald Pleasence). Am Steuer des Mini-U-Boots hockt der Marine-Kapitän Bill Owens (William Redfield).

Grant soll die Truppe begleiten, weil das Militär den Verdacht hat, dass einer der Passagiere die Mission sabotieren könnte, um so zu verhindern, dass die Amis an das Geheimnis im Kopf von Benes gelangen. Es beginnt eine phantastische Reise voller Probleme. Die Crew hat nur eine Stunde Zeit, dann werden sie wieder größer.

Meinung von

Unter dem Meer war man schon, im Weltall auch. Die Fantasy-Branche brauchte mal etwas frisches, also hat 20.000 Meilen unter dem Meer-Regisseur Richard Fleischer seine Protagonisten in ein neues Universum geschickt: ins Innere des Menschen selbst. Die Geschichte wieso und weshalb die Leute miniaturisiert werden: Humbug. Die Handlung: mager. Der Bösewicht: schnell ausgemacht. Wieso es die weibliche Rolle braucht: keine Ahnung. Isaac Asimov sollte das Drehbuch schreiben, fand die Geschichte jedoch vollgestopft mit Handlungslöchern, so dass er die Geschichte neu schreiben wollte. Aber das hätte zu viel Zeit gekostet. Trotz all dieser Missstände hat der Film aber dennoch zwei Oscar gewonnen. Man mag es nicht glauben.

1966 mag der Film toll gewesen sein, Moviejunkie Thorsten hatte den auch mal als kleiner Junge gesehen und da muss Die phantastische Reise einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Schaut man ihn sich heutzutage an, ist das ein extrem schlechter Film. Extrem. Dennoch kann man sich — weil er so mies ist — köstlich amüsieren. Den Streifen sahen wir im Rahmen von Flexibles Flimmern, wo das gesamte Publikum prächtig gelacht hat.

100 Minuten dauert der Streifen, die 60 Minuten, die der Miniaturisierungseffekt anhält, sind dann auch in Echtheit gehalten. Eine satte Stunde gurkt das U-Boot namens Proteus durch den Körper, vorbei an einer Menge seltsam anmutenden Blutkörperchen, u.a. blauen oder komischen Antikörpern. Die Zeit zieht sich für den Zuschauer manchmal extrem hin. Wie lange brauchen die bloß, um die "netzartigen Zellen" vom U-Boot zu entfernen??

In Ermangelung an "Feinden", so viele Kraken gibt es nicht im Körper eines Menschen, muss die Reise selber gefährlich gestaltet werden. Durch eine Fistel kommt die Crew von ihrem Kurs ab. Also müssen sie einen Umweg gehen, u.a. durch das Herz und das Innenohr. So wirklich spannend ist das alles nicht, aber farbenfroh und "bemüht".

Was ein echter Film aus der Ära ist, der weiß auch nichts von Sexismus. So gibt es diese eine Szene, wo die Wissenschaftsassistentin Cora gerade im Labor steht und den hochkomplizierten Präzisionslaser überprüft, als der "Held" (tatsächlich gibt es in dem Film keinen echten Helden oder eine Hauptfigur) Grant reinkommt. Sein Einstiegssatz: Sie müssen eine gute Hausfrau sein. Bamm! So machte man das wohl damals. Gruselig … Auch die Szene, als Raquel Welch von Antikörpern befallen wurde und die Herren diese von ihr abbekommen wollen. Was für ein fröhliches Gegrabsche nach ihren Brüsten! Man liest, dass beim ersten Take niemand nach den Brüsten griff, dann Regisseur Fleischer darauf hinwies, dass das so nicht ginge. Also haben alle nur noch nach den Brüsten gegriffen. Das war auch zu viel, weshalb Fleischer choreografieren musste, wer wann wohin fasst.

Wer B-Movies mag, der kann sich Die phantastische Reise gerne anschauen. Wie gesagt: Hat immerhin zwei Oscars gewonnen! Die sechs Moviejunkie-Punkte kommen daher: Eigentlich muss der Film drei Punkte bekommen, aber wegen des großen — ungewollten — Lachfaktors lege ich noch einmal drei Punkte oben drauf.

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