Filmplakat Der versteinerte Wald
8/10

„The Duke understood what I wanted.“ (Der versteinerte Wald, 1936)


Der versteinerte Wald

Besprechung

Mitten während der Großen Depression, irgendwo in der Wüste Arizonas – ein Wanderer kommt in eine einsame Tankstelle. Hier trifft der Brite Alan Squier (Leslie Howard) auf die junge Tochter des Tankstellenbesitzers, Gabrielle (Bette Davis). Gabrielle fühlt sich zu dem Fremden hingezogen. Gabrielle zeigt Alan ihre Bilder, aber selber ist sie zu bescheiden, doch Alan sieht Potenzial in ihr. Gabrielle träumt davon, nach Bourges in Frankreich zu reisen, ihre Mutter war Französin. Doch die Wege von Alan und Gabrielle trenne sich wieder.

Alan wird von einem Ehepaar mitgenommen, allerdings trifft die Reisegruppe auf den gesuchten Bankräuber und Mörder Duke Mantee (Humphrey Bogart) sowie dessen Truppe. Diese stehlen den Wagen des Ehepaars und fahren zur Tankstelle. Alan macht sich auf den Weg um Gabrielle zu warnen, nur sind die Verbrecher schon da und nehmen alle als Geiseln.

Der Duke wartet auf weitere Mitglieder seiner Bande – und eine Frau. Alan, der einen Todeswunsch hegt, ringt Duke das Versprechen ab, ihn umzubringen, wenn Duke geht. Nicht ohne vorher sein bescheidenes Vermögen auf Gabrielle zu übertragen.

Meinung von

Der versteinerte Wald basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Robert E. Sherwood. Im Grunde ist Der versteinerte Wald auch wie ein Bühnenstück. Die Tankstelle ist ganz klar in einem Studio aufgebaut, der Horizont aufgemalt. Die Haupthandlung findet im Gastraum der Tankstelle statt.

Zwar hatte Bogart schon in einigen Filmen mitgespielt, meistens kleine Gangster, doch mit Der versteinerte Wald sollte ihm der Durchbruch gelingen. Man wurde auf Bogart aufmerksam und nur so konnten wir ihn in Die Spur des Falken sehen. Das haben wir im Grunde Hauptdarsteller Leslie Howard zu verdanken. Das Filmstudio hatte Howard bereits angeheuert und dieser bestand auf Bogart, sonst wäre er aus dem Projekt ausgestiegen. (Bogart sollte seine Tochter später seinem Freund zu Ehren Leslie Howard Bogart nennen.)

Bogart ist gemein und gefährlich, extrem kaltherzig. Seine Figur des Mantee hatte Autor Sherwood an dem "Public Enemy #1" John Dillinger angelehnt. Das wusste auch Bogart und so studierte er Posen und Gehabe des echten Verbrechers ein, was dann in den Film einfloss.

Howards Rolle des gescheiterten und von einer Frau verschmähten Autors, ist seltsam angelegt. Wie in Filmen aus der Zeit (z.B. Rebecca) verlieben sich zwei Fremde ziemlich schnell ineinander. Gabrielle ist schnell Feuer und Flamme für den gebildeten Wanderer aus Großbritannien. Sie selber träumt davon, eines Tages die trostlose Tanke im Nirgendwo zu verlassen und auf den Spuren ihrer französischen Mutter zu wandeln. Sie möchte reisen und lesen und malen. In Alan sieht Gabrielle einen schöngeistigen Seelenverwandten. Nun könnte das Leben so wunderbar sein und die beiden jungen Menschen könnten durch das gemeinsame, traumatische Erlebnis der Geiselnahme noch enger zusammengeschweißt werden. Doch Alan hat einen unstillbaren Todeswunsch.

Schnell kommt seine morbide Ader zum Vorschein. Das stört den eitlen Sonnenschein. Doch Gabrielle sieht darüber hinweg.

Alans Thema ist die Vergänglichkeit, der Drang zum Aufbruch. Er selber – aus der alten Welt stammend – sieht sich als Relikt an, das vergehen dürfe. Die Menschheit an sich ist in Alans Augen ein Zwischenprodukt der Evolution und eine neue Spezies würde schon in den Startlöchern stehen. Vielleicht ist sogar Gabrielle ein Teil dieser neuen Welt, zu der Alan einfach nicht mehr gehört. Allerdings liebt er sie. Er das lebende Fossil, das Evolutionsstück, das dem Untergang geweiht ist und sie die aufsprießende Blume. Hier treffen scharfe Gegensätze aufeinander. Das kann kein Happy End nehmen.

Der Film spielt während der Großen Depression. Trostlosigkeit war allgegenwärtig. Also auch an diesem abgelegenen Flecken Erde, mit diesem Haufen bunt zusammengewürfelter Protagonisten. Alans Ansichten sind düster, wie überall in den Vereinten Staaten zu der Zeit. Warum nicht alles fortfegen und einen Neustart wagen?

Der versteinerte Wald handelt von Vergänglichkeit und Aufbruch. Durch Bogarts Rolle des Mantee kommt eine arg bedrohliche Komponente ins Spiel – und dennoch erzeugt der Film immer wieder ganz bescheidene Lacher. Ist Mantee durch und durch böse und gefährlich, ist Alan zwar depressiv und düster, doch auf seine Art auch beschwingt und spitzzüngig.

Aus einem nicht genau bestimmten Grund hat mich der Film angesprochen und einen Nachhall hinterlassen. Also kann er nicht schlecht sein.

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