Filmplakat Die dunkle Seite des Mondes
5,5/10

„Ich verlauf' mich gern'.“ (Die dunkle Seite des Mondes, 2015)


Die dunkle Seite des Mondes

Besprechung

Urs Blank (Moritz Bleibtreu) ist Wirtschaftsanwalt und er ist gut. Eben hat er eine schwierige und wichtige Fusion zweier Pharmaunternehmen abgewickelt. Der Inhaber der geschluckten Firma nimmt sich vor Urs’ Augen das Leben, was den Anwalt in eine Krise wirft.

Durch Zufall landet er nach der Beerdigung auf einem alternativen Flohmarkt, wo er Lucille (Nora von Waldstätten) kennenlernt. Diese junge Frau ist völlig anders als Urs. Sie ist lebendig, ungezwungen. Nicht wie Petra (Sabine Rossbach), mit der Urs eigentlich zusammen ist. Lucille nimmt Urs eines Tages mit zu einer kleinen Runde mit Freunden mit. Hier wirft er Pilze ein, die ihn auf einen sehr seltsamen Trip bringen, von dem er scheinbar nicht mehr runterkommt. Urs wird aggressiv, schlägt Lucille und fängt an, noch schlimmere Dinge zu machen …

Während Urs versucht diesen Wutausbrüchen zu entkommen und wieder normal zu werden, muss er eine weitere Fusion vorbereiten. Urs’ Auftraggeber Pius Ott (Jürgen Prochnow) weiß um das Geheimnis von Urs, treibt ihn aber dennoch weiter voran. Bis Urs auch noch Probleme mit der Fusion bekommt.

Meinung von

Zugegeben, ich bin kein schneller Leser. Aber von Zeit zu Zeit kommt es vor, dass mich ein Buch so sehr fesselt, dass ich auf magische Weise schneller lese und auch jede frei Minute darauf verwende. So ging es mir bei Die dunkle Seite des Mondes aus der Feder des Schweizer Schriftstellers Martin Suter. Um so spannender, den Stoff auf der Leinwand zu sehen. Dachte ich zumindest.

Kurz nach der Veröffentlichung des Romans wollten viele Leute den Stoff filmisch umsetzen. Sie waren – wie ich – von dem Buch begeistert. Doch die Finanzierung war schwer, der erste Drehbuchwurf nicht gut. Als dann schließlich mit reichliche Unterstützung und Fördermitteln das Projekt angegangen werden konnte, entschloss man sich dazu, bei Null anzufangen. Das Drehbuch wurde von Grund auf neugeschrieben. Zugegeben, es ist schon einige Jahre her, dass ich das Buch las, aber so wie auf der Leinwand, so hätte ich die Geschichte nicht im Kopf. Tatsächlich wurde viel umgeschrieben.

Unter anderem ist der Buch-Urs wirklich auf einem Trip, der ihn in eine Art Tier verwandelt. Er wird unbändig, wild und instinktgetrieben. Er gerät in eine Spirale aus Gewalt und Entfremdung. Der Film-Urs hingegen hat Schübe. Er wird gewalttätig und besinnt sich dann wieder eines besseren. Er bereut, was er getan hat. Das hat, so Moritz Bleibtreu in der FAQ-Runde nach der deutschen Uraufführung des Films im Rahmen des Filmfestes Hamburg, damit zu tun, dass man die Welt des Romans schlicht und ergreifend nicht auf die Leinwand hätte bringen können. Auch sollten sich die Zuschauer zu der Figur des Urs hingezogen fühlen, sich für ihn interessieren. Das wäre mit der Buch-Version, so heißt es, im Kino nicht möglich gewesen.

In Die dunkle Seite des Mondes geht es um das Animalische. Im Buch mehr als im Film. Hier öffnen die Pilze etwas in Urs, das schon vorher da war. Sie ermöglichen ihm, auszubrechen aus seiner geleckten Anwaltswelt. Allerdings kommt er stets zurück ins normale Leben, sieht sich mit seinen schrecklichen Taten konfrontiert. Außerdem muss er sich mit Pius Ott auseinandersetzen. Der will die Fusion um jeden Preis. Doch Urs weiß etwas, das moralisch verwerflich ist und die Fusion verhindern sollte. Ott will sein Geld, Konsequenzen sind ihm egal. Eigentlich könnte dem animalischen Urs auch so einiges egal sein, doch seine menschliche, seine moralische Seite, meldet sich immer wieder.

Auch wenn ich nicht überzeugt war von der Neuinterpretation des Stoffes, Bleibtreu spielt seine Rolle gut. Kennen wir Bleibtreu eher als chaotischen, einfachen, gerne auch kriminellen Typen, wie z.B. in Nicht mein Tag, so mimt er in Die dunkle Seite des Mondes seine Anwaltsfigur ernst und seriös. Seine Wutausbrüche sind gut, wenn auch nicht angsteinflößend. Die Rolle von Jürgen Prochnow ist klein, wird jedoch auch gut ausgefüllt.

Das, was ich aus dem Buch noch in Erinnerung hatte, die Freilegung von urtümlichen Verhaltensweisen und Gewalt, ausgelöst durch Drogenkonsum, ist im Film runtergespielt. An die kleine Krimi-Einlage mit der brisanten Medikamenten-Studie und der Fusion kann ich mich übrigens nicht erinnern. Das war schlicht nicht der Part, der beeindruckt hat.

Am meisten haben mir die Waldaufnahmen gefallen. Diese wurden in Luxemburg aufgenommen, wie man dann aus der FAQ-Runde erfahren hat.

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