Filmplakat Die Peanuts – Der Film
7,5/10

„Mögen sie mich so wie ich bin oder wie sie glauben wie ich bin?“ (Die Peanuts – Der Film, 2015)


Die Peanuts – Der Film

Besprechung

Für Charlie Brown ist jeder Tag eine Herausforderung. Irgendwie will ihm nichts gelingen. Seine große Herausforderung einen Drachen stiegen zu lassen – ein Fehlschlag. Auch im Baseball scheitert er immer wieder. Viele seiner Freunde halten ihn für einen Sonderling. Charlie selber hat auch keine hohe Meinung von sich selbst. Sein Eigenbild, sein Weltbild, werden auf die Probe gestellt, als eines Tages ein kleines, rothaariges Mädchen in der Klasse auftaucht. Wie kann sich Charlie der Liebe seines Lebens annähern?

Eines Tages ist mal wieder ein Test in der Schule angesagt – und Charlie schafft tatsächlich 100 Punkte. Noch nie hat das ein Schüler geschafft. Plötzlich sehen seine Mitschüler Charlie in einem völlig anderen Licht.

Während Charlie mit seinen Gefühlen zu kämpfen hat, geht sein treuer Hund Snoopy in einen ganz anderen Kampf. Nachdem der aufgeweckte und verrückte Hund es nicht in die Schule geschafft hat, findet er eine Schreibmaschine. Auf dieser schreibt er eine wilde Geschichte von sich selber, wie er im ersten Weltkrieg gegen den Roten Baron kämpft und dabei seine angebetete Fifi retten will.

Meinung von

Dafür werde ich vermutlich wieder mit schrägen Blicken gestraft – aber ich war ja nie ein großer Peanuts-Freund. Charlie Brown ist ein Loser, Lucy gemein und auch der Rest der Crew ist sehr seltsam. Snoopy ist vielleicht noch ganz nett, das aber auch nur, weil ich Hunde-Mensch bin. Mit Garfield auf der anderen Seite kann ich nichts anfangen. Blöde Katzen. Aber ich drifte ab ...

Wahrscheinlich haben sich alle Freunde der Peanuts vor diesem Film gefürchtet. Die Geschichten um Charlie Brown und seine Freunde stammen bekanntlich aus der Feder von Charles M. Schulz. Geschaffen hat er sie 1950 (ja, davor waren es die Li'l Folks) und die Welt liebt die Cartoons. Die Menschen können sich in den Figuren alle wiederfinden. Die Figuren sind voller Schwächen, aber auch voller Hoffnung und Träume. Das spricht die Menschen an.

Das gelbe Shirt von Charlie Brown mit dem schwarzen Zick-Zack-Muster und der lustige Beagle sollten (fast) überall auf der Welt bekannt sein. Jeder kennt sie als zweidimensionale, spartanische Zeichnungen. Was wird das in 3D? Das kann doch nichts werden. Bei Twentieth Century Fox hat man sich aber gesagt, dass die Kinder heutzutage – und die sollten natürlich hauptsächlich abgeholt werden – mit CGI-modelierten Animationen groß geworden sind. Man hätte denen nicht mit zweidimensionalen Zeichnungen kommen können. Es war ein logischer Schritt, diese Technik zu wählen. Was kam also dabei heraus?

Ein schöner, kleiner Film, der eine nette Geschichte beschreibt. Charlie hadert mit sich und allem anderen auch. Er ist unsicher, ob ihn überhaupt irgendwer mag. Wie kann da ein so schönes Wesen wie das kleine, rothaarige Mädchen etwas von ihm wollen? Lucy gibt ihm den Rat, dass er etwas sein muss. Er muss eine Medaille oder ähnliches erlangen, dann wird das Mädchen auf ihn aufmerksam. Also versucht Charlie alles, um in der Gunst seiner Angebeteten zu steigen. Natürlich sind die Versuche alle nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Seinen eigenen Talentshow-Auftritt als Magier lässt er sausen, um seiner kleinen Schwester Sally die Bühne für ihren Traum zu geben. Ein Tanzwettbewerb endet in einem Desaster.

Aber Charlie gibt nicht auf. Das macht die Figur aus. Er scheitert, steht aber jedesmal wieder auf. Er ist bis unter die eine Haarsträhne mit Hoffnung angefüllt – Hoffnung auf ein besseres Leben, auf Freunde, auf Erfolg, auf Liebe.

Als Charlie durch einen "Unfall" plötzlich bei den Mitschülern rasant im Ansehen steigt und dann "selbstverschuldet" wieder fällt, stellt er sich die Frage, ob die Leute ihn nur wegen seines Erfolges oder seinetwegen gemocht haben. Eine bekannte Frage.

Kommen wir zur Umsetzung. Flach oder kugelig-rund? Es hätte ganz bestimmt nicht 3D sein müssen, aber die Art und Weise, wie die Blue Sky Studios die Figuren aus den Zeitungsstrips in den Computer bekommen haben, ist schon toll. Sie haben typische Einstellungen aus der flachen Welt in die CGI-Welt übernommen. Die Figuren sind jedoch nicht alle plötzlich rund und mit Schatten versehen. Blue SKy Studios mischten noch klassische Elemente der zweidimensionalen Welt ein. In Snoopys Gesicht sind die Augen auch mal cartoonish, oder wenn der Hund von seiner Hütte rollt, sehen wir die typischen Striche, die im Cartoon eine Drehung andeuten sollen. Der Mix ist gelungen und versöhnt auch die puristischsten Peanuts-Fans. Hoffe ich jedenfalls.

Auch für Nicht-Peanuts-Fans ist der Film schön anzusehen. Die Figuren sind gut gelungen, die einzelnen Charaktere bestens wiedergegeben. Alles andere wäre auch kommerzieller und PR-Selbstmord gewesen. Der Film hat eine schöne Leichtigkeit, vergisst aber nicht seine Hauptfigur Charlie Brown mit all seinen Fragen und Unsicherheiten richtig darzustellen. Knapp 90 lustige, unbeschwerte Minuten erwarten einen mit Die Peanuts.

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