Filmplakat Die Frau in Schwarz
5/10

„Sometimes I feel she's still with me.“ (Die Frau in Schwarz, 2012)


Die Frau in Schwarz

Besprechung

England am Ende des 19. Jahrhunderts. Der allein erziehende Rechtsanwalt Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) muss aufs Land, um die Nachlassschaft einer alten Dame zu regeln. Sein Chef setzt ihm ein Ultimatum. Verbockt Arthur diesen Auftrag, ist er raus.

In dem kleinen Dorf angekommen, wird ihm gleich von Anfang an nicht viel Sympathie entgegen gebracht. Einzig Mr. Daily (Ciarán Hinds) ist ihm behilflich und entgegenkommend.

Die Dorfbewohner verlangen von Arthur, dass er ihr Dorf verlässt. Sie scheinen alle etwas zu wissen, was sie Arthur verheimlichen. Wie Daily es erklärt, ist das jedoch eh alles Aberglaube. Allerdings steckt der junge Rechtsanwalt nun einmal in der Zwickmühle, da er den Auftrag zu Ende bringen muss. Sonst ist er seinen Job los. Deshalb fährt der verzweifelte Vater zum Haus der Verstorbenen. Es liegt abgelegen auf einer Insel, die nur während der Ebbe erreichbar ist.

Dort angekommen geschehen seltsame Dinge. Arthur sieht eine schwarz gekleidete Frau, die im nächsten Moment auch schon wieder verschwunden ist. Bildet Arthur sich das ein?

Als später im Dorf ein Kind in Arthurs Armen stirbt, werden die Dorfbewohner aggressiv. Arthur hat die Gemeinde zu verlassen! Doch es zieht ihn wieder auf die Insel. Nicht nur, dass er den Auftrag erledigen muss, sein kleiner Sohn Joseph (Misha Handley) kommt am Wochenende, um ihn zu besuchen …

Meinung von

Als der Film anfing, war ich nicht der Einzige, der sich vom Vorspann der Produktionsfirma in die Irre hat treiben lassen. Einen kurzen Moment dachte ich, wir würden einen Marvel-Film sehen. Doch die 2007 wieder ins Leben gerufene Hammer-Filme haben einen Marvel-ähnlichen Vorspann. Hammer steht für (blutigen) Horror. Die Frau in Schwarz ist aber kein Horror- sondern ein "klassischer" Gruselfilm.

Wenn Arthur in das kleine Dorf kommt und ihm nur Antipathie entgegen gebracht wird, der Zuschauer jedoch nicht weiß, wieso dem so ist — das sind so die Elemente eine Gruselfilms, die an einem nagen. Man weiß stets "Da passiert was", aber was es ist oder wann genau, das macht den Reiz eines Gruselfilms aus. Davon gibt es in Die Frau in Schwarz genügend Momente. Mal sieht man eine Gestalt am Fenster oder hinter Arthur stehen, dann gibt es Schockmomente, wenn er durch ein Loch schaut — alles schon mal da gewesen, aber hier ganz nett komponiert.

Eine Kollegin von mir, die ebenfalls anwesend war, stieß in regelmäßigen Abständen ein "Oh my god!" aus. Überhaupt waren es vor allem die Damen, die den Film nicht so gut vertrugen. Neben dem üblichen nervösen Gelächter gab es auch sehr viele, die den Film vorzeitig verließen.

Die Frau in Schwarz ist stimmungsvoll gefilmt, Harry Potter-Darsteller Radcliffe macht seinen Job als lethargischer, gebrochen Vater ganz ordentlich — wobei so stumpfsinnig und eigenbrötlerisch dreinschauen kann auch auch.

Die Tatsache, dass Radcliffe seinen Neffen an Bord geholt hat, damit dieser seinen Filmsohn spielen kann — Radcliffe wollte ein Kind am Set haben, zu dem er eine Beziehung haben könne — das ist eine nette Geschichte. Mehr nicht. So viel haben Radcliffe und sein Neffe nicht gerade miteinander interagiert. Also nette PR, aber nichts, was man zwingend im Film bemerkt hätte. Es sei denn Radcliffe kann sonst nur wirklich schlecht mit Kindern umgehen ...

Wer einen vorhersehbaren Film sehen möchte, der ein wenig leichte Rätselkost enthält, dafür aber viele (typische) Grusel- und Schockmomente, der ist mit Die Frau in Schwarz gut bedient. Ich rate davon ab, den Streifen mit einer leicht schreckhaften Frau zu sehen.

hoch