Filmplakat Die Brücke am Kwai
8,5/10

„Wenn ein Mann wie euer Colonel etwas vorschlägt, dann ist das ein Befehl.“ (Die Brücke am Kwai, 1957)


Die Brücke am Kwai

Besprechung

Im zweiten Weltkrieg wird ein Bataillon britischer Soldaten unter der Leitung von Colonel Nicholson (Alec Guinness) in ein japanisches Gefangenenlager im damaligen Burma gebracht. Der diensthabende japanische Colonel Saito (Sessue Hayakawa) herrscht mit strenger Hand. Er hat den Auftrag eine Brücke über den Fluss Kwai zu bauen, die bis Mitte Mai fertig sein soll. Die Japaner wollen eine Bahnlinie von Bangkok nach Rangun bauen. Dafür werden alle Hände gebraucht, die das japanische Kaiserreich finden kann. Also sollen auch die britischen Offiziere mit Hand anlegen. Doch das entspricht nicht der Genfer Konvention – auf die gibt Saito allerdings nichts. Es entsteht ein psychologischer Krieg zwischen den beiden Colonels.

Nach einem Monat hat Nicholson den Japaner da, wo er ihn haben will, wenn es ihn auch beinahe das Leben gekostet hat. Nicholson ist ein Mann des Prinzips und der Ordnung. Er macht sich daran, den Japanern zu zeigen, was europäische Baukunst ist und will eine hervorragende Brücke abliefern.

Während die Briten die Brücke bauen, ist der amerikanische Soldat Shears (William Holden) als einziger Gefangener aus dem Lager geflohen und findet sich in einem Lager der Briten wieder. Die heuern ihn an, wieder zurück in den Dschungel zu gehen, um mit Major Warden (Jack Hawkins) und dem jungen Lieutenant Joyce (Geoffrey Horne) die Brücke in die Luft zu sprengen. Ein Unterfangen, das Shears nicht freiwillig in den Kopf gekommen wäre …

Meinung von

Einer dieser ewig langen Schinken, wie man sie damals gedreht hat. Zu der Zeit war das aber nicht, weil man dann auch mehr an der Kinokasse hätte verlangen können. Die Geschichte verlangt es einfach. Heraus kam ein gewaltiger Film um Willenskraft und den Wahnsinn des Krieges, der insgesamt acht Oscar-Nominierungen einheimste und sieben Goldmänner nach Hause brachte. Darunter war "Bester Film", "Bester Hauptdarsteller" und "Bester Regisseur".

Ungefähr das erste Drittel des Films dreht sich um den psychologischen Kampf zwischen Nicholson und Saito. Der Brite beharrt auf seinem Standpunkt und geht dafür auch in den "Backofen", wo er beinahe zugrunde geht. Saito holt ihn zwischendurch einmal raus, da wankt Alec Guinness' Charakter nur so über die Leinwand, man sieht ihm die Strapazen an. Doch er bleibt – im doppelten Sinne – standhaft. Saito interessiert sich nicht für die Genfer Konventionen, er interessiert sich nur für seinen Auftrag und für den muss jeder anpacken. Es wird deutlich, dass hier auch ein kultureller Kampf stattfindet.

Wenn Nicholson das bekommt, was er will – nämlich, dass seine Offiziere nur Verwaltungsarbeit leisten –, ist für ihn aber der Kampf noch nicht vorbei. Er geht weiter und schlägt dem Japaner eins ums andere Mal ins Gesicht. Bis der Japaner an diesen stoischen, überheblichen Briten verzweifelt. Nicholson geht in seiner Arbeit auf. Für ihn ist es wichtig, dass seine Männer, seien sie auch Gefangene, eine vernünftige, eine sinnvolle Arbeit verrichten. Das schafft man mit Disziplin, die er seiner Truppe wieder einflößt. Dabei ist er kein Tyrann, er weiß nur, dass ein Mensch eine sinnvolle Aufgabe braucht.

Allerdings scheint Nicholson im Angesicht seiner Tätigkeit die Realität etwas aus den Augen zu verlieren. Er ist völlig fokussiert auf die Brücke. Dass er hier etwas für die Japaner baut, will er nicht wahrhaben.

Daraus entsteht am Ende auch ein Interessenkonflikt. Shears und Warden haben den Auftrag, die verflixte Brücke in die Luft zu sprengen und den Japanern zu schaden. Nicholson hingegen ist geradezu verliebt in das Stück britische Handwerkskunst.

Die Arbeiten an Die Brücke am Kwai standen von Anfang an nicht gerade unter den besten Sternen. Die Geschichte des Franzosen Pierre Boulle musste erst einmal in ein Drehbuch umgeschrieben werden, doch man verschliss erst einmal einige Autoren, bis man mit Carl Foreman und später Michael Wilson die richtigen Männer fand. Die beiden Männer durften aber initial nicht genannt werden, weil sie auf einer schwarzen Liste standen und als Kommunisten gebrandmarkt waren. Dann gab es noch Probleme mit der Besetzung des Colonel Nicholson. Auch hier probierte man einige Schauspieler aus, bis man mehr oder weniger am Ende auf Alec Guinness stieß – der zu allem Übel die Rolle noch nicht einmal wollte. Schließlich hatte der ehemalige japanische Stummfilm-Schauspieler Sessue Hayakawa noch einen extrem miesen Akzent.

Die Brücke, um die sich alles dreht, wurde zunächst nur "nach Optik" gebaut, eine echte Statik fehlte anfangs. Als die Regierung des damaligen Ceylon, wo der Film tatsächlich gedreht wurde, dann aber eine ausrangierte Lokomotive samt Wagons spendierte, stand man vor dem Problem, dass diese Brücke nicht nur zum Anschauen da sein sollte. Jetzt musste auch noch ein echter Zug darüber fahren können.

Die Figur des Shears kommt eigentlich nicht im Buch vor, aber der Film wäre sonst zu britisch gewesen. Also brauchte man noch einen Amerikaner. Ebenfalls aus "Gründen des Gleichgewichts" wurden die Krankenschwester und die weiblichen Trägerinnen in die Geschichte gewoben. Es gab einfach zu wenig Frauen in dem Streifen.

Im Endeffekt hat Regisseur David Lean all diese Stolpersteine beseitigen können und einen beeindruckenden Film abgeliefert. Hier geht es um Pflichterfüllung und um Stolz. Auch wenn man ein Kriegsgefangener ist, so vermittelt es einem Nicholson, muss man immer noch Mensch bleiben und das bedeutet auch, dass man keine überflüssige Arbeit verrichten soll. Erst im spannenden Klimax erkennen wir die Verblendung Nicholsons und den Wahnsinn des Krieges, was uns der Lagerarzt Major Clipton (James Donald) auch noch einmal verkündet.

Die Brücke am Kwai ist ein Antikriegsfilm und ein Abenteuerfilm zugleich. Er ist zudem ein Film, den jeder Filmliebhaber einmal gesehen haben muss. Auch schon wegen des "Colonel Bogey March", den die Briten beim Einmarsch in das Camp pfeifen. Das Lied muss man kennen. (Im Deutschland der 1980er wurde das Lied in der Werbung für einen Magenbitter verwendet und so können wir das Lied auch alle pfeifen ...)

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